Vor uns das Meer: Drei Jugendliche. Drei Jahrzehnte. Eine Hoffnung

Erschienen: Februar 2020

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel Refugee; aus dem Englischen von Meritxell Janina Piel; Hardcover, 304 Seiten

ISBN: 9783446266131

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Sabine Bongenberg
Die Kunst, ein berührendes Thema spannend zu erzählen

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Apr 2020

Vielleicht fragen sich das viele: Was bringt Menschen dazu, ihr Heim, ihre Freunde und ihre Familie zu verlassen. Was bringt sie dazu, sich in ein ungewisses Schicksal zu stürzen, ihr Zuhause zurück zu lassen und sich – möglicherweise nur in einer Nussschale – über weites, schwarzes Meer in ein fremdes Land aufzumachen? Wie groß muss die Verzweiflung – aber auch der Mut sein – um diesen Schritt zu wagen?

Alan Gratz schildert in seinem Buch Vor uns das Meer drei Schicksale von Kindern aus unterschiedlichen Epochen. Sie machen sich aus verschiedenen Gründen auf die Reise und wählen lieber eine riskante Zukunft auf dem Meer, als in der eigenen Heimat unterzugehen. Josef flüchtet während des dritten Reiches gemeinsam mit seiner Familie aus Deutschland, um der zunehmenden Verfolgung durch die Nazis zu entgehen; Isabel verlässt mit ihrer Familie eine Heimat, die keine Perspektive mehr bietet und die für anders Denkende zunehmend gefährlich wird; Mahmoud flüchtet mit den Eltern und Geschwistern vor einem Krieg, der den Alltag in seiner Heimat beherrscht.

Dem Autor ist es bei der Auswahl seiner Helden gelungen, deren Lebenswege – obwohl nicht nur geographisch, sondern auch zeitlich weit voneinander entfernt – miteinander zu verbinden. Josef versucht mit seiner Familie mit dem Passagierschiff „St. Louis“ von Berlin nach Kuba zu gelangen. Er hat sicherlich die bequemste Überfahrt, fast könnte man glauben, es handle sich um eine Ferienreise, wenn es Alan Gratz nicht geschafft hätte, die Ängste der Passagiere und die Not des bereits aus einem Konzentrationslager entlassenen Vaters aufzuzeichnen. Mehr als fünfzig Jahre später verlässt Isabel die Insel, die Josef als schützenden Hafen erreicht, und versucht mit ihrer Familie in einem selbst zusammengeschusterten Boot die USA zu erreichen. Mit der Schilderung der Flucht von Mahmoud schließt sich der geographische – und auch erzählte – Kreis, denn sein Ziel und das seiner Familie liegt wiederum in Berlin.

Alan Gratz schildert einfühlsam, aber auch mitreißend und spannend, die Ereignisse, die sich während der Flucht abspielen. Da sind einerseits die harmlosen Spiele und Streiche der Kinder auf dem Passagierschiff und andererseits die brutale Bedrohung durch die Nazis, die sich auch auf dem Schiff erleben müssen. Isabel und ihre Familie bringen Lebensfreude, die Liebe zur Musik und den Zusammenhalt zum Ausdruck, und drohen zwischen Tankern zerquetscht und von Haien gefressen zu werden. Mahmoud erfährt, dass sein Vater es fast bis zuletzt schafft, noch Witze über die verfahrensten Situationen zu reißen, und doch droht die Familie im Mittelmeer jämmerlich zu ertrinken. Keines der drei Kinder wird nach der Flucht die Person sein, die sie zu Beginn gewesen waren. Alle mussten große Teile ihrer Kindheit aufgeben, mussten Verantwortung wie Erwachsene übernehmen und zuletzt werden sie wissen, was Verlust bedeutet.

Der Autor beschreibt anschaulich, dass das Phänomen der Flucht kein neues ist. Er zeigt, dass zu flüchten heißt, sein Selbst zurückzulassen. Seinerzeit stand die Welt dem achselzuckend gegenüber, während es heute zu den großen Tragödien der Menschheit gehört. Alan Gratz könnte verurteilen oder anklagen – beides ist in seinem Buch nicht zu finden. Der Autor beschränkt sich vielmehr darauf, die Erlebnisse der Flucht zu schildern und die Menschen darzustellen, die sich am Unglück der anderen noch zusätzlich berauschen und bereichern. Dem Leser ist es selbst überlassen, einzuschätzen, was richtig und was falsch ist und welche Aufgaben eine Gesellschaft hat. Wer Vor uns das Meer gelesen hat, kann aber in dieser Frage nur zu einem Ergebnis kommen, und das ist ein wichtiger Schritt für jeden von uns.

Fazit

Berührend und einnehmend beschreibt Alan Gratz die Geschichte dreier Kinder auf der Flucht. Trotz der Schwere des Themas trifft Gratz es auf den Punkt.

Vor uns das Meer: Drei Jugendliche. Drei Jahrzehnte. Eine Hoffnung

Vor uns das Meer: Drei Jugendliche. Drei Jahrzehnte. Eine Hoffnung

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