Wenn Worte meine Waffe wären

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel For enden af din pegefinger; übersetzt von Ulrike Brauns; Taschenbuch, 272 Seiten

ISBN: 9783841506795

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Alexandra Fichtler-Laube
Ein außergewöhnlicher und aufwühlender Blick in das Leben von Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund

Buch-Rezension von Alexandra Fichtler-Laube Feb 2021

Anstatt eines Tagebuchs kreiert Sheherazade, kurz She, lieber Zines. In Kombination mit Collagen und Zeichnungen verfasst sie Gedichte und Texte und fasst sie in kleinen Heftchen zusammen. Ihr Leben ist geprägt von Trauer, Einschränkungen und Widersprüchen. Auf der einen Seite die traditionelle Welt der heimatsuchenden Flüchtlinge und auf der anderen eine verbotene Liebe, die alles zerstören kann.

Ein Aufwachsen in Widersprüchen

Shes Eltern müssen aus dem Iran flüchten, denn dort herrscht Krieg und ihr Vater wird für seine Gedichte verfolgt. In Kopenhagen wollen sie ein neues Leben beginnen, doch die Erlebnisse haben ihren Vater krank werden lassen. Seine Gedanken sind noch immer gefangen in Krieg und Tod. Er ist aggressiv, selbstzerstörerisch und hat kein Auge für die Freiheit im neuen Land.

Shes Mutter findet Trost und Halt in alten Traditionen, die sie mit all den anderen Heimatlosen in ihrer Umgebung verbindet. Die alten Regeln bieten allen eine Art Sicherheitsnetz, führen aber zu großen Problemen, vor allem für die Töchter. Diese kämpfen mit dem unmöglichen Spagat zwischen einem Leben in der westlichen, freiheitlichen und aufgeklärten Welt ihres Schullebens und der einschränkenden und unterdrückenden in ihrer Nachbarschaft.

She ist die einzige Muslima in ihrer Schule und erfährt dort tagtäglich Rassismus und Vorurteile. Sie muss sich rechtfertigen für das Tragen ihres Hidschabs und den vermeintlichen Einschränkungen ihrer Religion. Ihr Zuhause ist eine gänzlich andere Welt: Die Mädchen sind von ihrer Familie und den ausgesuchten Ehemännern abhängig und müssen einem vorbestimmten Bild genügen.

Nachdem der Vater für längere Zeit ins Krankenhaus muss, verschärft sich auch Shes Blick auf die Einschränkungen, die ihre Mutter ihr auferlegt. Im Krankenhaus lernt sie Thea kennen und lieben und die Kluft zwischen Mutter und Tochter wird unüberwindbar.

Bemerkenswert vielfältiger und notwendiger Roman

Wenn Worte meine Waffe wären lässt die Leser hinter die Fassade einer Familie blicken, die die Schrecken eines Regimes erlebte, das Angst und Terror verbreitet. Es beschreibt facettenreich die Trauer, die mit dem Verlust der Heimat, die zerstört wurde, einhergeht und die Schwierigkeiten, in einem neuen Land Fuß zu fassen.

Dabei erzählt die Autorin verständlich, wie unterschiedlich die Reaktionen auf Trauer und Verlust sein können und wie schwierig das Ankommen in einer neuen Lebensrealität. She, als Brücke des alten Lebens ihrer Eltern und einem neuen, in dem sich die Eltern noch gar nicht zurechtfinden, an dem sie auch gar nicht teilnehmen, muss darum kämpfen, ihren eigenen Weg gehen zu dürfen.

Das Buch bietet einen einzigartigen Blick in eine Welt, die voller Vorurteile, Schuldzuweisungen und Hass ist. Es ist packend und glaubhaft geschrieben, und lässt die Leser eigene Meinungen hinterfragen und erkennen, dass man. ohne die Geschichte eines Menschen zu kennen. nie auch nur eine Idee von den wahren Gründen seines Handels haben kann.

Die sehr kreativen Ausschnitte aus Shes Zines geben oft eine Kulisse zu den Begebenheiten der Geschichte und halten einmal mehr vor Augen, dass sie letzten Endes ein Teenager ist, die mit all den Schwierigkeiten allein klarkommen muss und die es durch ihre Offenheit und Kreativität schafft, in all der Zerstörung sich zu finden und treu zu bleiben.

Fazit

Wenn Worte meine Waffe wären ist ein wichtiges und sehr aktuelles Jugendbuch, welches Kontext zur Fluchtproblematik bietet, Vorurteile zerschlagen kann und unbedingt gelesen werden sollte.

Wenn Worte meine Waffe wären

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Letzte Kommentare:
17.02.2021 09:38:32
LeLiPä

Ein sehr kurzweiliges Buch, welches thematisch gleich mehrere Interessenten bedient, ohne überladen oder oberflächlich zu sein. Im Gegenteil: es überrascht mit den inhaltlichen wechselnden Schwerpunkten und bringt sie am Ende doch wieder zusammen. Gut gemacht!
Die Protagonistin Scheherazade, 17jährig, kam vor zehn Jahren mit ihren Eltern aus dem arabischen Raum ins neutrale und liberale Dänemark. Die damalige Flucht vor Krieg und Verbrechen hat insbesondere bei ihrem Vater Schmerz und Narben hinterlassen. Verursacht durch das Trauma des Vaters leidet die Familie sehr, zumal dieser nun mit Herzproblemen im Krankenhaus liegt. Die Rolle des Vaters wird zunächst vornehmlich durch Rückblenden gefüllt, die erläutern, weshalb er heute aggressiv und teils unberechenbar ist. Scheherazade kämpft an vielen Fronten. So möchte sie Autorin werden, Dichterin wie ihr Vater. Aber ihre Mutter sieht in ihr eine Ärztin und unternimmt alles, um ihre Tochter davon zu überzeugen.
Bei den Besuchen des Vaters im Krankenhaus lernt Scheherazade die ebenfalls 17jährigeThea kennen, deren Mutter an einer seltenen Krankheit leidet und in derselben Klinik. Thea ist sehr unkompliziert, aus reichem Haus und stellt das Leben der schönen Araberin fortan auf den Kopf.
Scheherazade bewegt sich zwischen zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein können. Ihre nach wie vor traditionell gebundene Familie und das freie, weltoffene Dänemark.
Themen, wie die Rolle der Frau, Selbstmord und Homosexualität werde in diesem Buch behandelt. Die Autorin bedient sich dabei vielerlei Darstellungsmethoden: Rückblenden als eine besondere Form der Collagentechnik, sms Einträge im Fettdruck, Gedanken in kursiver Schrift und die eigentliche Geschichte in der Jetztzeit, aus der Ich-Perspektive Scheherazades im Präsens geschrieben.
Der im Text verwendete Toilettenspruch „If you want to achieve greatfulness, stop asking for permission.“ spricht hier Bände und füllt ein sehr gut gelungenes Buch.
Dringende Leseempfehlung!

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