Denn die Lüge bist du

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel In Another Life; aus dem Englischen von Tanja Hamer; Broschur, 304 Seiten

ISBN: 9783505144059

Couch-Wertung:

8
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Sabine Bongenberg
Spannungsgeladen und vielschichtig

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Mai 2021

Chloes erste Begegnung mit Cash endet mit einem Blutbad! Nein, so dramatisch ist es dann doch nicht: Sie rennt an einer Tankstelle in ihn und sein rotes Slush ergießt sich über beide und verursacht eine Riesensauerei. Wen wundert es, dass Cash nicht gerade erbaut ist, aber die Drohung, die er zischt, hat nichts mit vergossenen Getränken zu tun, sondern ist eine eindeutige Warnung.

Cash hat in seinem Leben schon vieles gesehen und gehört: Sein Vater benutzte ihn als Komplizen für diverse Gaunereien, er wanderte durch verschiedene Pflegefamilien und erst jetzt ist er bei Susan und Tony Fuller untergekommen, deren kleine Tochter vor Jahren entführt und nie wieder gefunden wurde. Jetzt also taucht plötzlich Chloe mit ihrer Mutter in der Stadt auf – und sie ist Susan Fuller wie aus dem Gesicht geschnitten. In Cash keimt ein ungeheuerlicher Verdacht. Könnte es sein, dass ...?

Viel Input

C C. Hunter verfasste nach einer mehrjährigen Pause einen spannenden Roman mit vielen Handlungssträngen. Da ist zum einen die Ich-Erzählerin Chloe, die mit ihrer Mutter nach Joyful, Texas zieht, obwohl der Grund für diesen Umzug, alles andere als freudig ist. Ihre Eltern haben sich getrennt, es tobt ein hässlicher Scheidungskrieg und Chloe hängt zwischen den Fronten. Ihre Mutter erkrankte zudem an Krebs, ist zwar nach mehreren Chemotherapien jetzt krebsfrei, aber scheint in eine Depression verfallen zu sein. Da wir gerade von Trennung sprechen: Die musste auch Chloe gerade durchmachen, denn ihr bisheriger Freund Alex küsst jetzt eine andere und auch der Abschied von ihren Freunden und der alten Umgebung ist nicht leicht. Cash – der zweite Ich-Erzähler – wiederum blickt auf eine mehr als schwierige Kindheit zurück und versucht in der neuen Pflegefamilie zurecht zu kommen und sich – da hat er seine Erfahrungen gemacht – nicht allzu sehr mit den neuen „Eltern“ einzulassen. Man könnte schon jetzt sagen: ein Riesen-Programm für ein einziges Buch.

Das ist tatsächlich dann auch das Einzige, was ich an diesem spannenden Roman zu meckern habe: Die Handlung ist durch die Bank lebendig und ich habe mich auf keiner Seite gelangweilt. Aber hätte es nicht etwas weniger sein können? Meiner Meinung nach hätte die Hälfte der Stränge allein schon ausgereicht, um einen spannenden und berührenden Roman zu erschaffen. So wird einiges dann doch nicht mehr vollständig erzählt. Ich hätte mir zum Beispiel gewünscht, mehr aus Cashs Jugend und von der Beziehung zu seinem Vater zu erfahren. War der wirklich nur so ein mieser Kerl, wie dargestellt? Ich hätte auch gerne mehr über Chloe und ihre Mutter erfahren. Ich glaube, es gibt viele Jugendliche, die durch Erkrankungen der Eltern mehr oder weniger in die Rolle der Eltern gedrängt werden und bei denen – wie auch bei Chloe – eine Umkehrung der Eltern-Kind-Beziehung stattfindet. Es wäre toll gewesen, hier ein wenig tiefer einzutauchen und sicher hätte es vielen auch vermittelt, dass sie mit diesem Problem nicht allein sind.

Fazit

C. C. Hunter hat mit ihrem Roman Denn die Lüge bist du einen spannenden Roman verfasst, der auf vielen Eben arbeitet. Er punktet mit sympathischen Helden, ist einerseits ein Krimi, andererseits aber auch ein Liebesroman und erzählt darüber hinaus, wie ein Familienleben trotz einer Krise weiter fortgesetzt werden kann. Dennoch – es war ein bisschen viel von allem und hätte sich die Autorin mehr auf eine wenige Stränge konzentriert, wäre das Ergebnis sicherlich berührender und auch ein gutes Stück tiefgründiger.

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