Die unendliche Geschichte

Erschienen: August 2019

Bibliographische Angaben

Illustriert von Sebastian Meschenmoser; Hardcover, 416 Seiten

ISBN: 9783522202503

Couch-Wertung:

10

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Marcel Scharrenbroich
Wie ein Flug auf dem Glücksdrachen

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Dez 2019

Der Bücherdieb

Bastian Balthasar Bux ist ein unscheinbarer Junge. Mit ein paar Pfunden zu viel auf den Rippen und seinen krummen Beinen, fühlt er sich selbst nicht wohl in seiner Haut und wird durch mangelndes Selbstbewusstsein regelmäßig zur Zielscheibe seiner Mitschüler. Tief getroffen vom frühen Tod der Mutter, kann der schüchterne Junge nicht auf den Halt seines Vaters bauen, der sich seit dem Verlust seiner Frau immer tiefer in die Arbeit flüchtet und seinen Sohn kaum mehr beachtet, weswegen Bastian meist auf sich allein gestellt ist. Von der Schikane der Mitschüler bekommt der Vater freilich ebenfalls nichts mit. So auch an jenem Tag, als Bastian sich vor den Rowdys in die Buchhandlung von Karl Konrad Koreander flüchtet.

Eigentlich nur Schutz suchend, war es wohl reiner Zufall, dass es Bastian gerade in diesen Laden führte, doch wenn man an Schicksal glaubt, könnte man meinen, dass es seine Bestimmung war, die ihn zu Herrn Koreander führte. Der grummelige alte Herr ist gerade tief in ein altes Buch versunken, das Bastian sofort ins Auge fällt. Ein plötzliches Telefonat unterbricht die frostige Plauderei der beiden und Bastian kann nicht anders… Er muss dieses imposante, schwere Buch mit den ineinander verschlungenen Schlangen auf dem Einband einfach lesen. In einer Kurzschlussentscheidung nimmt der Junge „Die unendliche Geschichte“, wie es ihm prunkvoll von der Front entgegenstrahlt, einfach mit. Borgt es sich aus, um nicht zu sagen: Er stiehlt es. Hals über Kopf bricht Bastian auf und verlässt den Laden, ohne die Aufmerksamkeit von Herrn Koreander zu erregen, der wohl eher früher als später bemerken wird, dass das Buch, in das er vor wenigen Augenblicken noch vertieft war, urplötzlich verschwunden ist. Doch das und die Folgen seines Handelns sind Bastian in diesem Moment egal.

In der Schule angekommen, wo der Unterricht bereits begonnen hat, beschließt Bastian – ebenfalls wieder aus dem Bauch heraus –, dass er dem Schulalltag heute mal fernbleibt. Zu groß ist seine Neugier auf das Buch. Er verschafft sich Zutritt zum Dachboden der Schule, in der Hoffnung, dort unentdeckt und ungestört zu sein. Ausgestattet mit einer wärmenden Decke, seinem Schulbrot und einer Menge Vorfreude, breitet er das mysteriöse Buch auf dem Boden aus. Und er beginnt sie zu lesen: „Die unendliche Geschichte“.

Die Große Suche

Vom strahlenden Glanz Phantásiens ist nicht mehr viel übrig. Das einst schillernde Reich der Phantasie steht kurz vor dem Untergang und droht im „Nichts“ zu verschwinden. Die Herrscherin von Phantásien, die kindliche Kaiserin, ist schwer erkrankt und sollte kein Heilmittel gefunden werden, wird ihr Reich untergehen. Nur ein tapferer Held kann die Große Suche antreten und das Schlimmste abwenden. Ein solcher Held wird im jungen Atréju gefunden. Der grünhäutige Junge, der mit seinem Volk am Gräsernen Meer lebt, wird im Namen der kindlichen Kaiserin mit dem AURYN ausgestattet, ein mächtiges Amulett, welches seinem Träger uneingeschränkte Befehlsgewalt über alle Bewohner Phantásiens verleiht.

Zusammen mit seinem treuen Pferd Artax macht sich Atréju auf. Ohne zu wissen, wohin ihn die Reise führt, stürzt er sich unerschrocken ins Abenteuer: Von den Sümpfen der Traurigkeit, zum südlichen Orakel, bis hin zum Elfenbeinturm. Eine Suche voller Gefahren, Verluste, Verzweiflung und Hoffnung. Und ebenfalls eine Suche, bei der Atréju auf viele wundersame Wesen trifft, die mal mehr, mal weniger hilfreich zur Seite stehen. Während seiner Reise erfährt der rastlose Abenteurer, dass es eine Möglichkeit gibt, um Phantásien vor dem „Nichts“ zu retten: Der kindlichen Kaiserin muss ein neuer Name gegeben werden… von einem Menschenkind!

Bastian, der immer noch tief versunken auf dem Dachboden seiner Schule hockt, kann sich Seite um Seite immer mehr mit der „unendlichen Geschichte“ identifizieren und fühlt sich schon bald als deren Teil. Tatsächlich verschwimmen die Grenzen von Realität und Phantasie immer mehr und es dauert nicht lange bis Bastian glaubt, dass es an ihm ist, Phantásien und seine Bewohner vor dem „Nichts“ zu retten. Doch das monströse Wolfswesen Gmork hat bereits die Spur von Atréju aufgenommen und will um jeden Preis verhindern, dass dieser einem Menschenkind den Weg nach Phantásien weist.

Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden…

Dieser Satz findet sich häufig in der „unendlichen Geschichte“. Immer dann, wenn Figuren auftauchen, deren Schicksal es wert wäre, ebenfalls erzählt zu werden. Und davon gibt es viele in Phantásien. Spannende, gut geschriebene Charaktere und Wesen, die allesamt eine bewegte Vergangenheit… oder Zukunft haben, in dieser Geschichte aber nur Randfiguren bleiben. Denn dies ist die Geschichte von Bastian Balthasar Bux.

Wer bisher nur die Verfilmung des Romans kannte, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen, wird diese Zusammenfassung der Geschichte als vollständig ansehen, was aber bei weitem nicht der Fall ist. Die Handlung des Films behandelt gerade einmal die Hälfte von Michael Endes Klassiker. Hat der Retter Phantásiens die Schwelle ins Reich der Phantasie erstmals überschritten, ist es an ihm, die zerstörte Welt wiederaufzubauen. Mit der Hilfe des AURYN und seiner unerschöpflichen Vorstellungskraft erstrahlt die Welt bald in neuem Glanz. Hier trifft er auf Atréju, den Glücksdrachen Fuchur, die kindliche Kaiserin und Wesen, die er sich selbst in seiner blühendsten Phantasie nicht vorzustellen vermochte. Doch wie eine alte Superhelden-Weisheit besagt, erfolgt aus großer Kraft auch große Verantwortung… und die neugewonnene Macht scheint dem Neu-Schöpfer von Phantásien bald zu Kopfe zu steigen, zumal der Einsatz seiner wunscherfüllenden Kraft auch einen hohen Preis fordert…

Zeitlos

Erstmals 1979 veröffentlicht, erfreut sich der unsterbliche Jugendbuch-Klassiker auch nach vierzigjährigem Bestehen noch größter Beliebtheit. Die schier unerschöpfliche Phantasie, die der Schriftsteller Michael Ende zwischen zwei Buchdeckeln untergebracht hat, ist auch heute noch beispiellos und mit so viel Liebe zu Papier gebracht, dass man als Leser, egal welchen Alters, nur staunen kann. Beinahe bildlich beschreibt Ende die detaillierte Welt und verbindet sie auf einzigartige Weise mit unserer Realität. Tiefgründig, spielerisch und einfach nur magisch.

Michael Ende (1929 – 1995), der 2019 seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte und während seiner beruflichen Laufbahn weitere Jugendbuch-Klassiker wie „Momo“ und „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ verfasste, die ebenfalls für TV und Kino adaptiert wurden, hat mit „Die unendliche Geschichte“ ein Werk für die Ewigkeit erschaffen, welches sich durch seinen detailverliebten und stets flüssigen Schreibstils unglaublich gut lesen… nein, ERLEBEN lässt.

1984 schaffte „Die unendliche Geschichte“ den Sprung auf die Kinoleinwand. Produziert von Bernd Eichinger und seiner Produktionsfirma Neue Constantin, sprengte das Budget schon während der Entstehung jeglichen finanziellen Rahmen. Mit 60 Millionen DM stellte die Roman-Adaption die bis dato teuerste deutsche Filmproduktion dar. Mehrfach mit Preisen ausgezeichnet und international erfolgreich (obwohl die Handlung für den US-Markt um fast sieben Minuten erleichtert wurde und der grandiose Score von Klaus Doldinger („Tatort“, „Das Boot“) durch Stücke von Giorgio Moroder („Top Gun“, „Flashdance“) ersetzt wurde), konnte auch der Titelsong „The NeverEnding Story“ von Limahl in Deutschland Kultstatus erreichen, obwohl dieser ursprünglich nur fürs amerikanische Publikum von Moroder komponiert und Keith Forsey geschrieben wurde. Dennoch war Michael Ende alles andere als zufrieden mit dem Resultat und veranlasste, dass sein Name aus dem Vorspann entfernt wurde. Obwohl der Film nur die Hälfte des Romans verarbeitete, legte Regisseur Wolfgang Petersen („Das Boot“, „In the Line of Fire“, „Der Sturm“, „Troja“) ein beeindruckendes Fantasy-Spektakel vor, das der Vorlage in weiten Teilen treu blieb.

Anders verhielt es sich mit der Fortsetzung, „Die unendliche Geschichte II - Auf der Suche nach Phantásien“, aus dem Jahr 1990. Nicht nur, dass Petersen den Regieposten an seinen australischen Kollegen George Trumbull Miller abgab und bis auf Thomas Hill, der bereits in „Die unendliche Geschichte“ von 1984 den Karl Konrad Koreander darstellte, der komplette Cast wechselte, sondern auch der Tatsache, dass die Handlung zwar grob die zweite Hälfte des Romans aufgreift, ihn mit viel zu vielen Freiheiten aber extrem verwässert, ist es geschuldet, dass der Geist der Vorlage komplett auf der Strecke bleibt und die Fortsetzung damit weit im Schatten des ersten Films steht.

„Die unendliche Geschichte III – Rettung aus Phantásien“ von Regisseur Peter MacDonald ging dann 1994 komplett in die Hose. „Free Willy“-Star Jason James Richter wurde nach Barret Oliver und dem bereits 2003 verstorbenen Jonathan Brandis der dritte Bastian-Darsteller und Comedy-Star Jack Black („Gänsehaut“, „Jumanji: Willkommen im Dschungel“, „Das Haus der geheimnisvollen Uhren“) durfte in einer seiner ersten großen Rollen als Antagonist „glänzen“. Mit dem Buch hat dieser Film wahrlich nichts mehr gemein und erzählt eine eigene - aber sehr belanglose - Geschichte. Selbst liebgewonnene Figuren wie Glücksdrache Fuchur oder der Felsenbeißer (der in Endes Roman auf den schnittigen und leicht von der Zunge gehenden Namen Pjörnrachzarck hört) wurden bis zur Unkenntlichkeit re-designt, was bei genauerer Betrachtung nur noch für Kopfschütteln sorgt. Bleibt also unbedingt beim Buch… oder dem ersten Film.

Kunstvoll

Für die 2019 erschiene, farbig illustrierte Schmuckausgabe von „Die unendliche Geschichte“ hat man sich beim Thienemann Verlag etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Zum 40. Geburtstag des Romans, und dem 90. von Michael Ende, beauftragte man den in Frankfurt am Main geborenen Künstler Sebastian Meschenmoser, um farbenprächtige Ölgemälde zur Veröffentlichung beizusteuern. In 14 Monaten fertigte der Künstler 50 großformatige Ölbilder und insgesamt mehr als 100 Zeichnungen an, auf denen er Phantásien und seinen Bewohnern einen ganz eigenen Look verpasste. Farbenfroh, kreativ, manchmal jedoch zu experimentell und ein wenig zu expressionistisch, was hier und da nicht ganz zur persönlichen Vision passt, die man während des Lesens in den eigenen Gedanken formt. Die schwarz-weiß-Illustrationen, die häufig zwischen den Texten auftauchen, gefallen mir in ihrer Machart deutlich besser und sind aus meiner Sicht ausdrucksstärker. Dies sind aber nur meine Randnotizen, die nichts daran ändern, dass „Die unendliche Geschichte“ ein wegweisender Meilenstein der deutschen Phantastik und zudem ein wunderschönes Buch für Jung und Alt ist.

Das schwere, großformatige Hardcover (23,1 x 27,3 cm) im roten Ganzleineneinband und mit tiefengeprägter Schrift, um die sich das AURYN schlängelt, kommt mit einem von Sebastian Meschenmoser gestalteten Schutzumschlag und verfügt zudem über ein weißes Lesebändchen. Wie bereits in der Erstauflage, ist der Text in Rot und Grün gedruckt. In roten Lettern wird die Handlung um Bastian Balthasar Bux in der Realität erzählt, während die Geschehnisse im phantastischen Reich Phantásien in grünen Buchstaben dargestellt werden.

Fazit

Ein Meilenstein in der phantastischen Jugend-Literatur, der in 40 Jahren nicht an Faszination eingebüßt hat. Erstleser dürfen sich auf ein packendes und ausuferndes Abenteuer zwischen Realität und Phantasie freuen, während es erfahrenen Phantásien-Reisenden mit dieser Prachtausgabe leicht gemacht wird, wieder in Kindheits- und Jugenderinnerungen mit alten, liebgewonnenen Bekannten zu schwelgen.

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