Fieber! Alles. Außer. Kontrolle.

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

Hardcover, 328 Seiten

ISBN: 9783407758514

Couch-Wertung:

6
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Julian Hübecker
Endzeitszenario mit viel Potenzial

Buch-Rezension von Julian Hübecker Mär 2021

Ein globales Fieber greift um sich und tötet jeden, der eine schlechte Klimabilanz hat. Evie erkennt die Gefahr schon früh, doch kaum jemand will auf sie hören oder sie ernst nehmen. Als Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung sterben, wird das Ganze zu einem Wettlauf gegen die Zeit. Schafft Evie es zumindest noch einmal zu ihrer Schwester, ehe sie auch Fieber erliegt?

„Wenn ihre Befürchtung stimmte, dann blieben Evie maximal vierundzwanzig Stunden. Wahrscheinlich weniger. Vierundzwanzig Stunden. Dann war sie tot.“

Evie ist auf dem Rückflug von Italien nach Deutschland, als sie dabei zusehen muss, wie ein Geschäftsmann zusammenbricht und stirbt. Im Sterben hat der Mann immer wieder von sich gegeben, er würde verbrennen. Bald häufen sich die Fälle, aber ausnahmslos betrifft es reiche Menschen, sodass sich die vielen „einfachen Menschen“ sicher fühlen. Doch Evie lässt das Erlebnis nicht los und sie versucht, mehr herauszufinden. Schließlich schlägt sich das Gerücht durch, dass Menschen betroffen sind, die eine schlechte Klimabilanz haben, weshalb es zuallererst solche mit viel Geld betrifft.

Plötzlich versuchen die Menschen, klimafreundlicher zu leben, Reiche verschenken ihr Hab und Gut, auf das Fliegen und Autofahren wird verzichtet. Doch das reicht nicht, und so sterben immer mehr, auch in Evies direktem Umfeld. Als der Notstand ausgerufen wird und sogar Lebensmittel rationiert werden, breitet sich das Chaos aus. Proteste und Gegenbewegungen werden lauter, die Stimmung immer aggressiver. Während sich ihr Umfeld weiter ausdünnt, versucht Evie, vernünftig zu bleiben und zu ihrer Schwester mit dem Fahrrad aufs Land zu fahren. Auf dem Weg merkt sie jedoch, dass ihre Temperatur ansteigt – und Fieber führt nach 24 Stunden zum Tod. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt …

Brisante Idee

Es ist schon eine befriedigende, wenngleich beängstigende Vorstellung, dass unser gedankenloses Handeln der Erde gegenüber irgendwann auf uns zurückfällt. Mit Fieber hat Swantje Oppermann so ein Gedankenexperiment gestartet und in einen schonungslosen Roman verpackt, der sich zügig liest. Erzählt wird in zwei Zeitebenen aus Sicht von Evie: Die Katastrophe nimmt ihren Anfang im Flugzeug und läutet die kurzfristige Vergangenheit ein, während man in der Gegenwart Evie auf ihren Weg zu ihrer Schwester begleitet, mit der Befürchtung, dass sie Fieber hat.

Die Ausgangslage ist also bereits sehr spannend und hält viele Möglichkeiten für eine dramatische Entwicklung offen. Dann kam aber recht schnell die Vermutung auf, dass Fieber sich nach der Klimabilanz einer Person richtet, und ab diesem Zeitpunkt fehlt die Kontrolle über die Geschichte. Als Leser möchte man einen theoretischen Hintergrund über etwas haben, so abenteuerlich dieser auch sein mag – gerade in einer Science-Fiction-Geschichte können die unwahrscheinlichsten Erklärungen herhalten. Aber dieses plötzliche Annehmen der sehr weit hergeholten Vermutung will mir nicht wirklich in den Kopf.

Auch die Bezeichnung der Krankheit (?) als „Fieber“, ohne jeglichen Artikel, macht sie zu einer Art „Bösewicht“, was aber so gar nicht in die allgemeine Stimmung passt. Das ganze Konzept steht zu sehr auf wackligen Füßen, als dass man sich als Leser damit anfreunden und Fieber ernst nehmen kann. Dass dahinter unsere derzeitige Klima- und Umweltsituation steckt, ist klar, wird aber zu sehr zum „erhobenen Zeigefinger“, der unbedingt suggerieren soll, dass wir in einer misslichen Lage stecken. Die eigentliche Geschichte bleibt dadurch auf der Strecke.

Wenigstens die Spannung wird aufrecht gehalten und Swantje Oppermann jagt von einem Kapitel zum nächsten. So bleibt man recht gut im Lesefluss drin und hat das Buch alsbald ausgelesen.

Fazit

Ein Buch, dem ordentlich Glaubwürdigkeit fehlt. Kann man die Erklärung hinter Fieber hinnehmen, wird man ein spannendes Endzeit-Szenario bekommen, das kaum Zeit zum Atmen lässt.

 

Fieber! Alles. Außer. Kontrolle.

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