Wiedersehen mit Lucky

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel Chasing Lucky; aus dem Englischen von Claudia Max; Broschur, 384 Seiten

ISBN: 9783551584373

Couch-Wertung:

8
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Sabine Bongenberg
Spannende, bunte und lustige Liebesgeschichte

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Apr 2021

Es heißt, ein Fluch liegt über den Frauen der Saint-Martin-Familie und Josie Saint-Martin hat wohl offensichtlich die volle Breitseite abbekommen. Seit Jahren führt sie mit ihrer Mutter ein rastloses Leben, ist schon Gott-weiß-wie-oft umgezogen, hatte noch nie einen festen Freund und das mit dem Sex… naja. Wer will es ihr also verdenken, dass sie keine großen Erwartungen an ihre alte Heimatstadt Beauty an der Ostküste der USA hat.

Vor fünf Jahren verließ sie nach einem großen Familienkrach zusammen mit ihrer Mutter das kleine Örtchen. Jetzt kehrt sie nur zurück, weil sich für ihre Mutter eine vorübergehende Jobperspektive ergeben hat. Die Betonung liegt hier auf dem Wort „vorübergehend“, hat Josie doch keinerlei Ambitionen im ein bisschen verschlafenen Beauty zu bleiben. Sie träumt von einer großen Karriere als Fotografin und bei der könnte ihr Erzeuger, der berühmte Fotograf Henry Zabka helfen. Der allerdings lebt an der Westküste, was ja schon recht weit entfernt ist und dazu müsste sie ihrer Mutter eröffnen, dass sie zu ihm ziehen will.

Dazu kommt, dass sie ihren alten Jugendfreund Lucky Karras wiedertrifft und überrascht feststellt, dass der a) super aussieht, b) total sexy ist und c) stinksauer auf sie zu sein scheint. Wenn man es jetzt genau nimmt, sind das wesentlich mehr als nur ein Problem und so scheint das ein sehr bewegter Sommer zu werden – für Josie, für ihre Mutter und nicht zuletzt für Lucky.

Neue alte Freundschaft?

Die amerikanische Autorin Jenn Bennett erzählt in diesem Buch von einer Heimkehr: Ihre Heldin Josie kommt mit ihrer Mutter Winona zurück in das Küstenörtchen Beauty, denn Oma, die einst am großen Familienkrach mit beteiligt war, hat die Leitung des Familiengeschäfts – der ältesten unabhängigen Buchhandlung im kleinsten Bundesstaat der USA – wegen eines Aufenthalts in Nepal vorübergehend an Winona übertragen. Bereits hier sehen wir dann auch schon, dass die Familie eine recht ungewöhnliche sein muss, denn es gibt sicher wenige Großmütter, die sich mit dem Friedenskorps nach Nepal aufmachen, um dort zu unterrichten.

Bennet weiß dann humorvoll über das erste Treffen mit Josies altem Jugendfreund zu berichten. Wer hier glaubt, dass sich die beiden freudestrahlend um den Hals fallen, der sollte wissen dass Lucky mächtig sauer auf Josie ist, weil sie sich vor ihrer Flucht nicht von ihm verabschiedet hat und er gleichzeitig schwer verletzt im Krankenhaus lag. Gleichzeitig ist Josie mächtig sauer auf Lucky, denn nach der Flucht hat sie versucht ihn unzählige Male zu kontaktieren, er aber hat sich nie zurückgemeldet. Wie man sieht, stehen die Zeichen auf eine wunderbare Freundschaft von Anfang an nicht unter den besten Sternen.

Grundsätzlich könnte man jetzt annehmen, dass der Stress mit dem ehemals besten Freund bereits ausreicht, um den Sommer zu einer schwierigen Geschichte zu machen. Doch da gibt es noch einen Haufen anderer Probleme: Etwa die pikanten Fotos, die plötzlich aufgetaucht sind, von denen einige annehmen, dass sie Josie zeigen, sie aber genau weiß, wer darauf abgebildet ist. Oder der Schulschönling Adrian, Sohn des reichsten Mannes aus Beauty, der nüchtern ganz nett, aber betrunken ein Mistkerl ist und der eine On-Off-Beziehung mit ihrer Cousine Evie pflegt. Da wäre noch die Sache mit dem großen Schaufenster vom Geschäft seines Vaters und der Stein, der ursprünglich nur ein Schild treffen sollte. Nicht zuletzt auch die Sache mit dem Praktikum bei der Segelregatta, was sich total super bei Studienbewerbungen machen würde, aber dafür müsste sie mindestens achtzehn sein und natürlich wäre es von Vorteil, wenn ihr auf einem Segelboot nicht sofort schlecht werden würde. Und sie schwimmen könnte. Ganz zuletzt ist da vieles mit Lucky, ganz vieles und es gilt, unsichtbare Wände zu überwinden und über vieles zu sprechen, was passiert ist und was man geglaubt oder gehört hat und darüber dann möglicherweise etwas Schönes zu finden.

Jenn Bennett hat einen federleichten Roman über das Erwachsenwerden, das Wiederfinden von Freunden und das Überwinden von Gräben verfasst und manches, was sie schreibt, wirkt so absolut einfach und vermutlich wäre es das auch im richtigen Leben, wenn alle, die sich verkracht hätten, den Mut finden könnten, ehrlich miteinander zu sprechen. Besonders gut gefiel mir, dass keine der geschilderten Hauptpersonen einen besonders einfachen Werdegang hatte: Lucky, bei einem Hausbrand schwer verletzt und unter den Folgen leidend, Josie, im Schlepptau ihrer Mutter, nie lange an einem Ort und Armut gewöhnt ist, Winona, früh in Verantwortung gezwungen und zerrissen bei dem Versuch, ihrer Tochter eine Verbindung zu ihrem Erzeuger offenzuhalten und zu wissen, dass das eigentlich keine gute Idee ist. Sie alle schaffen es dennoch, mit Humor, Ehrlichkeit und Glauben an ihre Talente und Fähigkeiten ihren Weg zu finden und dabei hatte jeder eine ganze Menge Steine im Weg liegen.

Fazit

Jenn Bennetts Wiedersehen mit Lucky zeichnet eine Sommergeschichte wie Limonade am Strand, einen Bummel in einem kleinen amerikanischen Städtchen und das Stöbern in einem kleinen, verwinkelten Bücherlädchen. Es macht Spaß, seinen Helden zu folgen und besonders gut gefiel mir auch, dass man sich in Ruhe auch mal verkrachen kann – und jeder auch mal einen Stein werfen kann – sich aber am Ende alle mehr oder weniger vertragen.

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