Am Ende sterben wir sowieso

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

aus dem Englischen von Katharina Diestelmeier; Broschur, 336 Seiten

ISBN: 9783038802037

Couch-Wertung:

9
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Alexandra Fichtler-Laube
Vom Tod ins Leben gestoßen

Buch-Rezension von Alexandra Fichtler-Laube Jun 2021

Tagtäglich haben die Mitarbeiter des Todesboten in den frühen Morgenstunden ihre arbeitsreichste Zeit. Durch einen speziellen Klingelton, und natürlich auch die Tatsache, dass er so früh am Tage kommt, wissen die meisten Angerufenen schon was ihnen bevorsteht. Sie bekommen mitgeteilt, in einer sehr verständlichen und mehr oder wenigen verständnisvollen Art und Weise, das sie just an diesem Tag sterben werden, und rein gar nichts dagegen tun können. Jeder Mensch geht unterschiedlich mit dieser Mitteilung um und ihm stehen nun noch einige Möglichkeiten offen, die letzten Stunden, von denen man auch nicht genau weiß, wie viele es noch sind, zu nutzen.

 Wie viel Leben passt in einen Tag?

Mateo und Rufus sind zwei Teenager, die an jenem Morgen den Anruf bekommen. Geschockt davon, so jung ihr Leben verlassen zu müssen, versuchen sie sich klar zu machen, wie sie ihren letzten Tag verbringen wollen.

Mateo hat in seinem Leben bisher noch keinen seiner Wünsche oder Träume verwirklichen können. Schüchtern und sehr ängstlich hat er sich bisher eher in der Wohnung verkrochen, die er sich mit seinem Vater teilt. Nur dieser und seine beste Freundin Lidia haben aktiv an seinem Leben teilgenommen und Mateo weiß, dass er sich von ihnen nun verabschieden muss. Jahrelang hat er andere Todgeweihte durch ihre Online-Posts begleitet, wie sie ihre eigene Trauerfeier durchgestanden haben, Sachen getan haben, die sie schon immer tun wollten und vor allen Dingen auch ihren bevorstehenden Tod betrauert haben. Meteo weiß, dass er nur noch diesen einen Tag hat, wenigstens ein paar seiner Wünsche zu erfüllen, aber dafür müsste er erst einmal die Wohnung verlassen können.

Rufus hat vor einigen Monaten seine Familie verloren und hatte somit schon Kontakt mit der Unerbittlichkeit des Todes. Mittlerweile lebt er mit anderen Waisen in einem Wohnprojekt und glücklicherweise sind sie zu einer Art Ersatzfamilie für ihn geworden. Leider hat ihn die Nachricht seines Todes zu einem unpassenden Zeitpunkt erreicht. Zum ersten Mal in seinem Leben hat er der Aggression in sich stattgegeben und prügelt gerade auf jemanden ein, der ihm den Rest des letzten Tages ordentlich versauen wird.

Durch die App „Letzte Freunde“ lernen sich Mateo und Rufus kennen und ein für beide sehr magischer letzter Tag beginnt.

Aufrüttelnd, liebevoll und vielschichtig

Am Ende sterben wir sowieso ist ein aus mehreren Blickwinkeln geschriebener Jugendroman, der einen Septembertag beschreibt, welcher für die einen der letzte ihres Lebens sein wird und für andere einen tiefen schmerzhaften Einschnitt bedeutet. Die jeweiligen Ich-Erzähler verbinden in ihren Geschichten die eigene Vergangenheit mit ihren Gefühlen an diesem einen schicksalhaften Tag, was aus diesem Buch viel mehr als eine traurige Abschiedsgeschichte werden lässt. Philosophisch und sehr einfühlsam beschäftigt es sich mit dem Leben und all unseren Möglichkeiten, es zu gestalten, sowie unseren Ängsten. Mateo, der es bis jetzt meist nur durch einen Bildschirm gelebt hat, muss endlich seine schützende Höhle verlassen und wird durch Rufus immer wieder dazu ermuntert, seinen Wünschen nachzugehen und spontaner seine letzte Zeit zu verbringen. Die beiden Jungs kommen sich ziemlich schnell aber auch zärtlich näher und scheinen ein ganzes Leben mit all seinen Ups und Downs in ihren finalen Stunden unterzubringen.

Trotz des schon bekannten Endes ist dieses Buch unglaublich spannend und fesselnd und regt während des Lesens immer wieder zu eigenen Überlegungen an.

Fazit

Am Ende sterben wir sowieso beschreibt einen einschneidenden Tag im Leben, der einerseits Leben nimmt aber auch Schönheit bringt. Sehr gefühlvoll, sensibel und packend fordert Adam Silvera dazu auf, das Leben aktiv zu leben und mehr auf die eigene Stimme zu hören, als sich immer nur um die Meinung anderer zu sorgen.

Am Ende sterben wir sowieso

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