Das Geheimnis meines Turbans

Erschienen: Mai 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Silke Kleemann; Broschur, 352 Seiten

ISBN: 9783570313787

Couch-Wertung:

9
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Sandra Dickhaus
Ein mutiges Mädchen, das der Talibanherrschaft trotzt

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Aug 2021

Dieses Sachbuch zu beschreiben ist nicht so einfach, denn es bietet so viele unterschiedliche Facetten, dass man erst mal die eigenen Gedanken ordnen muss. Es geht um eine Geschichte, die sich so ereignet hat: Nadia Ghulam, die in Kabul geboren wurde, musste schon in jungen Jahren merken, dass das Leben nicht nur schöne Seiten hat. Bei einem Bombenangriff wird sie als Kind sehr schwer verletzt und fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt, muss in Krankenhäusern bleiben und bekommt doch nie eine richtige Behandlung. Zig Operationen muss sie über sich ergehen lassen. Sie verliert ihren Bruder, und da ihr Vater psychisch nicht mehr in der Lage ist, die Familie zu ernähren, übernimmt sie im Alter von 11 Jahren diese Funktion und den Namen ihres Bruders.

Um in der männerdominierenden, strengen Gesellschaft unter Herrschaft der Taliban überleben zu können, verkleidet sie sich, zum Glück erfolgreich, als Junge. Es gibt so manche Momente, in denen man um Nadia bangt, wenn sie zu nahen Kontakt zu den Taliban hat. Die Sorge, sie könne auffliegen, schwingt immer mit. Sogar beim Schlafen behält sie ihren Turban auf, in der Angst, erwischt zu werden. Zehn Jahre lang hält sie diese Maskerade aufrecht, um ihre Familie zu versorgen. Auch in Zeiten der Pubertät gelingt ihr dies.  Als sie 16 Jahre alt ist, darf sie sogar als geschätztes „männliches“ Mitglied in der Moschee vorbeten und die Schule wieder besuchen.

Prägende Lebenserinnerungen

Da Nadia Ghulam eine Ghostwriterin hatte, wirkt die Geschichte natürlich an mancher Stelle konstruiert, die Dialoge werden sich wohl nicht so ereignet haben, so weit wird die Erinnerung nicht reichen. Deutlich wird aber die Botschaft, die hinter dem Erzählen dieses prägenden Lebensabschnitts steckt: Ein Kampf gegen Unterdrückung und Ausbeutung lohnt sich immer. Auch und vor allem als Frau! Sehr kritisch geht Nadia im Grunde mit allem um, sie charakterisiert ihre Mutter und ihren Vater, auch wenn das nicht immer zu ihren Gunsten ausfällt, macht deutlich, welche Missstände im Taliban gebeutelten Kabul herrschen und versucht ihr Bestes zu geben. Nadia lässt in den Schilderungen an ihrem Leben, ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben. An der ein oder anderen Stellen mag einiges ein wenig idealisiert klingen, aber das ist auch der schriftlichen Form des Ghostwritings zuzuschreiben. Klar wird aber, dass Nadia mit dem Annehmen der männlichen Identität in ein völlig neues Leben eintaucht. Als Mädchen hatte sie ja so gut wie keine Rechte. Zwischendurch hat man das Gefühl, Nadia fühlt sich so sehr zu dieser Rolle hingezogen, dass eine Wiederaufnahme ihrer weiblichen Identität ein Problem darstellen könnte.

Fazit

Eindringlich und in angenehm langen Kapiteln wird die Lebensgeschichte Nadias erzählt, die als Junge verkleidet einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend verbringt. Deutlich wird demnach die unvorstellbare Unterdrückung unter den Taliban, die alle Menschen in Afghanistan betraf, aber vor allem die Frauen.

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