You don't look gay

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

Hardcover, 96 Seiten

ISBN: 9783959390941

Couch-Wertung:

7
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Julian Hübecker
Gegen die Homophobie

Buch-Rezension von Julian Hübecker Aug 2020

Auch heutzutage findet man noch Homophobie in unserer eigentlich modernen Gesellschaft. Julius Thesing hatte selbst Angst davor, sich zu outen und seine Homosexualität zu akzeptieren. Gewalt gegen Schwule, ebenso Diskriminierung und Abneigung sind ein Grund, warum viele Homosexuelle sich vor allem in jungen Jahren unter Druck und abgelehnt fühlen – was schnell in Verzweiflung und Depressionen enden kann. Daher sind Bücher wie dieses wichtig, um auch aufgeklärten Menschen zu zeigen, dass Homophobie immer noch ein Thema ist und wie selbst nur daher gesagte Sätze wie „Du siehst gar nicht schwul aus“ verletzen können.

Für Julius Thesing war das Buch ein Versuch, „greifbar zu machen, wie sich alltägliche Diskriminierung anfühlt.“ Es ist zwar ein dünnes Büchlein, doch steckt viel Inhalt darin.

„Mit Schwuchtel meine ich ja nicht dich.“

Diskriminierung ist für jeden etwas anderes. Schnell wird man als überempfindlich dargestellt, wenn man sich an eigentlich harmlos gemeinten Aussagen stört. Doch hinter vielen dieser Fälle stecken Geschichten, die vielleicht keinen guten Anfang genommen haben. Manchen fehlt eine gewisse Sensibilität, Menschen nicht in eine bestimmte Schublade zu stecken.

Thesing fängt die häufigsten Aussagen ein, von harmlos („Warum macht ihr so einen Wirbel um eure Sexualität?“) bis derbe („Schwulen Sex finde ich einfach ekelig und pervers.“). Dabei argumentiert er sachlich und knapp, hebelt Engstirnigkeit aus und schafft einen Perspektivwechsel, der vielen die Augen öffnen dürfte.

„Nicht auszudenken, was ein rosa Kinderzimmer mit dem armen Jungen machen würde.“

Lockerer wird das Buch durch eigens vom Autor angefertigte Illustrationen, die meist viel Raum zum Philosophieren und Überlegen lassen. Dazu kommen widerwärtige, aber deshalb leider sehr einschlägige Zitate bekannter Persönlichkeiten zum Schwulsein, Ergebnisse von Studien und persönliche Anekdoten.

Im Ganzen ist das Buch gelungen und vermittelt einen auf den Punkt gebrachten Überblick über Homophobie in der Gesellschaft. Allerdings bleibt es unter seinen Möglichkeiten, hätte es doch einen perfekten Aufhänger für Hoffnungslose und Ungeoutete bieten können, um einen Weg aus der Angreifbarkeit zu finden. Zwar gibt Julius Thesing zum Ende eine berührende Geschichte aus eigener Erfahrung zum Besten, doch hätte es davon gerne noch mehr sein können.

Fazit

You don’t look gay bietet einen guten Überblick darüber, was Diskriminierung für Homosexuelle eigentlich bedeutet. Obwohl das Buch noch einiges mehr an Potenzial gehabt hätte, ist es vielleicht in der Lage, einigen die Augen zu öffnen.

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