Marilu

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

Hardcover, 320 Seiten

ISBN: 9783401605883

Couch-Wertung:

8
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Alexandra Fichtler-Laube
Packendes und ergreifendes Buch zu einem bedeutsamen Thema

Buch-Rezension von Alexandra Fichtler-Laube Mär 2021

Elli steht wie festgefroren am Briefkasten. In ihm liegt ein Brief, den Elli nie erhalten wollte und auch jetzt lieber dort liegen lassen würde. Er verkörpert Krankheit und Tod. Eine Erkrankung und eine Person, die in ihrem Leben einmal vorkamen, lange Zeit jedoch vergraben und unterdrückt im Hinterkopf dahinschlummerten. Doch nun ist sie zurück: Marilu. Sie fordert Elli zu einer Achterbahn der Gefühle, zu einer Reise quer durch Deutschland hin zur Wahrheit heraus.

Briefe, die Geheimnisse hervorzerren

Ellis Leben ist äußerlich sehr gefällig: Eltern, die sich interessieren, ein toller Freund und eine Zukunft, auf die es sich zu freuen lohnt. Sie gibt sich viel Mühe bei Dingen, die erledigt werden müssen, beim Sport, in der Liebe und beim Aufschäumen des perfekten Milchschaumes. Sie plant gerne im Voraus … und hat ein Geheimnis vor ihrem Freund. Genau dieses Geheimnis bringt Marilu in die Gegenwart. Nicht nur Elli bekommt von Marilu einen Brief, der an den Nerven rüttelt, sondern auch deren 16-jähriger Bruder Lasse. Gemeinsam mit Lasse soll Elli Marilu finden und ihren Tanz nicht zu ihrem letzten werden lassen.

Die beiden Mädchen kennen sich aus dem „Sonnenblick“, einer Klinik für psychisch kranke Jugendliche. Marilu leidet unter einer bipolaren Störung – auch manisch-depressive Erkrankung. Ihre Stimmungen schwanken stark und sie ist häufig superglücklich und euphorisch, aktiv und unberechenbar, aber auch niedergeschlagen, gereizt und suizidal. Dies hat natürlich nicht nur Auswirkungen auf sie selbst, sondern auch auf ihren Bruder, der diese Schwankungen aushalten muss und der sich konstant sorgt.

Ellis Geheimnis ist ihr eigener Zusammenbruch. Der Tod ihrer Oma und ihr Drang nach der eigenen Perfektion führten zu einer Belastungsstörung, die sie komplett handlungsunfähig werden ließ. In der Klinik trafen die Mädchen aufeinander und erlebten die intensivste Zeit in ihrem Leben gemeinsam. Elli wurde gesund und Marilu blieb. Beide versprachen sich ewige Freundschaft und Elli löschte und verschwieg diese Episode in ihrem Leben, sobald sie die Klinik verließ. Aber da hatte sie die Rechnung ohne Marilu gemacht…

Psychische Erkrankungen verständlich und einfühlsam erlebbar

Marilu schildert eindrucksvoll zwei psychische Erkrankungen, ihre Auswirkungen auf das eigene Handeln und auf die Menschen drumherum. Die Erzählung wechselt von einer Schilderung der gegenwärtigen Geschichte, der Suche nach Marilu, der Geschichte ihres Bruders und Ellies Leben nach der Therapie, mit Rückblenden aus Ellies Ich-Perspektive. In diesen Rückblenden geht es um Ellies Aufenthalt im „Sonnenblick“und ihre kurze intensive Freundschaft zu Marilu.

Ellie leidet am sogenannten Burn-Out Syndrom, das behandelbar und heilbar ist. Hier werden durch die Erzählung aus der Ich-Perspektive Ellies Gedanken und Erleben der Erkrankung begreiflich und mitfühlbar dargestellt. Auch ihr Verhalten nach Verlassen der Klinik, ihre Abwendung von Marilu und all dem wofür sie steht, ist nachvollziehbar und verständlich. Marilus Erkrankung hingegen ist schwer aushaltbar und behandelbar. Medikamente haben starke Nebenwirkungen, sodass sie oft auf diese verzichtet. Ihre psychische Erkrankung wird durch die Erzählungen ihres Bruders und Elli greifbar, was die immensen Auswirkungen der Störung auf das Miteinander beleuchtet.

Die Geschichte ist rasant, treibt ihre Protagonisten zum Überschreiten ihrer Grenzen und hin zu Erkenntnis ihrer tiefsten und wahrsten Gefühle.

Fazit

Marilu beschreibt psychische Erkrankungen und welch tiefgehende Auswirkungen diese auf das Leben vieler Menschen haben. Trotzdem zeigt das Buch die helfende Kraft von Verständnis und Freundschaft und ist ein Schritt hin zu Mitgefühl und Toleranz.

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