Midnight Chronicles - Schattenblick

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

Broschur, 448 Seiten

Band 1 von 6 aus der Midnight Chronicles-Reihe

ISBN: 9783736312777

Couch-Wertung:

7

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Julian Hübecker
Spannende Mystery-Geschichte mit wenigen Abstrichen

Buch-Rezension von Julian Hübecker Okt 2020

Roxy hat nur 449 Tage Zeit, um 449 Seelen zurück ins Totenreich zu schicken, oder sie wird selbst dort in ewiger Qual landen. Dies erscheint als unmögliche Aufgabe, doch als sie den geheimnisvollen Shaw von einem Geist befreit, wird alles noch komplizierter, da er nun in ihrer Obhut steht. Dass er dazu noch verflucht sexy ist, hilft auch nicht gerade…

„Denn nur die mächtigsten Geister, die wir Phase 4 zuordneten, konnten durch pure Willenskraft ihre alte Form annehmen und selbst für das normale menschliche Auge sichtbar werden.“

Es ist schon frustrierend, wenn man ein Date hat UND gerade ein Schokotörtchen als Nachtisch serviert wird, und dann der Kampfpartner zu einem Einsatz ruft. Für Roxy ist vermutlich die größere Tragödie das verpasste Törtchen, aber ihren Partner Finn kann sie nicht alleine gegen einen rachsüchtigen Geist der Stufe 4 kämpfen lassen – vor allem, da sie über die nötige Amulettmagie verfügt.

Natürlich ist dieser Job als Hunter für Roxy schon Alltag, doch als sie den Geist zurück in die Unterwelt verfrachtet hat, erlebt sie etwas Ungewöhnliches: Ein von einem Geist besessener junger Mann greift sie an. Roxy kann den Geist austreiben, doch der Unbekannte erinnert sich danach an nichts mehr, weshalb Roxy von nun an für ihn zuständig ist. Auch im Hunter-Quartier weiß ihm niemand zu helfen, doch er scheint Kampferfahrung zu haben, und so entscheidet Maxwell, Leiter des Quartiers, ihn auszubilden. Von nun an ist er Teil des Teams und nennt sich Shaw.

Roxy ist wenig begeistert, entwickelt sie doch Gefühle für ihn, die sie unterdrückt. Sie hat nämlich bereits genug Probleme: das Aufspüren der Geister innerhalb der gegebenen Frist, die Suche nach ihrem Bruder, der seit ihrer Kindheit vermisst wird, und dann verschwinden immer wieder Hunter von der Bildfläche und keiner weiß, wohin. Roxy muss sich entscheiden, wie sie in der knappen Zeit nicht nur ihr eigenes Überleben sichert, sondern auch das aller Hunter…

Eine schöner Genre-Mix

Mit diesem Band startet eine sechsteilige, auch optisch ansprechende Reihe der Erfolgsautorinnen Bianca Iosivoni und Laura Kneidl. Vom Inhalt her ziehen sich viele Parallelen mit den Schattenjäger-Chroniken von Cassandra Clare, aber es muss nicht das Rad neu erfunden werden, um eine gelungene Geschichte zu erzählen. Schön ist, dass viele unterschiedliche Genres zu einer gut durchdachten Welt kombiniert werden.

Die Autorinnen haben mit Sicherheit großes vor und die vielen Zusammenhänge und Verbindungen werden erst mit der Zeit klar – daher ist es toll, dass der Verlag die weiteren Bände kurz hintereinander veröffentlicht. Wer dennoch durcheinander kommt, dem hilft ein Personenregister am Ende des Buches.

Der Einstieg ist ein wenig holprig: Es dauert ein bisschen, bis man mit Roxy warm wird, deren Charakter nicht so richtig zu ihrer Situation passen mag – schließlich hat sie die schier unlösbare Aufgabe, hunderte Seelen der Unterwelt zu übergeben oder stattdessen selbst dort zu landen. Da sie im schlimmsten Fall dann nicht mehr nach ihrem Bruder suchen kann, wird sie unter enormen Druck stehen müssen – wer nimmt sich da die Zeit, um auf Dates zu gehen?

Dennoch entwickelt sich die Geschichte dann doch und vor allem die Hunter-Kollegen machen neugierig. Immerhin wechseln die Perspektiven mit den Büchern: Während Roxy und Shaw hier erzählen dürfen, ist es im zweiten Band ein weiteres Hunter-Paar. Doch Roxys und Shaws Geschichten sind noch nicht auserzählt und man muss nicht völlig auf sie verzichten.

Ein kleines Manko findet sich dann doch noch ganz zu Anfang: Eine Playlist mit verschiedenen Songs soll vermutlich die Story begleiten. Hier hätten die Songs klarer in der Geschichte aufzufinden sein können, um nochmal ein anderes Bucherlebnis zu ermöglichen.

Fazit

Schattenblick gelingt nicht der optimale Start, lässt aber Raum für viel Entwicklung und Aufbau einer vielversprechenden Welt. Daher besteht Suchtgefahr, wenn man sich einmal in der Geschichte verloren hat.

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Letzte Kommentare:
27.09.2020 09:10:18
TheUjulala

Spannend und mitreißend, mit sprachlichem Spaßfaktor trotz zähem Anfang

Dieses Buch kursierte schon in den Sozialen Medien, als ich es dann auch auf Netgalley entdeckte. Die Autorin Laura Kneidl ist mir sehr wohl ein Begriff, von Bianca Iosivoni hatte ich bisher noch keinen Titel gelesen. Der Klappentext hatte mich sehr neugierig gemacht, umso mehr hatte ich mich über die Zusage von LYX gefreut, dieses Buch als Rezensionsexemplar lesen zu dürfen. Vielen Dank nochmal dafür!

Coverbild
Das Cover ist in einer zur Zeit typischen Machart. Auf einem blau bis graublauen versprenkelten Hintergrund ist der Buchtitel großflächig in glitzrig goldenen Versalien mit verschnörkelten Applikationen gesetzt. An manchen Stellen ist das Gold der Buchstaben verwischt. Über dem Titel sind beide Autorennamen, der von Bianca Iosivoni aber vergrößert, da sie diesen Roman in Cooperation mit Laura Kneidl geschrieben hat. Für den Untertitel “Schattenblick” wurde, wie die Autorennamen, eine sehr klare, schlanke Antiqua gewählt. Mit dem Inhalt der Geschichte hat dieses Cover für mich wenig zu tun, bzw. vermittelt mir eher eine locker luftige Lovestory. Es ist hübsch, keine Frage, aber auch irgendwie nichts besonderes.

Handlung
Roxana Blake ist eine Magic Huntress und lebt im Londoner Quartier der Hunter. Aber sie hat eine Vergangenheit, von der nicht viele wissen. Sie muss 499 aus der Unterwelt entflohene Seelen wieder zurück schicken, hat dafür aber nicht mehr als ein Jahr noch Zeit. Auf ihrer Mission begegnet Sie einem jungen Mann, der von einem Geist besessen ist. Nachdem sie den Geist ausgetrieben hat, bleibt der Mann ohne Erinnerung zurück und findet ein neues Zuhause im Quartier in London. Roxy muss den jungen Mann unter ihre Fittiche nehmen und so begleitet er sie und ihren Hunterpartner Finn auf ihren nächtlichen Touren. Dabei lernt er die eigensinnige und verschlossene Huntress auch von einer anderen Seite kennen.

Buchlayout / eBook
Das eBook ist sehr einfach gestaltet. Die 449 Seiten sind in 26 Kapitel von angenehmer Leselänge aufgeteilt. Die Einleitung eines Kapitels bleibt ohne jeglichen Schmuck, aber der Perspektivenwechsel zwischen Roxy und Shaw wird immerhin durch den Namen gekennzeichnet. Ansonsten finde ich auch keine weiteren Zusätze.

Idee / Plot
Die Idee von einer vor der Menschheit verborgenen übernatürlichen oder militärisch angehauchten Einheit, die nichtmenschliche Wesen aus einer anderen Welt jagen und vernichten, ist nicht neu. So habe ich es gerade erst zum Beispiel in ziemlicher ähnlicher Weise bei BookElements von Stefanie Hasse gelesen.
Trotzdem ist es eine nette Story und mir gefällt der Gedanke, dass Roxy eine persönliche Mission hat und sie den unbedarften Shaw, der sein Gedächtnis verloren hat, mehr Einblick in ihr wahres Innenleben schenkt, als ihr vielleicht lieb ist. Wie ihr schon merkt, die Grundidee haut mich nicht gerade vom Hocker, die Umsetzung aber fand ich gut.

Emotionen / Protagonisten
Anfangs fand ich Roxy ziemlich anstrengend, sehr abweisend und eigensinnig. Mir ist klar, dass sie ein Problem hat, das sie mit keinem teilen möchte. Aber mir ist sie in der Hinsicht etwas überzeichnet.

Shaw hingegen fand ich von Anfang an sehr sympathisch, interessiert aber auch sehr zuvorkommend und liebevoll. Ich kann seine Gedankengänge super nachvollziehen und fand es auch sehr spannend, wie er sich seinem Schicksal, nichts aus seiner Vergangenheit zu wissen, fügt und versucht das Beste daraus zu machen. Ich kann auch sehr gut nachvollziehen, wie sich seine Gefühle zu Roxy entwickelt haben.

Andersrum habe ich mich mit den Gefühlen und Gedanken von Roxy schwer getan. Sie weist Shaw von Anfang an ab, verstehe aber nicht ganz warum. Sie ist mir zu hart und ich habe sie nicht wirklich greifen können. Deswegen habe ich bei den Momenten, bei denen sich Shaw und Roxy näher gekommen sind nicht wirklich das große Prickeln gefühlt.

“[..] ich hatte weit Wichtigeres zu tun, als den Babysitter für einen Kerl zu spielen, der mit ziemlicher Sicherheit nicht mal wusste, wer uns den Brexit eingebrockt hatte oder wer gerade der amerikanische Präsident war. Wobei … diese Dinge sollte er ruhig vergessen.”

Bianca Iosivoni, Laura Kneidl "Schattenblick - Midnight Chronicles Band 1" Pos. 500 (eBook ©2020 LYX by Bastei Lübbe AG)

Es gab einige nette, lustige und tolle Nebencharaktere, die ich wirklich gut fand. So zum Beispiel der mystische Warden, von dem ich hoffe, in den nächsten Teilen mehr zu erfahren. Oder auch Roxys Hunterpartner Finn fand ich toll.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Auch wenn es schon spannend los geht, zieht sich der erste Teil der Story für mich doch ziemlich. Roxy und Shaw haben vor allem am Anfang sehr viele Wiederholungen von Gedankengängen und die Autorin wirft dem Leser über einen ganz langen Zeitraum nur ganz subtile Bruchstücke der Vorgeschichte hin, warum Roxy nun in dieser Situation ist. Das hat es für mich zu Beginn zäh wirken lassen. Die Storyline nimmt aber dann ab der Mitte des Buches an Fahrt auf und endet in einem echt fulminanten Showdown mit einem spannenden Kampf, der mich wirklich mitgerissen hat!

Szenerie / Setting
Natürlich sind wir in London, ein klassischer Ort für mystische Begegnungen. Aber es passt für mich, obwohl ich den Ausflug nach Paris für sehr spannend empfunden hatte und ich es schön fände, in den Folgebänden mehr über die Hunterquartiere in den anderen Metropolen zu lesen. Trotzdem hat die Autorin die Umgebung sehr schön bildlich umschrieben und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen.

Sprache / Schreibstil
Sprachlich hat mir dieses Buch richtig Spaß gemacht. Roxy ist nicht auf den Mund gefallen und die Autorin hat einige witzige Momente beschrieben. Der Schlagabtausch zwischen Shaw und Roxy hat mir gut gefallen, aber auch der sarkastisch freundschaftliche Umgang der Hunter untereinander. Ansonsten liest sich das Buch sehr gut. Die Autorin hat einen lockeren und authentischen Sprachstil. Wir erleben die Geschichte aus Roxys und Shaws Perspektive als Ich-Erzähler im Präteritum. Besonders lustig fand ich auch die kleinen Anspielungen zum Beispiel auf Buffy, oder andere Filme, Serien oder die Musikszene. Ab und zu gibt es auch ein paar kleine gesellschaftskritische Spitzen.

“Ich legte den Kopf schief und kniff die Augen zusammen, um es besser erkennen zu können. »Ist das ein BTS-Shirt, das er da anhat?« Warden seufzte genervt und hob sein eigenes Shirt an, um den Verband darunter zu checken. »Die trägt er ständig. Er ist ein Riesenfan. Jungkook ist sein Liebling.«”

Bianca Iosivoni, Laura Kneidl "Schattenblick - Midnight Chronicles Band 1" Pos. 2633 (eBook ©2020 LYX by Bastei Lübbe AG)

FAZIT
Ein durchaus spannendes und mitreißendes Buch, obwohl der Anfang für mich doch etwas zäh war. Vor allem sprachlich hat es mich voll überzeugt und mir wirklich Spaß gemacht. Viele Anspielungen, der flotte Sprachstil und das spannende Ende haben mich vom Buch doch überzeugt und ich freue mich auch schon auf die Folgebände.

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