Love, Simon

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

übersetzt von Ingo Herzke; Broschur, 320 Seiten

Neuauflage von Nur drei Worte

ISBN: 9783551319951

Couch-Wertung:

8
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Nina Pimentel Lechthoff
Simon gegen die Homo-Sapiens-Agenda

Buch-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Mai 2021

Simons Leben ist eigentlich ganz normal. Er besucht die Highschool mit seinen besten Freunden Nick und Leah. Vor Kurzem ist auch Abby zum Freundeskreis hinzugekommen und passt sofort in ihre kleine Familie. Auch Simons „richtige“ Familie ist eigentlich nahezu perfekt. Mit seinen beiden Schwestern versteht er sich prima – auch wenn seine ältere Schwester auf dem College ist und er sie sehr vermisst – und seine Eltern sind liebevoll.

Doch in letzter Zeit verbringt er am liebsten seine Zeit online. Besser gesagt mit seinen Emails. Denn Simon hat ein kleines großes Geheimnis, den er niemanden anvertraut außer Blue. Denn genau wie Simon ist auch Blue schwul und nicht bereit, sich zu outen. So schicken sich Simon und Blue immer mehr Mails hin und her und erzählen aus ihren Leben. Allerdings ohne zu viel zu verraten, denn Blue ist nicht sein richtiger Name und auch Simon unterschreibt seine Emails mit dem Pseudonym Jacques. Beide sind nicht bereit, dem anderen sein wahres Ich preiszugeben. Trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden eine starke Verbindung.

Doch dann passiert etwas, dass diese zärtliche Liebe zu zerstören droht. Ein Klassenkamerad von Simon entdeckt seine Mails und droht, sie zu veröffentlichen. Alles, was Simon tun muss, ist ihm dabei zu helfen, mit Abby zusammenzukommen. Simons Leben steht Kopf und seine Beziehung zu Blue droht auseinanderzufallen.

Tagebuch eines Digital Natives

Die Geschichte erlebt man aus Simons Perspektive. Dadurch, dass das Ganze im Präsens geschrieben ist, erfährt man alles sehr unmittelbar, als würde man als kleiner Geist auf Simons Schulter sitzen und nebenbei seine Gedanken hören. Das war für mich erst etwas fremd, da ich nicht viele Bücher lese, die sowohl aus der Ich-Perspektive als auch im Präsens erzählen. Aber Simon ist ein sehr sympathischer Protagonist, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat.

Es gibt aber auch Kapitel, die anders aufgebaut sind. Die Emails, die Blue und Simon sich hin und her schicken, werden durch eine andere Formatierung von den anderen Kapiteln hervorgehoben. Man bekommt die auch nicht „vorgelesen“, indem man aus Simons Perspektive auf diese Emails schaut, sondern liest den jeweiligen Mail-Verlauf selbst, samt Email-Adresse, Betreff und Uhrzeit. Dadurch wird man als Leser einerseits zu einem kleinen Eindringling, der in die Privatsphäre dieser beiden Figuren tapst. Aber so wird einem auch ein Blick von „außen“ auf Simon gewährt. Man liest nur das, was er Blue schreibt, ohne seine Gedanken dazu zu hören. Es wirkt ein bisschen so, als würde man das Tagebuch eines Menschen lesen, nur dass eben alles online passiert.

Mehr als nur eine Teenie-Geschichte

Love, Simon spielt in einem Vorort von Atlanta und erzählt die Geschichte von einem Jugendlichen, der sich mit der ersten Liebe konfrontiert sieht. Dass er schwul ist, ist dabei eigentlich kein Hindernis oder etwas, mit dem er sich auseinandersetzen muss. Seine Sexualität ist ihm sehr bewusst, nur seiner Umwelt mitzuteilen, dass er nicht in die in das heteronormative Weltbild reinpasst, dass für alle die Norm zu sein scheint, dafür ist Simon noch nicht bereit. Diese Spannung zwischen Selbstannahme und die Angst, sich seiner Umwelt zu öffnen, schafft die Autorin Becky Albertalli sehr schön in Worte zu fassen. Sei es in dem Mail-Verkehr zwischen Blue und Simon – wo sich Simon darüber aufregt, dass „Hetero die Normalität“ ist und jeder sich outen müsste, egal in welche Richtung –, oder in seinen alltäglichen Gedanken und Erlebnissen. Das macht Love, Simon zu einem Buch, das viele Leute ansprechen kann, egal wie alt man ist oder zu wem man sich hingezogen fühlt.

Buch zum Film zum Buch

In der Filmausgabe von Love, Simon gibt es jede Menge Bonusmaterial zum Film von 2018. Neben Filmbildern gibt es einen Auszug aus dem Drehbuch und ein Interview der Autorin Becky Albertalli mit dem Regisseur Greg Berlanti und dem Simon-Schauspieler Nick Robinson. Auch wenn die Filmbilder etwas lieblos in der Mitte des Buchs rein geklatscht wirken, sind vor allem der Drehbuchausschnitt und das Interview sehr interessant.

Fazit

Ich habe sehr gerne Love, Simon gelesen. Ich war zwar schon ein Fan der Verfilmung, aber das Buch hat mich positiv überrascht. Ich finde es sehr schön, dass man mehr von Blues und Simons Beziehung mitbekommt. Auch das Bonusmaterial hat mir sehr gut gefallen. Nur einige der Anspielungen auf Serien oder Videospielen haben mich immer wieder daran erinnert, dass Love, Simon schon vor einer Weile erschienen ist. Eigentlich schade, denn die Themen, die Autorin Becky Albertalli aufgreift und wie sie diese in die Geschichte verwebt, sind sehr zeitlos.

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