Cryptos

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

Hardcover, 448 Seiten

ISBN: 9783743200500

Couch-Wertung:

8

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Sabine Bongenberg
Wohin gehen wir, wenn wir nirgendwo mehr hin können?

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Aug 2020

Jana Pascos Welt besteht eigentlich aus zwei Welten: In der realen Welt, ist es zu drastischen Klimaveränderungen gekommen. Dürreperioden und Hitzewellen haben Ernten vernichtet, Überschwemmungen und Tornados haben den Lebensraum stark eingeschränkt. Das Überleben in der realen Welt ist sehr schwer geworden.  In der virtuellen Welt dagegen ist alles noch in Ordnung – die Luft ist sauber und frisch, das Wasser klar und rein und die Erde freundlich. Wen wundert es, dass sich die meisten Leute mittlerweile bevorzugt in der virtuellen Welt aufhalten und nur gelegentlich Stippvisiten in die mühsam gewordene Realität abstatten.

Damit die virtuellen Welten noch ein wenig attraktiver gestaltet ausfallen, haben „Welt-Designer“ für jede Interessensgruppe „Themenbereiche“ geschaffen. Wer im London des 17. Jahrhunderts leben will, der lässt sich dahin versetzen und kann auf einfachen Märkten und in Schänken Ablenkung suchen, wer schon immer mal Vampire jagen wollte, der hat in einer eigenen Welt die Möglichkeit dazu und wer den Schrei des Tyrannosaurus Rex hören möchte, der kann sich auch diesen Wunsch erfüllen. Natürlich sind die Überlebensquoten in den beiden zuletzt genannten Welten relativ kurz. Aber das ist nicht schlimm, denn wer in der virtuellen Welt verstirbt, wacht in der der realen auf, geht einmal kurz zum Klo und reist in die nächste Welt. Normalerweise. Dennoch ist es in den von Jana erschaffenen Welten zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Bewohner verschwinden und lassen sich nicht in anderen Welten wieder aufspüren und einige Tote bleiben hartnäckig tot. Jana beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen und kommt dabei der weitverzweigten Konzernleitung mächtig in die Quere.

Ursula Poznanski zeigt mit ihrem neuen Buch „Cryptos“ eine Zukunft, die fast schon ein bisschen verlockend wirkt. Die Menschen bewegen sich nur noch in virtuellen Welten und da es eine Unzahl davon gibt, ist für jeden etwas Spannendes dabei. Es ist also nicht mehr nötig, dass die reale Welt funktioniert oder lebenswert gestaltet ist. Besonders toll ist auch, dass jeder sein Äußeres selbst gestalten kann. Im Cyberspace wird die große Nase und das Übergewicht einfach weg modelliert und schon kann der Gast in einer nach Gefahren katalogisierten, wohlgeordneten Welt einen heiteren Tag – mit ein bisschen Arbeit – verbringen. Grundsätzlich wäre somit die Lösung für viele Umweltprobleme geschaffen: Wer virtuell reist, der braucht keinen Flieger und kein Auto, um das zu tun. Wer virtuell speist, dem kann man die geschmackloseste Pampe einflößen und er wird sie für sein jeweiliges Lieblingsgericht halten und wer virtuell stirbt, der wird nur kurz in der Realität wach und stürzt sich in ein neues Abenteuer. Damit hätte die Menschheit tatsächlich die Sterblichkeit überwunden und würde zudem zum Schöpfer. Kurz gesagt: Wir wären alle Götter. Etwas ausführlicher gesagt: Wir wären alle  Götter – mit einem Machbereich, der sich nur irgendwo zwischen ein paar Computerchips und in unseren Köpfen abspielen würde. Denn tatsächlich wäre die Erde ja fast nicht mehr bewohnbar und sieht man es genau dann hätten wir: Nichts.

Diesen Weg der Entdeckung lässt die Autorin ihre Heldin Jana machen, die als Erschafferin – oder Designerin – von virtuellen Welten feststellt, dass irgendetwas schief läuft. Sie nimmt als Ich-Erzählerin die Leser zunächst mit auf die Reise in die von ihr liebevoll und romantischen kreierten Welten. Da ist zunächst das kleine malerische Insel-Refugium, das irischer als jeder Ort in Irland auftritt oder das Märchen-Land, das von Feen und Elfen bevölkert wird. Schnelle Wechsel folgen in Welten voll mit Dinosauriern, in eine Welt, die dem London des 17. Jahrhunderts entspricht oder das an die Umgangsformen der Jane Austen Romane erinnert, in eine Welt voll mit Vampiren, in eine Welt mit heftigen Kämpfen, in die Welt des antiken Griechenlands und wem jetzt schon langsam schwindelig wird, der kann nachvollziehen, wie sich der Leser manchmal fühlen muss.  Ursula Poznanski hat es gut gemeint und doch fühlte ich mich, als sei ich in eine aberwitzige Werbeveranstaltung geraten, in der möglichst viele Designer tolle Ideen präsentieren, um möglichst viele Tickets zu ihren Welten zu verkaufen. Hier hätte ich mir manchmal etwas „weniger“ an neuen Welten und etwas mehr Zeit in der gewünscht, die ich gerade betreten hatte. Dennoch wird hier auch bereits eine Aussage zu einer wichtigen Botschaft des Buches getroffen: Jana erfährt, dass es immer weniger Welten gibt, zu denen sie gehen kann. Dabei ist diese Realität aber längst eingetreten – denn es gibt für die Menschen nicht mehr allzu viele Räume, in denen sie noch überleben können.

Im Zuge dieser verschiedenen Reisen baut die Autorin einen gut aufgebauten Umwelt- oder Technologie-Krimi auf. Auch die Heldin muss erkennen, dass die virtuelle Welt offenbar nicht allumfassend funktioniert und dass Ereignisse in der realen Welt maßgebliche Auswirkungen haben. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern beginnt sie, die Vorgaben der allumfassenden Dachorganisation mit dem passenden Namen „Mastermind“ zu hinterfragen. Sie erfährt alsbald, dass es dieser zwar vordergründig um das Funktionieren der „Traumreisen“ geht, aber die wahren Pfründe und Besitztümer – wie zu allen Zeiten – im Hier und Jetzt vergeben und verschachert werden. Auch hier gelingt es Poznanski eine klar gegliederte und ineinander greifende Auflösung zu schaffen, bei der allenfalls ein wenig bemäkelt werden kann, dass sie nach der ganzen vorangegangenen Jagd und den Verstrickungen plötzlich doch sehr glatt läuft.

Fazit:

Mit ihrem neuen Buch präsentiert Ursula Poznanski einen spannenden, abwechslungsreichen Techno-Krimi, den ich kaum aus der Hand legen mochte. Neben allem Lesevergnügen werde aber auch aktuelle Fragen aufgeworfen und – ohne erhobenen Zeigefinger – auf die aktuelle Umweltproblematik hingewiesen. Was passiert, wenn wir die Erde nicht mehr abkühlen können? Kann ein Traum von phantastischen Welten tatsächlich die Realität ersetzen? Was bleibt, wenn wir nur noch die großen Firmen regelrecht in unseren Kopf lassen und unsere Gedanken an sie abtreten? Das sind spannende Fragen zu denen spannende Antworten gegeben werden.

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