Ein finsterheller Tag

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel The Colour Of The Sun; aus dem Englischen von Alexandra Ernst; Hardcover, 240 Seiten

ISBN: 9783737356282

Couch-Wertung:

6
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Rita Dell'Agnese
Ein polarisierender Roman

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jul 2021

Davies Mutter schickt ihren Sohn hinaus in die Sonne, wo er den Tag verbringen soll. Damit schickt sie ihn mitten hinein in eine ungeheuerliche Geschichte. Denn Davies Freund Gosh hat einen Toten gefunden. Es handelt sich um Jimmy Killen und für die beiden Jungen steht fest, dass der Mörder nur Zorro Craig gewesen sein kann, ein Abkömmling jener Familie, die seit jeher mit den Killens verfeindet ist. Davie macht sich auf die Suche nach Zorro, jedoch ohne ein konkretes Ziel zu verfolgen. Dabei muss sich der Junge nicht nur seiner Trauer um den kürzlich verstorbenen Vater stellen, er wird auch mit den Gefühlen eines Priesters konfrontiert, der sich verliebt hat und deshalb der Enge des Priesteramtes entfliehen möchte und er gerät in die Fänge einer jugendlichen Bande aus dem Familienverband der Craigs. Doch vieles ist nicht so, wie es scheint. Für Davie verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Traumwelt.

Skurrile Erzählung

Es braucht definitiv das Wissen, dass es sich bei diesem Buch unter anderem um Trauerbewältigung handelt, um die Geschichte einigermassen nachvollziehen können. Autor David Almond lässt Davie von Anfang an in einer diffusen Wahrnehmung wandeln – für die Leser ist es schwierig nachzuvollziehen, wo sich der Junge gerade befindet. Immer wieder kommen philosophische Gedanken in Konflikt mit den kindlichen Bedürfnissen. So etwa, wenn Davie darüber sinniert, wie das Schweinefleisch in seine Pastete kommt, vom Ergebnis angewidert ist und die Pastete dann doch verspeist. Sehr skurril auch die Situation, in der der Priester sich dem Kind anvertraut und ihm nicht nur seine persönlichen Probleme auflädt sondern auch sein Gebetsbuch aufnötigt, welches nun quasi als weitere Hypothek im Rucksack von Davie landet.

Wichtiges Thema, falsches Zielpublikum

Das Thema Trauerbewältigung und die damit einher gehenden Prozesse sind auch für Jugendliche wichtig und so ist es lobenswert, dass sich ein Jugendbuch-Autor dessen annimmt. Allerdings kommt das Thema hier so vielfältig verpackt und auf einer Ebene daher, dass der Zugang für Jugendliche – aber auch für Erwachsene – erschwert ist. Ein fehlender Spannungsbogen und die diffuse Erzählebene tragen nicht dazu bei, das Buch zu einem Pageturner zu machen. Dazu kommen ein kaum fassbarer Protagonist, der in seiner Gedankenwelt kreist und ein Gesellschaftsbild, das für viele zu weit weg sein dürfte. So ist die Gefahr groß, dass die jungen Leserinnen und Leser aussteigen, bevor sie die Essenz des Buches überhaupt erfassen konnten.

Fazit

Man darf auch an einen Jugendroman hohe Ansprüche stellen und davon ausgehen, dass die jungen Leser mit einer überzeugenden Reife an ein Thema herangehen. Bei diesem Roman aber dürfte vor allem das jüngere Publikum von der Erzählstruktur und dem diffusen Bild überfordert sein. Der Autor David Almond macht den Zugang zu seinem Werk nicht leicht, auch wenn er viele wichtigen Aspekte eines Trauerprozesses eingefangen und umgesetzt hat.

Ein finsterheller Tag

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