Schön wie die Acht

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

Hardcover, 224 Seiten

ISBN: 9783864294846

Couch-Wertung:

9
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Alexandra Fichtler-Laube
Ein vielschichtiger Blick hinter die Fassade einer Patchwork-Familie und dem Gefühlschaos Heranwachsender

Buch-Rezension von Alexandra Fichtler-Laube Feb 2021

Der 12-jährige Malte wächst als gut behütetes Einzelkind auf. Er mag Struktur, Mathematik und ganz speziell die Zahl 8. Gerade bereitet er sich auf die Matheolympiade vor. Was normalerweise für ihn ein Spaziergang wäre, wird plötzlich unmöglich. Seine Halbschwester, die er bis dahin nur ein paar Mal gesehen hat, zieht ein und mit ihr kommen Wut, Geschrei und gekränkte Gefühle. Außerdem macht ihm ein Mädchen aus einer anderen Schule seine Stellung als Mathegenie in der Lerngruppe streitig. Maltes Leben verwandelt sich von einem beschaulichen, logischen Dasein, zu einem wahren Gefühlstaifun.

Eine Halbschwester schlägt ein wie eine Bombe

Malte kommt ganz gut allein zurecht. Er braucht nicht viele Freunde und er mag die Ruhe zu Hause, wo er seine Nachmittage gerne mit kniffligen Mathematikaufgaben verbringt. Plötzlich wohnt aber die 17jährige Josefine in Maltes Keller. Ihre Mutter erholt sich von einer Krebserkrankung und solange geht Josefine auch auf Maltes Schule. Josefine ist durch ihre Art, ihr Auftreten und ihre vielen Piercings genau das Gegenteil vom unscheinbaren Malte. Er hasst all die neue Aufmerksamkeit, die eine Schwester wie sie auf sich und damit auch ihn zieht.

Die Stimmung zu Hause ist nun angespannt und voller unausgesprochener Emotionen. Josefine ist wütend auf Maltes Vater: Er hat sie und ihre Mutter damals für Maltes Mutter verlassen; die genaueren Umstände aber sind unklar. So ablehnend wie Josefine zu Maltes Eltern ist, so offen ist sie jedoch zu Malte. Sie zeigt ihm sogar einige ihrer selbstgeschriebenen Gedichte, und so kann er einen Blick hinter ihre Fassade werfen und erkennt ihre Ängste, Sorgen und Verletzungen.

Wegen des Chaos zu Hause und seine Gefühlsverwirrungen bezüglich Lale, dem anderen Mathegenie, lassen Malte seinen Durchblick bezüglich der Mathematik verlieren. Er muss erst herausfinden, welche Rolle er in seiner Geschichte spielt, damit sein Traum von der Matheolympiade wahrwerden kann.

Mathematik plus Gefühle ist gleich unlösbar

Schön wie die Acht wirft einen neuen Blick auf das Patchwork-Familienleben. Dieses hier ist nicht schön, denn oft sind Gefühle widersprüchlich und manchmal wird jemand verletzt, weil das Leben nicht nur schwarz und weiß ist. Malte erkennt, dass man Leben nicht mit Mathematik vergleichen kann – es gibt oft nicht nur eine richtige Lösung.

Wunderbar an diesem Buch sind die vielen Gegensätze, die zusammenfließen:  Der starre Malte ist empfindsam als er die sehr persönlichen Gedichte seiner Schwester lesen darf. Er erkennt ihre versteckten Gefühle, die seine Eltern nicht erkennen und kann ihr damit helfen.

Sehr interessant ist auch die Gegenüberstellung der beiden Hauptcharaktere: Auf der einen Seite der behütete Malte, dessen Eltern mit ihm noch über sehr ausgewählte Themen sprechen und der nie größere Probleme in seinem Leben durchstehen musste. Auf der anderen Seite war Josefine jedoch das Kind, das verlassen wurde, diejenige, die mit der Trauer und der Wut der Mutter aufwuchs und die die Schrecken der Krebserkrankung durchlebt hat.

Nikola Hupperts kann die unterschiedlichen Emotionen und inneren Kämpfe sehr gut vermitteln. Gefühle, insbesondere verletzte, sind mannigfaltig in allen Beziehungen und oft schwer nachzuvollziehen. Die Entscheidungen, die der Vater in diesem Buch getroffen hat, sind weder gut noch schlecht, beeinflussten aber die Leben der Kinder, und der Frauen, auf unterschiedlichste Weisen.

Auch Maltes Interaktionen in der Schule sind interessant. Sowohl seine Eifersucht als auch die erste Verliebtheit und die aufkeimenden Freundschaften machen Mut und zeigen sehr gut, wie verrückt Gefühle immer wieder spielen. Das Buch beschäftigt sich dadurch mit der Lebenswirklichkeit vieler heranwachsender Kinder und ist nachvollziehbar und sehr stimmungsvoll geschrieben. Malte ist manchmal noch sehr kindlich für seine 12 Jahre dargestellt, was vielleicht die Zwiespältigkeit der Pubertät gut unterstreicht, doch manchmal auch irritiert.

Fazit

Nikola Huppertz‘ Buch ist so vielschichtig wie all die unterschiedlichen Emotionen, die sie hierin beschreibt. Das dargestellte Familienleben besticht durch Aktualität und die angebotene Lösung des miteinander Redens ist so universell wie auch oft unterschätzt.

Schön wie die Acht

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