Bis ich ihn finde: Die Geschichte einer Vatersuche

Erschienen: März 2020

Bibliographische Angaben

Taschenbuch, 320 Seiten

ISBN: 9783570313008

Couch-Wertung:

8

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Rita Dell'Agnese
Die Suche nach den eigenen Wurzeln

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Apr 2020

Elena ist 16. Damit ist sie endlich alt genug, sich auf die Suche nach ihrem biologischen Vater zu machen. Er hat damals seinen Samen gespendet, damit Elenas Mutter und ihre Partnerin ein Kind bekommen konnten. So einfach, wie Elena sich das vorgestellt hat, ist die Sache jedoch nicht. Denn sie hat nur wenig Anhaltspunkte, wer der Samenspender sein könnte.

Ungelegen kommt da Rouven. Gerade erst kennengelernt, nimmt er bereits viel Raum in Elenas Leben ein; eigentlich hat er mit eigenen Problemen zu kämpfen und sieht in Elenas Suche eine Konkurrenz. Dennoch findet Elena, als sie schon gar nicht mehr zu hoffen wagt, Menschen, die ihr Schicksal teilen.

Zu wissen, wer man ist

Die Autorin Christine Fehér hat sich vertieft mit dem Thema Adoption und Samenspende auseinander gesetzt – das wird den Lesern des Romans schnell klar. Sie versteht es wunderbar, die Vorgänge um die Samenspende sichtbar zu machen.     Doch damit ist so ein Vorgang nicht abgeschlossen. Es geht vordergründig auch um die verzweifelte Suche eines jungen Mädchens nach der eigenen Identität. Die Handlungen der jungen Protagonistin sind weitgehend schlüssig und ihrem Alter entsprechend nachvollziehbar.

Zu vieler Klischees bedient

Was zu einem außergewöhnlichen Roman hätte werden können, bleibt jedoch im oberen Bereich des Mainstreams hängen. Um den Sprung nach vorne zu schaffen, hätte die Autorin ein paar Klischees weniger bemühen müssen. Verständlich ist die Kombination, dass das Mädchen bei ihrer leiblichen Mutter und deren Partnerin, die Zweitmutter von Elena, aufwächst und damit nicht ganz dem gängigen Familienschema entspricht. Doch wird hier die gleichgeschlechtliche Ehe der beiden Frauen auf die Schiene „Alternativ“ und „Ausgeflippt“ geschoben – als ob das eine zwingende Erscheinung in dieser Sache wäre.

Nicht ganz stimmig ist das Verhalten von Elenas Mütter: Sie werden von der Autorin einerseits als abgeklärte und weltoffene Alternative geschildert, andererseits zeigen sich die beiden Frauen sehr zugeknöpft, als sich die einzige Tochter auf die Suche nach ihren Wurzeln macht. Ja, sie legen dem Mädchen sogar Steine in den Weg, indem sie ihr wesentliche Punkte im Zusammenhang mit ihrem Vater verheimlichen. Die Erklärung der Autorin, die Mütter hätten sicher sein wollen, dass es sich nicht um eine Laune Elenas handelt, vermag nicht zu überzeugen. Denn eine auch nur halbwegs empathische Mutter hätte ihre Tochter einzuschätzen vermocht, ohne solchen Hürden aufzubauen.

Die Liste der Klischees führt sich auch beim geheimnisvollen Jungen Rouven fort und später bei den Personen, denen Elena auf dem Weg zu ihren Wurzeln begegnet. Das ist umso bedauerlicher, als das Buch einen wunderbaren Ansatz hat und auch sehr fluffig geschrieben ist, so dass man sich für ein paar Stunden ganz dem Geschehen überlassen kann.

Fazit

Ein wichtiges Thema wird jugendgerecht serviert, allerdings ist das Gericht mit einigen zu stark ausgebauten Klischees leicht versalzen. Dennoch: Die Gefühlswelt der jugendlichen Protagonistin wird authentisch aufgefangen und schlüssig widergegeben. So ist Bis ich ihn finde eine feine Lektüre, die eine Portion Spannung und Liebe enthält.

Bis ich ihn finde: Die Geschichte einer Vatersuche

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