Morgen und die Ewigkeit danach

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

Broschur, 320 Seiten

ISBN: 9783570313800

Couch-Wertung:

9
Wertung wird geladen
Rita Dell'Agnese
Das Ringen um Worte

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Apr 2021

Nathalie ist verstummt. Seit dem Tod ihres kleinen Bruders Henry, für den sie sich verantwortlich fühlt, hat die 16jährige keine Worte mehr. Der Schmerz über Henrys Verlust ist so groß, dass Nathalie versucht, sich das Leben zu nehmen. Seither lebt sie in der Jugendpsychiatrie, zusammen mit anderen Mädchen, die keinen Sinn mehr im Leben sehen. Beim Essen, das die Mädchen mit den Jungen der anderen Station einnehmen, lernt Nathalie Lucas kennen. Auch er gehört zu den Teenagern, die in ihrem Leben keinen Sinn mehr sehen. Aber Lucas ist fasziniert von der stummen Nathalie und sucht die Begegnungen mit ihr. Die beiden verzweifelten jungen Menschen finden im Gegenüber Trost und zum ersten Mal seit langem keimt wieder Hoffnung auf.

Intensive Auseinandersetzung mit Gefühlen

Mit ihrem Roman Morgen und die Ewigkeit danach lässt die Autorin Manuela Inusa ihre Leser tief in die Abgründe der psychischen Erkrankungen von jungen Menschen blicken. Im Vordergrund stehen Nathalie, die sich die Schuld am Tod ihres Bruders gibt und unter dieser Last zu zerbrechen droht, und Lucas, der von seinem Vater für den Unfalltod der Mutter verantwortlich gemacht und seither abgelehnt wird. Besonders Nathalie öffnet dem jungen Publikum ihre Seele: In Ich-Form erzählt sie, wie sie um Worte ringt, aber nichts mehr zu sagen vermag. Sie kann weder ihre Psychiaterin noch ihre Mutter an sich heranlassen, versucht, sich in einem dicken Kokon zu verbergen. Mit Tagebucheinträgen und den Schilderungen ihres Alltags zeigt sie die verschiedenen Stationen ihres Kampfes auf und löst dabei nach und nach intensive Emotionen bei den Lesern aus.

Ruhige Entwicklung

Der Roman ist kein spektakuläres Drama, das im immer schnelleren Tempo auf einen Höhepunkt zusteuert. Die ruhige Entwicklung der Geschichte spiegelt jedoch gekonnt den Kampf der jungen Menschen wider. Die kleine Schicksalsgemeinschaft auf der Station lässt ahnen, wie vielfältig die Gründe sind, die die jungen Menschen in den Tod treiben. Sie finden zwar ein wenig Halt in der Gemeinschaft, müssen ihren Kampf aber letztlich mehr oder weniger allein ausfechten. Für die Leserinnen und Leser ist es nicht immer einfach, die Verzweiflung auszuhalten, die hier durch die empathische Schilderung der Autorin deutlich spürbar wird. Obwohl die ruhige Entwicklung ein Markenzeichen des Romans ist, ist sie allerdings manchmal auch ein kleiner Stolperstein, braucht es doch da und dort Geduld, um sich den sich wiederholenden Szenen nicht zu entziehen. 

Fazit

Morgen und die Ewigkeit danach ist ein intensives und berührendes Buch über Schuldgefühle, Verzweiflung und Flucht in den Tod. Gleichzeitig aber auch ein Buch über Hoffnung und die Kraft der Liebe – ohne dabei ins Kitschige abzugleiten. Die Intensität der Gefühle, die hier losgelöst werden, verlangt jedoch nach einer Triggerwarnung. Manuela Inusa spricht ein wichtiges Thema offen an und zeigt, wie schwierig der Umgang mit den Traumata der jungen Menschen ist.

Morgen und die Ewigkeit danach

Morgen und die Ewigkeit danach

Deine Meinung zu »Morgen und die Ewigkeit danach«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

LGBT
in der Jugendliteratur

Alljährlich wird im Juni der Pride Month gefeiert, um die Vielfalt unserer Gesellschaft hervorzuheben. Weltweit erheben Schwule, Lesben, Transgender, Bisexuelle und Menschen anderer sexueller Orientierungen ihre Stimme für Toleranz und stärken so die Gemeinschaft. LGBTQ+ ist schon lange kein Randthema mehr in der Jugendliteratur, sondern ein zentraler Aspekt zahlreicher Neuerscheinungen.

mehr erfahren