After the Fire

Erschienen: Juli 2020

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel After the Fire; aus dem Englischen von Wolfram Ströle; Broschur, 480 Seiten

ISBN: 9783423650328

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Sabine Bongenberg
Angelehnt an eine wahre Geschichte und unfassbar spannend

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jul 2020

Schon lange waren die Tage in der Siedlung der „Legionäre Gottes“ nicht mehr glücklich: Die kleine religiöse Gemeinschaft hatte sich immer stärker von der Außenwelt abgeschottet, ihre Regeln immer weiter verschärft und zum Schluss jedem Mitglied den Ausstieg fast unmöglich gemacht. Jetzt aber überschlagen sich die Ereignisse, denn die US-amerikanische Armee und Verbände des FBI stürmen die Anlage, die Menschen sterben im Kugelhagel, die Gebäude gehen in Flammen auf und generell wirkt es, als sei der Tag des Jüngsten Gerichtes gekommen.

Immerhin können einige aus diesem Inferno entfliehen. Darunter ist die 17jährige Moonbeam, die als eine der wichtigsten Augenzeuginnen der Katastrophe von den bisher verhassten und gefürchteten amerikanischen Behörden vernommen wird. Moonbeam weiß: es sind die Vertreter des Bösen, die Unterstützer der „Schlange“, die darauf abzielen ihre Glaubensgemeinschaft zu vernichten. Ihnen darf sie nicht vertrauen, auch wenn sie ihnen aus der Zeit vor der Katastrophe berichtet: Von dem allmächtigen Vater John, von seinen bewaffneten „Zenturios“, die alles überwachen und Übertretungen hart bestrafen, von der Atmosphäre der Furcht die sich schrittweise immer stärker verbreitet und von den Menschen, die verschwunden sind. Moonbeam kennt es nicht anders, aber je mehr sie von ihrem alten Leben erzählt, umso mehr fragt sie sich, ob jedes Zusammenleben von Misstrauen und Angst geprägt sein muss.

Das Leben in einer Sekte

Der britische Autor Will Hill dürfte bisher vielen Lesern wegen seiner Geschichten um die Vampire des Departement 19 bekannt sein. In seinem neuesten Werk wendet er sich einem vollkommen neuen Thema zu, sind jetzt doch Menschen die Monster in seiner Geschichte. In seinem Buch After the Fire lässt er Moonbeam als Ich-Erzählerin aus ihrem Leben in einer amerikanischen Sekte erzählen. Moonbeam ist dort groß geworden und das Leben in dieser religiösen Gemeinschaft unter der Führung des charismatischen „Vater John“ ist alles, was sie kennt. Für sie ist es vollkommen normal, dass geringste Übertritte hart bestraft werden, dass sich die Glaubensgemeinschaft vor den Einwohnern der nächsten Stadt abschottet, dass das Gelände umzäunt, das Tor gesichert und nachts die Zimmer verschlossen werden. Sie kann auch die Namen verschiedener Schusswaffen frei aufzählen, denn die Gemeinschaft trainiert mit ihnen und jeder einzelne ist im Nahkampf geübt. Natürlich hat dieses Leben nicht mehr viel mit der frohen Botschaft des Evangeliums zu tun, sondern eher mit der schwarzen Botschaft des Vater John. Aber dieser ist unantastbar – oder?

Die Spannungsschraube dreht sich enger

Will Hill lässt seine Heldin nach einem kriegsähnlichen Szenario, das sie und andere Kinder aus dem Umfeld und damit dem Einfluss der Sekte entriss, von ihrem täglichen Leben in der religiösen Gemeinschaft berichten. Dieser Krieg stellt auch den entscheidenden Schnitt zwischen den beiden Lebensabschnitten von Moonbeam dar und gliedert diese – wie auch im Buch geschehen – in ein „Davor“ und ein „Danach“. Zu Beginn ihres Berichtes wirkt im “Davor“ noch vieles unauffällig, einiges vielleicht ein bisschen „verstrahlt“ und sicher nicht jedermanns Sache – das Leben in einer Gemeinschaft, die sich der Suche nach Gott verschrieben hat und auf religiösen Vorgaben beruht.

Aber mit der „Machtergreifung“ von Vater John, die an den Umsturz in einem totalitären System erinnert, gerät die heile Welt ins Wanken. Gelegentlich erinnert das Szenario an die Entwicklungen um die Animal Farm, wo die hart arbeitenden Visionäre verheizt und verhökert werden, bissige und geifernde Köter die dumme Schafherde antreiben und die herrschende Rasse in Form der Schweine sich auf seidenen Laken räkelt und das Leben in vollen Zügen genießt. Es ist die besondere Leistung von Hill diese Entwicklung in einer Spannungsschraube zu präsentieren, die immer noch eine weitere Runde angezogen wird, bis dass der Leser meint, dieses Buch gar nicht mehr aus der Hand legen zu können.

Wer sich auf After the Fire einlässt, dem wird dringend empfohlen, diese Lektüre nicht zwischen Tür und Angel oder zwischen verschiedenen Terminen zu beginnen, denn dieses Buch ist ein Garant dafür, diese im Eifer des Gefechtes komplett zu vergessen. Zu spannend wird die Geschichte der Moonbeam erzählt, die nicht versteht, warum ihre Mutter ihren Enthusiasmus und ihre Verehrung zu Vater John nicht teilen will, die aber langsam aus den vorgegebenen Denkweisen der Gemeinschaft aus- und damit in eine gefährliche Welt – die des eigenen Denkens – einsteigt. Schrittweise gelingt es ihr, sich den Gehirnwäschen der Führungsriege zu widersetzen und ihre eigene Menschlichkeit zu erhalten. Frei von Fehlern ist sie allerdings auch nicht und so tanzt sie längere Zeit zu der verführerischen Flöte der religiösen Rattenfänger. Das aber tut der Sympathie keinen Abbruch, denn wer von uns hat sich noch nie an dummen, falschen oder einfach sinnbefreiten Idolen orientiert und ist ihnen ein gutes Stück hinterhergerannt?

Fazit

After the Fire behandelt laut der Aussage des Autors die Umtriebe einer fiktiven Gemeinschaft und ähnelt doch der Katastrophe um den Sektenchef Vernon Howell (alias „David Koresh“) und seine Gruppe der „Branch Davidians“ im texanischen Waco. Auch ihm gelang es, sich als neuen, aber gewaltbereiten und -tätigen Messias aufzubauen und seine Anhänger in ein Inferno aus Kugeln und Feuer zu führen. Zurück blieb eine fassungslose US-Amerikanische Öffentlichkeit, die sich fragte, wie eine solche Tragödie möglich sein konnte. Diese Kombination aus Realität und Fiktion ergibt eine explosive Mischung, die das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.

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