MARVEL Mythen und Legenden: Die geheimnisvollen Ursprünge des MARVEL Universums und seiner Superhelden

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

Hardcover, 216 Seiten

ISBN: 9783831041961

Couch-Wertung:

6
Wertung wird geladen
Nina Pimentel Lechthoff
Das Marvel-Universum: Eine Nacherzählung

Buch-Rezension von Nina Pimentel Lechthoff Apr 2021

Jede Kultur dieser Welt hat seine eigenen Legenden und Mythen. Die antiken Griechen hatten wilde Geschichten rund um die Götter des Olymps und ihrer Eskapaden auf der Erde, die Walküren haben die im Kampf gefallenen Wikinger nach Walhall gebracht, in Camelot diente Merlin als Ratgeber des legendären Königs Arthus.

Viele dieser alten Mythologien sind noch immer in unser gesellschaftliches Gedächtnis hängen geblieben und dienen als Inspiration für neue Geschichten. In der Videospiel-Reihe „Assassin's Creed“ haben die griechischen und römischen Gottheiten eine wichtige Rolle gespielt, im Spiel „Assassin's Creed Valhalla“ wurden dann sogar die alten nordischen Gottheiten zu wichtigen Figuren. Die DC-Superheldin Wonder Woman ist sehr tief mit den griechischen Göttern verbunden, ihr bürgerlicher Name Diana ist ein direkter Verweis auf die Göttin der Jagd (in der römischen Mythologie Diana, in der griechischen Artemis).

So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Haus der Ideen sich sehr viel aus dem unerschöpflichen Fundus alter Legenden und Mythologien bedient hat. In seinem Buch MARVEL Mythen und Legenden zeichnet Autor James Hill die gesamte Mythologie rund um die Marvel-Heldinnen und -Helden nach – angefangen bei den Celestials über die alten Gottheiten bis hin zu den modernen Superheldinnen und -helden.

Tolle Bilder, cooles Design

Das Buch ist vollgepackt mit tollen Bildern. Sie illustrieren sehr passend das, was gerade im Text thematisiert wird. Sehr schön ist dabei, dass verschiedene Jahrzehnte der Comic-Geschichte zu sehen sind. Denn auch wenn die Mythen und Legenden des Comic-Universums von Marvel „chronologisch“ – also mit dem „Urknall“ anfängt und mit dem letzten Kampf der Avengers gegen die Dark Celestials endet – erzählt werden, sind die Bilder aus verschiedenen Jahrzehnten wild durcheinander gemischt: Thor und Hercules bekämpfen sich in einem Bild aus 1966, es gibt ein Gruppenbild der Eternals aus einem Comic von 2020, 1988 muss sich Doctor Strange gegen Dormamu behaupten.

Neben den tollen Bildern ist das Buch auch super gestaltet. Die Textabschnitte sind sehr klar strukturiert, sodass die großen Bilder zum Blickfang werden. Damit die Seiten, auf denen nur Text steht, nicht allzu leer aussehen, gibt es sehr helle, gräuliche Zeichnungen, die gut zum jeweiligen Bild passen. Z.B. sieht man da, wo es um die Asen geht, ein großes Bild von Asgard und unter dem Text verlaufen geschwungene Linien, die wie die Bifröst-Brücke aussehen.

Sehr viel Nacherzählung

Das schwächste Glied in MARVEL Mythen und Legenden ist leider der Text. Dort erzählt Autor James Hill lediglich die Geschichten, wie sie in den Comics passiert sind, nach. Das wird schnell langweilig, weil es wirklich eine reine Nacherzählung ist, ohne Spannungsbogen oder emotionalen Momenten – Sachen, die in den Comics meiner Meinung nach die Geschichten und Figuren erst so richtig zum Leben erwecken.

Vielleicht bin ich aber auch mit einfach mit einer falschen Erwartung an das Buch herangegangen. Der Untertitel „Die geheimnisvollen Ursprünge des Marvel Universums und seiner Superhelden“ klingt für mich eher danach, als würde ich im Buch nicht die Mythen und Legenden nacherzählt bekommen, sondern vielmehr erfahren, wie diese zustanden gekommen sind. Diese Erwartung hat sich in der Einleitung widergespiegelt. Dort erzählt James Hill, wie die ersten Marvel-Autoren „den Grundstein für einen modernen Mythos“ gelegt haben, welchen Autoren wie Neil Gaiman oder Roy Thomas in neue Geschichten eingebaut haben, damit moderne Autoren wie Ta-Nehisi Coates oder Jason Aaron den Mythos weiter vertiefen konnten. Deswegen dachte ich, dass mich vielleicht eine spannende Auseinandersetzung erwartet, wie das Marvel-Universum bekannte Mythen und Legenden in seine eigenen einbaut und wie sich diese entwickelt haben. Stattdessen erzählt James Hill einfach nur von A bis Z was so im Marvel-Universum so passiert ist.

Fazit

Ich bin von MARVEL Mythen und Legenden ein bisschen enttäuscht. Das liegt aber auch daran, dass ich mir was anderes vom Buch versprochen habe. Statt zu erfahren, woher die Mythen und Legenden stammen, die das Marvel-Universum ausmachen, bekommt man eine sehr trockene Nacherzählung von Geschichten, die in den Comics passiert sind. Dabei fehlen für mich aber die Elemente, die Comic-Geschichten ausmachen, wie z.B. einen Spannungsbogen. Dafür ist die Gestaltung des Buchs wirklich klasse. Die großformatigen Bilder aus unterschiedlichen Comics aus verschiedenen Jahrzehnten sind echte Blickfänger und auch sonst ist die Gestaltung der Seiten sehr ansprechend.

MARVEL Mythen und Legenden: Die geheimnisvollen Ursprünge des MARVEL Universums und seiner Superhelden

MARVEL Mythen und Legenden: Die geheimnisvollen Ursprünge des MARVEL Universums und seiner Superhelden

Deine Meinung zu »MARVEL Mythen und Legenden: Die geheimnisvollen Ursprünge des MARVEL Universums und seiner Superhelden«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

LGBT
in der Jugendliteratur

Alljährlich wird im Juni der Pride Month gefeiert, um die Vielfalt unserer Gesellschaft hervorzuheben. Weltweit erheben Schwule, Lesben, Transgender, Bisexuelle und Menschen anderer sexueller Orientierungen ihre Stimme für Toleranz und stärken so die Gemeinschaft. LGBTQ+ ist schon lange kein Randthema mehr in der Jugendliteratur, sondern ein zentraler Aspekt zahlreicher Neuerscheinungen.

mehr erfahren