Don't Love Me

Erschienen: Oktober 2020

Bibliographische Angaben

Broschur, 432 Seiten

Band 1 von 3 aus der Don't love me-Reihe

ISBN: 9783570165980

Couch-Wertung:

6
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Sabine Bongenberg
Davonlaufen, zumachen, mauern, verstecken – so funktioniert eine Liebesgeschichte?

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Nov 2020

Kenzie hatte sich so auf das Praktikum bei dem berühmten Designer gefreut und jetzt das: Kurz bevor es losgeht ruft dessen Büro an und teilt mit, dass der begehrte Praktikumsplatz anderweitig vergeben wurde. Gottseidank hat ihr Dad eine Lösung, die ihr aus der Misere hilft: Paula, eine alte Freundin ihrer verstorbenen Mutter, ist in Schottland dabei, ein Hotel umzugestalten und wäre für jede Hilfe dankbar. Davon abgesehen würde sich so ein Projekt auch super in ihren Bewerbungsunterlagen machen. Kurz entschlossen sagt Kenzie zu und reist mit ihrem selbst umgebauten Campingmobil in das schottische Örtchen Kilmore, wo schon ein Haufen Arbeit auf sie wartet; aber wo sie auch den charmanten, unverschämt gut aussehenden Lyall kennenlernt. Was sie allerdings nicht weiß: Lyall verbirgt ein dunkles Geheimnis und ist quasi nur auf „Bewährung“ in das Hotel seiner Tante geschickt worden. Seine Familie verlangt, dass er in diesem Sommer nichts, aber auch gar nichts mit einer hübschen Schottin anfängt, denn zu frisch sind die Erinnerungen an die Verstrickungen, die er schon einmal auslöste…

Ein offenes Geheimnis

Lena Kiefer lässt in ihrem Buch die beiden Akteure Lyall und Kenzie kapitelweise in der Ich-Form von ihrer Liebesgeschichte berichten, die von Anfang an von Lyalls Geheimnis umschattet ist. Von diesem Geheimnis wird über diverse Kapitel immer ein wenig enthüllt und es sorgt lange Zeit für ein ständiges Auf und Ab: Die beiden lernen sich kennen, Lyall zieht sich zurück, sie treffen sich irgendwo, Lyall zieht sich zurück und so ist es ein ständiges Hin und Her, was mich zwischendurch neben der ganzen Geheimnistuerei doch recht nervte. Erschwerend kommt dazu, dass offensichtlich jeder in Kilmore bestens über Lyalls geheimnisvolle Missetat informiert ist. Er wird deswegen offen angegriffen oder verhalten gehasst – aber im entscheidenden Moment spricht niemand aus, was er Schlimmes verbrochen haben soll. Schließlich wollen ja alle mit seiner reichen und einflussreichen Familie weiter Geschäfte machen.

Das ist dann auch DIE Frage, die ich mir mehrfach stellte: Was ist eigentlich aus den tapferen Schotten geworden? Die einen halten mit ihren Meinungen hinter dem Berg, weil man, während Lyall, seine Geschwister und Cousins vor der übermächtigen Familie kuschen und sich jede Einzelheit ihres Privatlebens diktieren lassen, offensichtlich der Meinung, ohne diesen mächtigen Clan mittellos und alsbald sterben zu müssen. William Wallace alias Braveheart, einer der Nationalhelden Schottlands, würde sich weinend abwenden! 

Die Heldin Kenzie ist im Gegensatz zu diesen Hasenfüßen diejenige, die sich ein bisschen mehr traut. Das macht sie zu einer sympathischen Hauptdarstellerin und durch die Trauer, die sie nach dem Verlust ihrer Mutter immer noch unbewältigt, auch zu einer sehr glaubhaften Person. Aber auch sie, die als tough und selbstbestimmt dargestellt wird, lässt sich instrumentalisieren und beeinflussen – sei es von Lyalls allgegenwärtiger Familie oder sogar von völlig Fremden. Gelegentlich fragte ich mich, ob eine junge Frau, die so erwachsen wirken will, es tatsächlich ist, wenn sie sich von einer fremden Frau, die sie noch nie im Leben gesehen hat und die möglicherweise sehr eigennützige Motive hat, ihre große Liebesgeschichte in Frage stellen lässt.

Abschließend führen diese Fragen zum großen Cliffhanger, der das Buch unvollendet beendet und nicht einmal eine Teillösung anbietet. Ich war von diesem Ende vollkommen überrascht, ließ es doch nicht nur den Hauptdarsteller, sondern auch die Leser buchstäblich und plötzlich im Regen stehen. Dieses Ende wirkt aber auch deswegen noch einmal überraschender, da Fakten offenbart wurden, die sich im tatsächlichen Leben nicht so einfach verschweigen oder verbergen lassen würden.

Fazit

Lena Kiefer hat mit ihrer Don’t love me-Trilogie eine neue Reihe eröffnet, die aber mit der gefälligen Geschichte „nettes Mädchen trifft auf Bad Guy mit schlimmer Vergangenheit“ nicht sonderlich zu überzeugen vermag. Es bleibt zu hoffen – da das alles überschattende Drama enthüllt wurde –, dass im nächsten Band endlich Schluss mit dieser Geheimniskrämerei ist und die beiden einfach einmal das tun, was erwachsene Menschen dann machen, wenn sie an ihrer Liebe festhalten wollen: Sich an einen Tisch setzen und ein langes und ernsthaftes Gespräch führen.

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