Searching Lucy

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

Broschur, 288 Seiten

ISBN: 9783737357128

Couch-Wertung:

7
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Rita Dell'Agnese
Zwischen empathisch und weit hergeholt

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jun 2021

Seit zuerst ihr Vater und dann ihre Zwillingsschwester Lucy spurlos verschwunden sind, droht Ambers Welt in sich zusammenzustürzen. Ihre Mutter verliert sich im Alkohol, Taylor hat mit ihr Schluss gemacht und in der Schule hat sie den Anschluss verloren. Außerdem muss sich Lucy um ihren kleinen Bruder Tom kümmern, denn ihre Mutter ist dazu nicht mehr in der Lage. Dabei möchte Amber nur eines: Lucy und ihren Vater finden. Denn die Teenagerin ist überzeugt, dass zumindest Lucy irgendwo in der Nachbarschaft in einem Keller gefangen gehalten wird. Das sagt ihr Gefühl. Um ihre Schwester zu finden, bricht Amber in die Wohnungen und Häuser anderer Menschen ein – und geht dabei immer größere Risiken ein. Bis sie mit dem geheimnisvollen Jungen in ihrer Klasse zusammenstößt: Jamie.

Ein paar Stolpersteine

Christina Stein legt mit Searching Lucy einen Thriller für Jugendliche vor, der nahezu alle Elemente enthält, die ein gelungener Thriller haben sollte. Ausgangspunkt ist da das geheimnisvolle Verschwinden von Vater und Schwester der Protagonistin. Doch hier passiert schon mal ein erster Bruch: Amber macht sich auf die Suche, doch vor allem nach ihrer Schwester. Das Verschwinden des Vaters wird zwar immer mal wieder erwähnt, doch scheint die Familie diesen Schlag so weit ganz gut hinzunehmen. Erst Lucys Verschwinden rüttelt Amber so auf, dass sie alles daran setzt, die Schwester zu finden.

Die Überzeugung, dass Lucy von einem Nachbarn oder entfernten Bekannten der Familie entführt sein muss, zieht sich wie ein roter Faden durch Ambers Handlungsweise. Der Gedanke, das Mädchen könnte aus der Stadt gebracht worden sein, taucht kaum auf. Also bricht Amber permanent in die Häuser ein, um nach ihrer Schwester zu suchen: Hier ist einiges doch recht weit hergeholt. Amber schafft es demnach, alle Häuser zu knacken – das nur mit ein paar wenigen Einbruchswerkzeugen aus dem Versand und dem Studieren von Youtube-Tutorials. Die Polizei wird zwar hinzugezogen, da die Einbrüche teilweise nicht ohne Spuren gehen, doch drückt sie ein Auge zu – obwohl zumindest einer der Polizisten weiß, dass Amber hinter den Einbrüchen steckt.

Geduld ist gefragt

Amber muss sich mit einer ganzen Reihe von Problemen herumschlagen – allen voran mit dem totalen Absturz ihrer Mutter. Hier beschreibt Christina Stein überzeugend, wie Amber versucht, für ihren kleinen Bruder ein halbwegs normales Leben aufrecht zu erhalten, obwohl nichts mehr funktioniert in der Familie. Dieser langsame Zerfall ist das eigentliche Bravourstück des Romans und mit großer Empathie geschrieben. Auch die Annäherung an den geheimnisvollen Jamie, dem die Autorin einen facettenreichen Charakter verpasst hat, vermag zu überzeugen. Die übrigen Charaktere, insbesondere Ambers Freundinnen, bleiben eher diffus. Bei der Lektüre ist reichlich Geduld gefragt. Es geht nur schleppend voran, die Einbrüche und die Sichtung der Lebensumstände der betroffenen Menschen nehmen viel Raum ein. Entschädigt werden die Leserinnen und Leser durch eine kaum absehbare Entwicklung.

Fazit

Searching Lucy ist ein gut strukturierter und in manchen Bereichen überzeugender Thriller für junge Menschen, weist aber ein paar Schwächen auf. Dennoch dürften die jugendlichen Leser sich gut unterhalten fühlen.

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