Panic Hotel: Letzte Zuflucht

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

Hardcover, 368 Seiten

ISBN: 9783407758293

Couch-Wertung:

8

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Sabine Bongenberg
Packende beängstigend realistische Zukunftsvision

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Sep 2020

Ein Nahostkonflikt verbreitet sich wie ein Lauffeuer und im Raum Frankfurt steigen die ersten Atompilze auf. Wohl dem, der jetzt vorausschauend in das „Panic Hotel“ investiert hat, kann er jetzt diese Anlage – die in einen Berg hinein gebaut wurde und diverse unterirdische Etagen aufweist – beziehen. Es ist eine der letzten Überlebensmöglichkeiten der Menschheit: Nach Klimakatastrophen, die im April schon das Thermometer auf 36°C peitschen lassen, und zuletzt dem Atomkrieg, der die Welt in einen atomaren Winter stürzen wird, können die, die ein paar Millionen locker machen, um dieses spezielle Projekt zu fördern, in unterirdischer Sicherheit überleben.

Mit ihnen zieht auch das Heer der Bediensteten ein, die sich aber in totaler Abhängigkeit als bessere Sklaven verdingen. Die Bundesrepublik, weggepustet, die Staatsform der Demokratie, verbrannt, die Rechtsprechung, zu Staub zerfallen – nun gilt allein das Gesetz des Geldes und wer nicht spurt, der wird vor die Tür gesetzt. Die 16jährige Janja, die hier als Mädchen für alles mit ihren gut betuchten Brötchengebern einzieht, erfährt alsbald am eigenen Leib, wie der neue Wind weht. Noch härter trifft es Wesley, der von seinem Bruder in die vermeintlich sichere Zuflucht geschmuggelt wurde und hier als „blinder Passagier“ zu überleben versucht.

Realistisch geschilderte Zukunftsvision

Stephan Knösel entwirft mit dieser realistisch geschilderten Zukunftsvision ein furchterregendes Bild. Schon im Jahr 2032 droht die absolute Vernichtung der Menschheit und auch, was sich kurz davor abspielte, war kein Zuckerschlecken mehr. Auch da hatten Klimakatastrophen und die damit verbundenen Missernten schon einen großen Teil der Menschen in Not gestürzt und riesige Ströme von Geflüchteten hervorgerufen. Knösels Szenario ist einfach und brutal: es gibt keine Rettungspläne mehr, sondern einfach nur das Fügen in das Unvermeidliche.

Eigenartig erscheint es aber, dass offensichtlich schon im Vorfeld der Nuklearkatastrophe eine starke Veränderung in der Gesellschaft eingetreten ist. So akzeptiert die arme Bevölkerung einerseits die Rettung der Superreichen ohne Protest und erkennt auch das Funktionieren dieser neuen Kasten-Gesellschaft offensichtlich ohne Murren oder Aufbegehren an. Janja lässt ohne größere Debatte ihre Mutter zurück, akzeptiert Arbeitstage, die im Prinzip eine Bereitschaft von 24/7 umfassen und vermutet darüber hinaus, dass sie nur wegen besonderer familiärer Beziehungen in dieses spezielle Hotel „einchecken“ durfte. Hier hätte ich mir manchmal gewünscht, dass der Autor ein paar Informationen ergänzt hätte, warum eine Gesellschaft zustande kam, in der sich die Reichen offensichtlich alles leisten können und die Armen nur schweigend ihr Schicksal ertragen.

Rasanter Start

Was ich mir hier als ein wenig „mehr“ gewünscht hätte, machte sich meiner Einschätzung nach dagegen an anderer Stelle als ein wenig „zu viel“ bemerkbar. Atemberaubend spannend ist der Einstieg in die Geschichte von der Flucht in die Bunkeranlagen bis zum Beginn des eigentlichen Lebens. Danach musste sich zwangsläufig ein Spannungsabfall anschließen, den die Leser auch sicherlich verkraftet hätten. Das versuchte der Autor aber offensichtlich durch neue Verwicklungen zu umgehen. Möglicherweise entstand so der weitere Handlungsstrang, in dem ein brutaler Mord geschildert wird, der dem blinden Passagier Wesley in die Schuhe geschoben werden soll. Diese zusätzliche Schleife wirkte unpassend und zudem recht lieblos zusammengeschustert. Die spannende Handlung hätte sich auch ohne dieses Konstrukt weiter getragen. Es wäre vielmehr interessant gewesen, wie sich der Alltag in der neuen Zuflucht gestaltet.

Unbeantwortet bleiben auch die Fragen, wie das Leben in diesem Hotel generell getaktet ist, wie mit Fragen der Familienplanung oder überhaupt der Organisation der Gemeinschaft umgegangen wird oder wie auch die neue Freizeitbeschäftigung – die Alternative Realität – sich auf das Leben der Menschen auswirkt. Würde tatsächlich eine große Gruppe von Menschen unterirdisch für die Dauer von dreißig Jahren zusammengepfercht, wäre schon bei der Vorbereitung zu erwarten gewesen, dass sich die Gründer auch Gedanken bei der zukünftigen Verwaltung machten. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Ruhe vor den eigentlichen Problemen, die der Showdown mit sich bringt, gewünscht.

Fazit

Stephan Knösel hat eine beängstigende Zukunftsvision erschaffen, von der ein jeder von uns hoffen kann, dass er sie nie erleben wird. Dennoch hätte es manchmal nicht geschadet, wenn der Autor nicht nur auf Spannung und Tempo setzt, sondern seinen Lesern Zeit gegeben hätte, neue oder geänderte Gesellschaftsstrukturen zu verstehen. Erstaunlich schien auch manchmal, dass kaum einer den Untergang der bisherigen Welt betrauert. Diese Aspekte hätten aber Knösels Helden doch ein wenig mitmenschlicher und verständlicher gemacht – so bleibt immer ein wenig technische, kühle Distanz.

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