Lips Don't Lie

Erschienen: Mai 2020

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel Cry Baby; aus dem Englischen Franziska Jaekel; Taschenbuch, 416 Seiten

ISBN: 9783473585793

Couch-Wertung:

7
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Rita Dell'Agnese
Wer gehen will, muss sterben

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Jan 2021

Seit Tristans Vater umgekommen ist, hat ihn die FiftySeven-Gang unter die Fittiche genommen. Für den jungen Mann ist klar, dass er in die Fußstapfen seines Vaters treten und ein vollwertiges Gangmitglied werden wird. Perspektiven sieht Tristan für sich keine, obwohl seine Vertrauenslehrerin ihm unmissverständlich klar gemacht hat, dass er mit seiner Intelligenz das Potenzial hat, aus dem Sumpf der Kleinstadt Millers in Arkansas herauszukommen. Tristan ignoriert ihre Bemühungen jedoch – denn aus der Gang auszusteigen, bedeutet zu sterben. Erst als die junge Riley in die Nachbarschaft zieht, bewegt sich etwas in Tristan. Mit ihrem Ehrgeiz und ihrem unbändigen Kampfgeist fasziniert sie ihn. Obwohl er sich dagegen sträubt, wird sie immer stärker Teil seines Lebens, und auch sie möchte ihm dabei helfen, die Zeit bei FiftySeven hinter sich zu lassen – trotz der damit verbundenen Gefahren.

Der Kampf gegen sich selbst

Autorin Ginger Scott führt in ihrem Roman Lips don’t lie mehrere Themenkreise zusammen. Zum einen ist da der junge Tristan, der unter dem Schutz der Gang steht, in der sein Vater vor seinem Tod eine wichtige Position inne hatte. Der Weg von Tristan scheint also vorgegeben, obwohl es den jungen Mann reizt, die Chance zu ergreifen und durch ein Studium aus der vorgegebenen Situation auszubrechen. Mit der zweiten Protagonistin Riley bringt Ginger Scott ein weiteres Thema ins Spiel: Die Chancengleichheit und der Stellenwert der Frau. Die begnadete Basketball-Spielerin wird kaum als Sportlerin angenommen und muss sich ihre Position immer wieder erkämpfen. Doch das macht sie stark.

Interessante Konstellationen

Mit der Wahl ihrer Figuren schafft Ginger Scott verschiedene interessante Konstellationen. Sie zeigt das ganze Spektrum auf: von jungen Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein, die sich in der Gruppe behaupten müssen und auf der Suche nach ihrem Weg sind. Darin läge sehr viel Potenzial. Das aber ruft die Autorin nur zum Teil ab. Gerade die Figur von Tristan bleibt stark eindimensional, sein Leben und seine Auseinandersetzung mit der Gang finden kaum statt. Wo immer es in die Tiefe gehen sollte, geschieht ein erzählerischer Bruch. Dadurch bleibt Tristan eine distanzierte Figur, die kaum zur Identifikationsperson werden kann. Näher kommt man zwar an Riley heran, doch auch sie vermag die Leser nur teilweise ins Geschehen hinein zu holen. Hier ist es vor allem ihre sich wiederholende Schwärmerei für Tristan, die zu einigen Längen führt.

Fazit

Der Roman Lips don’t lie behandelt wichtige Themen, vermag aber nicht über die ganze Strecke zu überzeugen. Die beiden Erzähler Tristan und Riley bleiben kaum greifbar und manche ihrer Handlungen sind nicht nachvollziehbar. Dennoch bietet Ginger Scott einen Jugendroman, der sich süffig liest und für unterhaltsame Stunden sorgt.

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