Zwei Leben in einer Nacht

Erschienen: Oktober 2020

Bibliographische Angaben

Taschenbuch, 360 Seiten

ISBN: 9783743207462

Couch-Wertung:

9
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Rita Dell'Agnese
Challenge bis zum Selbstmord

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Dez 2020

Sam und Caspar: Vielleicht wären sich die beiden nie begegnet, wenn sie sich nicht Freitag, den 13. zum Sterben ausgewählt hätten. Die beiden Jugendlichen haben sich in einem Forum getroffen, in dem junge Menschen ihre Todessehnsucht thematisieren. Hier sind das Mädchen und der Junge vom geheimnisvollen Moderator Ghost ausgewählt worden, diese Challenge gemeinsam anzugehen. So, wie schon einige junge Menschen vor ihnen gemeinsam in den Tod gegangen sind.

Die Nacht hält für Sam und Caspar aber mehr bereit als nur das Wissen, dass sie den Morgen nicht mehr erleben werden. Sie begegnen dem Leben. Denn die Gegenwart des anderen löst in jedem von ihnen den Nachhall von Gefühlen aus, die sie aus ihren Leben verbannen wollten. In ihren Gesprächen während der Challenge versuchen Sam und Caspar, den jeweils anderen und seine Beweggründe, sterben zu wollen, besser zu verstehen.

Ernstzunehmende Triggerwarnung

Bevor der Leser sich in die Lektüre von Zwei Leben in einer Nacht vertiefen kann, begegnet er zunächst mal einer Triggerwarnung. Obwohl zunehmend solche Warnungen auftauchen, die nicht immer nachvollziehbar sind, wird der Leser in diesem Fall nach Ende der Lektüre an die Warnung zurückdenken und sie verstehen. Der Roman von Sam und Caspar, die sich aus ganz unterschiedlichen Gründen der Challenge hingeben, an deren Ende der Freitod stehen soll, ist aufrüttelnd, emotional geladen und belastend zugleich. Nicht nur, dass die Autorin Carolin Wahl es ihren Lesern möglich macht, ganz dicht an die dunklen Gefühle ihrer Protagonisten heran zu kommen – sie deckt auch schonungslos auf, wie ein Mobb entsteht, der sich zu einem Gruppendruck auswächst, der es den Betroffenen nur schwer möglich macht, sich zu entziehen.

Das Spiel mit den Gefühlen

Nach und nach hebt sich der dunkle Schleier, der zunächst über den Absichten von Sam und Caspar liegt. Die Leser erleben, wie sich die beiden Jugendlichen mit Zweifeln, aber auch mit ihren festen Absichten und dem Wunsch, vor dem anderen nicht einzubrechen, dem Verlauf der unheilvollen Challenge beugen. Sehr gut skizziert ist auch Ghost, der einige Mechanismen eingebaut hat, um weitgehend die Kontrolle über die Handlung zu behalten, auch wenn er selbst nicht unmittelbar dabei ist. Ohne es auszuformulieren macht Carolin Wahl dennoch unmissverständlich klar, wie gefährlich nicht nur solche Foren sind, sondern auch, wie sie von einigen Individuen für ihre eigene Zwecke missbraucht werden. Sprachlich überzeugend und vom Plot her bestechend, entführt Caroline Wahl in eine düstere Welt, die sich nur junge Leserinnen und Leser antun sollten, die in sich gefestigt sind.

Fazit

Das Thema Suizid auf eine solch direkte, unvermittelte Art präsentiert zu bekommen, ist selten. Entsprechend emotional ist die Lektüre dieses Romans. Auch wenn da und dort ein kleiner Stolperstein auftaucht, so ist die Geschichte doch im Ganzen rund und überzeugend. So sehr, dass sie auch belastend sein kann. Die Triggerwarnung zu Beginn des Buches sollte deshalb unbedingt beachtet werden.

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