Nils geht

Erschienen: März 2020

Bibliographische Angaben

Hardcover, 160 Seiten

ISBN: 9783702238438

Couch-Wertung:

9

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Rita Dell'Agnese
Wann wird das Opfer zum Täter?

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Apr 2020

Nils ist das ideale Opfer: Er ist ein Außenseiter, weshalb sich kaum jemand mit ihm abgeben mag; nicht mal Sara, die Nils seit frühester Kindheit kennt und mit ihm in eine Klasse geht. Besonders die angesagteste Gruppe um Jo Bomann hat es auf Nils abgesehen. Gemeinsam mit Rasmus und Fadi lässt Jo keine Gelegenheit aus, um Nils zuzusetzen und ihn lächerlich zu machen. Die wunderschöne Mila, das einzige Mädchen der Gruppe, würdigt Nils dagegen keines Blickes. Dabei ist er hoffnungslos in sie verliebt.

Da kommt der Mathelehrer ausgerechnet auf die Idee, dass sich Mila von Nils Nachhilfe geben lassen muss, um die bevorstehende Prüfung und damit die Versetzung zu schaffen. Je intensiver die beiden zusammenarbeiten, desto mehr verändert sich etwas zwischen Nils und Mila. Als der eifersüchtige Jo erkennt, dass Mila in Nils nicht mehr eine Spottfigur sieht, verpassen er und seine Freunde Nils eine Abreibung. Als Nils daraufhin plötzlich Rasmus‘ Messer in den Händen hält, passiert es: Jo wird verletzt und Nils flüchtet.

Interessanter Aufbau

Die Geschichte um Nils Aussetzer und wie es zu der verhängnisvollen Attacke gegen Jo kommt, wird auf eine raffinierte Art und Weise erzählt. Gabi Kreslehner schlüpft dafür unter anderem in die Rolle einer Ermittlerin: Protokollartig gibt sie Vernehmungsgespräche mit Sara und Jo wieder. Dadurch kommt die Ansicht der beiden Befragten sehr unvermittelt zum Ausdruck: Sara, die ein schlechtes Gewissen hat, weil sie ihren Freund aus Kindertagen nicht gegen das Mobbing geschützt hat und die ihre Rolle als stille Zuschauerin hinterfragt; Jo, der sich als Opfer fühlt, jeden Vorwurf weit von sich weist und alles dafür tut, Nils als gewalttätigen Spinner darzustellen. Zwischendurch weicht die Autorin dann von den Protokollen ab und erzählt in klassischer Romanform weiter.

Starke Charaktere

Die Autorin hat für ihren Roman starke Figuren gezeichnet. Ob es nun der stille und gescheite Nils ist, der sich nicht durchsetzen kann, oder die hübsche Mila, die bei näherer Betrachtung mehr Herz hat, als es zunächst scheint: Die Protagonisten haben ihre Ecken und Kanten und wirken dadurch sehr lebensnah und echt. Die gesamte Konstellation könnte sich an jeder Schule so oder ähnlich ergeben.

In einer lebendigen Sprache schildert Kreslehner wunderbar, in welchen Gefühlswelten die verschiedenen Protagonisten gefangen sind und welche Vorstellungen und Wünsche zum entsprechenden Verhalten der einzelnen Personen geführt haben.

Fazit

Nils geht ist ein anschauliches Beispiel für Mobbing. Dass die Autorin nicht nur den tonangebenden Mobbern und Gemobbten näher betrachtet, sondern auch die stillen Beobachter, macht die Erzählung tiefsinnig und eignet sich nicht zuletzt für Lehrkräfte, um das Thema mit der Klasse aufzuarbeiten.

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Letzte Kommentare:
19.08.2020 11:59:16
Claw

Im ersten Teil des Buches erfahren wir viel über Nils: Wer ist er, wieso ist er neu an der Privatschule, aber eigentlich auch nicht, was spielt alles mit hinein, dass er zum Opfer wird, und warum vertraut er sich keinem Erwachsenen an? Wer sind seine Mitschüler? Was motiviert sieht oder hält sie zurück? Wo sehen Lehrer weg und warum?

Erst geht es nur um Psychospielchen, Gruppendynamik und später schließlich um offene Gewalt. Das ist nicht ohne. Parallel bekommen die Erwachsenen langsam mit, was los war, und gehen sehr verschieden damit um. Alle Perspektiven werden aufgegriffen, und der Leser spürt die Schwierigkeiten, die Unsicherheiten sowie Empathie und Gefühlskälte nebenbeinander.

Meine 13-jährige Tochter konnte es gut lesen, aber hat auch sehr mitgefühlt. Als sie mir ihren Blick auf den Verlauf schilderte, spürte ich sehr, wie gut sie während der Lektüre verstanden hatte, wie Täter Täter und Ignoranten Ignoranten werden konnten. Sie kennt ähnliche Verläufe aus unserem Alltag, weil ich mal wegen Mobbing eine Schule wechseln musste, an der die Lehrer die Problematik nicht ernst nahmen, und weil es auch an ihrer eigenen Schule Täter und Opfer sowie Mobbing in unterschiedlichem Ausmaß gibt. Sie selbst hat einen sehr starken Rücken und kann gut hinter Fassaden schauen. Aber sie ist auch sensibel und empathisch. Darum hat sie das Lesen des Buches sehr gemocht, denn alle Handelnden werden durch ihr jeweiliges Tun sehr klar für den Leser, auch die „Bösen“. Die ganze Geschichte ist zu spüren. Verzweiflung. Das Buch bewegt.

Im zweiten, etwas kürzeren Teil des Werks ist die Situation aus dem Ruder gelaufen, weil Nils kurz die Chance hatte, das Machtgefälle umzudrehen. Doch das ist nicht er selbst. Darum geht Nils! Und ist dann sehr mit sich allein. Er reflektiert, muss auch durchhalten und überleben und findet schließlich unerwartete Unterstützung, um auf einen Weg zu kommen, mit all dem Erlebten umzugehen.

Ja, das Lesen macht hier und da verzweifelt und traurig, manchmal sogar fassungslos. Man möchte ins Geschehen springen und den ein oder anderen rütteln. Die Emotionen fahren Achterbahn. Aber viele Momente und auch das Ende sind optimistisch.

Ich möchte das Buch ans Herz legen, weil durch all die Zeilen durchscheint, wie wichtig Beziehung ist, wie unabdingbar Nähe, Gespräche, Hinsehen und auch Mut sind. Lest das Buch, gebt es Euren älteren Kindern und Teenies und dann sprecht miteinander: Kennt Ihr solche Situationen? Wie fühlt sich das ein? Was kann man tun als Opfer, Danebensteher, Erwachsener? Warum sollte man bestimmte Schritt tun und wieso am besten gemeinsam?

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