Das Gegenteil von Hasen

Erschienen: Mai 2020

Bibliographische Angaben

Hardcover, 416 Seiten

ISBN: 9783453272804

Couch-Wertung:

9

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Julian Hübecker
Vielschichtig erzählt

Buch-Rezension von Julian Hübecker Jun 2020

„Julia hat sich oft gefragt, wie es wohl wäre, wenn man alles laut sagen würde, was man denkt. Wenn man kein Blatt vor den Mund nimmt und keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer. Und in ihrer Vorstellung war das irgendwie befreiend gewesen.“

Julia gehört zu den beliebtesten Schülern auf ihrer Schule – bis zum schicksalhaften Tag, an dem sie ihren Jutebeutel, und damit ihren Laptop, im Bus vergisst. Dort sind ihre Gedanken aufgeschrieben, die keiner lesen darf: ungefiltert, gnadenlos, vernichtend. Als sie schließlich veröffentlicht werden, ist Julia Zielscheibe für Hass und Häme.

Ein Wolf unter den Hasen

Julia wird es heiß und kalt als sie feststellt, dass ihr Laptop verschwunden ist. Darin notiert sie allabendlich ihre Gedanken – und keiner kommt ungeschoren davon: ob nun ihr Freund Leonard, ihre beste Freundin (und Leonards Schwester) Marlene, ihr heimlicher Verehrer Edgar oder ihre eigene Familie. Eigentlich ist es ihre Strategie, um unnötigen Ballast loszuwerden, den Kopf zu filtern und frei zu bekommen. Doch nun wird dies zu ihrem persönlichen Albtraum, zerstört es doch alles, was sie sich aufgebaut hat.

Edgar trifft es als erstes: Er ist heimlich in Julia verliebt, weiß aber, dass er nicht in ihrer Liga spielt. Dennoch gibt es den einen Lichtblick jeden Morgen, wo er mit Julia gemeinsam mit dem Bus zur Schule fahren kann. Hier hat er doch das Gefühl, dass es eine Chemie zwischen ihnen gibt – bis er ihre Einträge liest und feststellt, was sie wirklich von ihm hält: geschlechtslos, unattraktiv, keiner, den man sich beim Sex vorstellen möchte.

Julia indes treibt die Frage um, wer so viel Hass für sie empfinden könnte, ihr so etwas anzutun. Dabei gibt es genügend Personen, die in Frage kämen: ob nun Linda, die von ihr in der Vergangenheit gemobbt wurde; Marlene, der die Beziehung zwischen Julia und Leonard ein Dorn im Auge ist; oder eben andere Schüler, die stets im Schatten der perfekten Julia stehen. Nach und nach ergibt sich jedoch ein ganz anderes Bild von ihr; eine verletzliche Seite, die sich in ihrer Beziehung nicht wohl fühlt, ihre Freundschaft zu Marlene hinterfragt und den Draht zu ihrer Mutter immer mehr verliert.

Mobbing hat nicht nur eine Facette

Man kann nicht anders, als ein immer größerer Fan von Anne Freytag zu werden. Sie ist einzigartig in der Jugendbuchwelt, nicht zuletzt dank ihrer Vielschichtigkeit. Stets betrachtet sie ein Thema nicht nur oberflächlich, sondern nimmt es Schicht für Schicht auseinander und beleuchtet es von allen Seiten. Schon der Titel Das Gegenteil von Hasen passt zu dieser Geschichte und das Cover ist ein absoluter Eyecatcher (Kompliment an den Verlag).

Der rote Faden ist eindeutig Mobbing: Julia spielt hier gleichzeitig die Gemobbte aber auch die Täterin, die eben Linda einige Jahre zuvor gemobbt hat. Auch Mitläufer und Beobachter kommen zu Wort. Ungewöhnlich ist, dass sogar die Erwachsenen sich äußern dürfen: sei es die Schulleiterin, die leicht überfordert an das Thema herangeht und als Schülerin selbst gemobbt wurde; oder die Eltern der Gemobbten und der Mobbenden, mit ihrer Hilflosigkeit im Versuch, dem eigenen Kind zu helfen oder auf den richtigen Weg zu führen; selbst ein Arzt darf das Geschehen kommentieren, der seine eigenen Gefühle hinter seine Professionalität als Doktor stellen muss.

Obwohl für mich nicht das Maximum aus dem Buch herausgeholt wurde, so ist es vor allem auch das Ende, das beeindruckt: Es ist erfrischend uneindeutig. Obwohl der Täter offenbart wird, bleibt er doch im Hintergrund und tritt nicht direkt auf. Die Motive sind schlüssig und ehrlich, man kann sie nachvollziehen und sie führen zu einem Twist, der sogar überrascht.

Fazit

Das Gegenteil von Hasen ist uneingeschränkt zu empfehlen. Nicht nur sind die Charaktere gut getroffen und vielschichtig, es zeigt sich auch, dass schonungslose Offenheit manchmal besser ist als eine Lüge. Am Ende bleibt die Frage, ob es nicht das ist, was alle Beteiligten gebraucht haben: nämlich die Veröffentlichung von Julias Schriften?

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