Die Nacht der Acht

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Maja von Vogel; Broschur, 288 Seiten

ISBN: 9783551584335

Couch-Wertung:

4
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Sabine Bongenberg
Nicht mehr als ein Schulterzucken

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jul 2021

Es klingt nach einer tollen Idee: Die angesagteste Clique der Schule trifft sich an einem Wochenende zum Trinken und Feiern. Aber dieses Mal soll die Party noch ein bisschen besser und schriller werden, denn da alle Horrorfilm-Fans sind, soll sich jeder einen Gruseleffekt überlegen, mit dem er seine Freunde gehörig erschrecken soll. Denn: Wer sich fürchtet, muss darauf Alkohol kippen! Schnell hat auch jeder seine ersten Wodkas geleert. Aber es war nicht geplant, dass draußen ein Unwetter tobt, das Haus plötzlich von der Außenwelt wie abgeschnitten zu sein scheint und sich mysteriöse Vorkommnisse häufen. Ganz und gar nicht geplant war auch, dass ein Cliquenmitglied nach dem anderen verschwindet.

Philip Le Roy hat seine Helden wie in einer Band zusammengestellt und bedient etwas für jeden Geschmack. Da ist der reiche Architektensohn, die schöne, reiche, tanzaffine Blondine, die überaus intelligente – natürlich bebrillte – Leseratte, die ständig in strengem Schwarzweiß gewandet erscheint, der lustige Dicke, der gerne pokert und noch weitere Charaktere, die jedes platte Klischee bedienen. Sie alle bilden „die Acht“ und warum sie miteinander abhängen, was ihre Freundschaft ausmacht, warum sie so tolle Zeiten miteinander verbringen, bleibt ein Geheimnis, denn offensichtlich reicht es ja, interessant und – angeblich – cool zu sein und alles andere ist nicht von Belang. Alle sind Schüler einer Kunstschule und offensichtlich gibt es Schulen in Frankreich, die von ihren Schülern ein besonderes Abschlussprojekt einfordern, das gerne die Grenzen des guten Geschmacks sprengt oder überhaupt keinerlei Kunsthandwerk erfordert. Anders ließen sich nämlich die gewählten Projekte der „Acht“ nicht erklären. Diese Konstellation gruselte mich tatsächlich.

Der Autor lässt seine blassen Helden in einem fast bezugsfertigen, absolut noblen und schicken Haus mitten in der Pampa zusammenkommen und schon beginnen die Acht so wie es vorher geplant war, sich die – hihihi – gruseligsten und abschnittsweise geschmacklosesten Horrorszenen vorzuspielen. Inwieweit diese Szenen unter Freunden noch akzeptabel sind, das mag der Leser selbst entscheiden, aber offensichtlich weht unter den französischen Jugendlichen ein heftigerer Wind, denn scheinbar nimmt es niemand übel, wenn die Mädchen als „Hündinnen, die den Männern ständig hinterherlaufen“ tituliert werden und die nur dann nicht vergessen, „wo ihr Platz ist, wenn sie den Schleier tragen.“ Natürlich ist das alles nur Spaß und niemand nimmt so etwas ernst.

Die später entstehenden Horrorgeschichten und der Teil, wo offensichtlich klar wird, dass es sich nicht mehr um einen „kleinen Gag“ unter Freunden handelt, werden kurz und spannungsarm geschildert und sogar mir kam ein ganzer Teil der Szenarien mehr als bekannt vor. Gelegentlich ist das tatsächlich mal ein bisschen gruselig, aber zumindest die ersten Kapitel werden schnell aufgelöst und selbst als die Mitglieder der Gruppe zu verschwinden beginnen, hinterlässt das beim Leser allenfalls ein Schulterzucken. Bei der Menge der auftretenden Personen und der fehlenden Sympathien für dieselben, ging es zumindest mir relativ entspannt am Popo vorbei, wer denn jetzt noch mitspielte (und im Übrigen die teure Villa zerlegte) oder schon verschwunden war. Das was mich beim Lesen bei der Stange hielt, war die Frage, wer oder was denn letztendlich für die mysteriösen Vorkommnisse verantwortlich war und – siehe da – auch da hatte ich den richtigen Verdacht.

Fazit

Der angepriesene „nervenaufreibende Horror-Thriller für Jugendliche“ arbeitet mit angeblichen Schockeffekten, deren Umsetzung in einigen Fällen mehr als schwierig sein dürfte und in anderen Fällen allenfalls geschmacklos ist. Wer wieder die alte Geschichte von der Gruppe Jugendlicher aufwärmen möchte, die in einer einsamen Location schrittweise von einem blutigen Schicksal eingeholt werden, der sollte schon ein bisschen mehr bieten als stereotype Gestalten und Theaterblut-Effekte und irgendwelche Horrorszenarien einfach nachzuerzählen ist dann natürlich genauso „kreativ“ wie die Abschlussprojekte der „Acht“.

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