Fürchtet uns, wir sind die Zukunft

Erschienen: Februar 2021

Bibliographische Angaben

Broschur, 291 Seiten

ISBN: 9783407755803

Couch-Wertung:

7
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Theresa Mürmann
Spontaner Protest für die Zukunft

Buch-Rezension von Theresa Mürmann Feb 2021

Das Studium an der Musikakademie ist hart – das merkt der Klavierstudent Theo direkt an seinem ersten Tag. Nicht nur die Dozenten und Dozentinnen verlangen einem einiges ab, auch unter den Kommilitonen muss man sich erstmal seinen Platz erarbeiten. Für den zurückhaltenden Theo keine leichte Aufgabe. Doch dann trifft er auf Aida, das Mädchen mit der wechselnden Haarfarbe, und sein Leben wird vollkommen auf den Kopf gestellt…

Plötzlich gegen alles und jeden

Die charismatische und geheimnisvolle Aida geht Theo nicht mehr aus dem Kopf. Er würde alles machen, um ihr zu gefallen. Und so nimmt die Handlung an Fahrt auf, als Theo sich Aidas Gruppe aufständischer Studenten anschließt. Aus dem schüchternen Protagonisten wird plötzlich ein aktives Mitglied der ZUKUNFT, die das Streben nach Profit, Macht und Geld – an der Akademie, aber auch in der Gesellschaft allgemein – anprangern. Gleichzeitig möchten sie vor allem eines: mit allen Sinnen leben.

Und genau dieser charakterliche Bruch Theo’s ist für den Leser bzw. die Leserin nur schwer zu verstehen. Zwar mag die Begeisterung für Aida in Theo innere Wünsche und Sehnsüchte freigesetzt haben, jedoch ist die 180°-Drehung der Persönlichkeit etwas extrem. Seine Motive und Handlungen sind nicht immer ganz nachvollziehbar. Eventuell ist der Buchumfang für eine so große Entwicklung des Charakters und viele Wendungen in der Story einfach zu gering. Auch die anderen Figuren erscheinen an vielen Stellen sehr unnahbar.

Ebenso viele Fragen wirft der Protest an sich auf. Wogegen konkret die Gruppe ist, wird nicht ganz deutlich. Aber vielleicht ist auch genau das gewollt.

Lektüre mit Nachgang

Trotz der angesprochenen Schwächen nimmt einen das Buch mit auf eine Reise, die nicht zuletzt am Ende nochmal einen unerwarteten Kurswechsel unternimmt. Es ist eine Geschichte mit Tiefgang und viel Raum für Interpretationen. Es geht um die Findung der eigenen Persönlichkeit, politisches und gesellschaftliches Engagement und die Sicht aufs Leben.

Zeit zum Nachdenken schafft auch die Aufmachung des Buches: viele Absätze, freie Seiten mit teilweise nur wenigen Sätzen und ein mit Satzzeichen und Schriftart spielender Schreibstil.

Fazit

Eine Geschichte, in der es vor allem um den Weg zu sich selbst geht. Es ist kein Buch, dass konkrete Antworten gibt; vieles bleibt offen und unausgesprochen. Beim Lesen wünscht man sich daher an vielen Stellen mehr Klarheit und vor allem Figuren mit Gesicht. Ein Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt.

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