Very First Time: Mein Masterplan in Sachen Liebe

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel The Best Laid Plans; aus dem Englischen von Freyja Melsted; Broschur, 416 Seiten

ISBN: 9783846601075

Couch-Wertung:

7
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Sabine Bongenberg
Bringen wir es hinter uns: Der erste Sex!

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Okt 2020

Keely, achtzehn, knapp vor dem Highschool-Abschluss stehend, hat das Gefühl, dass jeder Bescheid weiß: Freundin Hannah, auch wenn es ihr das Herz gebrochen hat, Cliquenchefin Danielle, auch wenn diese eher sachlich damit umgeht und bester Freund Andrew – sowieso und ganz oft. Jeder weiß, wie sich der erste Sex anfühlt und Keely will es jetzt endlich auch wissen. Mit dem heißen Dean, der neu in der Stadt ist und mit dem sie zusammenarbeitet, ist auch bald ein passender Kandidat für den angestrebten Akt gefunden. Aber – was wäre, wenn Dean anschließend erzählt, dass Keely sich total ungeschickt angestellt hat? Wäre es nicht besser eine Nacht – sozusagen – in einem „Trainingscamp“ zu verbringen. Wer käme als möglicher Sparrings-Partner in Betracht? Da wäre der beste Freund Andrew, denn der wechselt seine Freundinnen, so wie andere Leute ihre… hüstel… nun, er wechselt sie oft. Fragt sich, ob das eine gute Idee ist.

Das gezwungene erste Mal

Die amerikanische Autorin Cameron Lund stellt uns in ihrem Debütroman die 18-Jährige Keely mitsamt Freundinnenclique, bestem Freund und veganer Familie vor. Keely ist das nette Mädchen von nebenan, war aber trotz ihres „hohen“ Alters noch nie verliebt und am liebsten hängt sie mit ihrem besten Freund ab. Warum sie dann ausgerechnet auf die Idee kommt, dass es wichtig sei, vor dem anstehenden Collegebesuch alsbald ihr „erstes Mal“ zu erleben, erschließt sich mir nicht so wirklich, hängt aber möglicherweise mit der amerikanischen Mentalität und dem Glauben, nach dem Abschlussball die Jungfräulichkeit verlieren zu müssen. Dennoch fand ich es immer wieder überraschen, wie kalt und abgeklärt der erste Sex von Keelys Freundinnen aber teilweise auch von ihr selbst abgehandelt wird. Man ist der Meinung, man müsse es „hinter sich bringen“, nach Möglichkeit passiert das „erste Mal“ auf einer Party, wo es viele Garanten dafür gibt, dass irgendein Depp ins Schlafzimmer platzt und wenn das dann so war, dreht die Geschichte schnell eine Runde und die beteiligte junge Frau darf sich mit dem Titel „Schlampe“ schmücken.

Aus irgendeinem Grund ist es wichtig, dass das erste Mal vor dem College erfolgt, es ist aber auch wichtig, dass der zweite am Beischlaf Beteiligte nicht merken soll, dass es für die andere Hälfte eine Premiere ist. Generell wird das ganze Thema sehr sachlich behandelt und wer bisher der Meinung war, dass Sex doch auch ein Ausdruck von Liebe und Vertrautheit sein sollte, der wir hier ein paar irritierende Momente erleben.

Doppelte Moral

Cameron Lund nimmt sich viel Zeit für ihr Erstlingswerk und schafft unterhaltsame Momente, wenn sie zum Beispiel ihre beiden Helden aus der veganen Familie in „Frühstücksspeck-Orgien“ führt. Aber dennoch hat der Leser auch viel Zeit sich zu wundern, etwa über eine Moral, die eine Frau, die altersbedingt normalen Sex hat, als „Schlampe“ beurteilt, es aber für eine gute Idee hält, wenn besagte junge Frau neben ihrer einen sexlosen Beziehung (Dean) auch noch zu „Trainingszwecken“ mit einem zweiten Kerl (Andrew) herummacht. Früher nannte man das „zweigleisig fahren“ oder auch „fremdgehen“ und wer so etwas machte, der wurde tatsächlich als „Schlampe“ betitelt. Insoweit verblüffte es mich schon, dass die Autorin und natürlich auch ihre Heldin niemals auf die Idee kamen, dass man auch auf den Gefühlen Deans herum trampeln könne.

Fazit

Oft war ich von der naiv wirkenden Heldin verblüfft, die sich stark von einer kaltschnäuzigen Umwelt beeinflussen lässt. Immerhin kann sie zum Schluss ihren Weg finden, aber bis dahin ist es ein langer Weg – dennoch auch mit vielen unterhaltsamen Momenten.
 

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