Wie du mich siehst

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

aus dem Englischen von Katarina Ganslandt; Taschenbuch, 352 Seiten

ISBN: 9783733505882

Couch-Wertung:

10
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Alexandra Fichtler-Laube
Ein starkes, eindrückliches Jugendbuch mit viel Gefühl, Kraft und Beat

Buch-Rezension von Alexandra Fichtler-Laube Apr 2021

Um beruflich voranzukommen ziehen Shirins und Navids Eltern mit ihnen regelmäßig von einer amerikanischen Kleinstadt in die andere. Dadurch entwickelten beide Strategien, um in der jeweils neuen Schule zurechtzukommen. Während der hübsche, selbstbewusste Navid schnell Freundschaften schließen kann, hat Shirin Mauern um sich gebaut und hofft, ohne Aufsehen zu erregen durch den Schultag zu kommen.

Das ist für sie, dadurch dass sie als Muslima einen Hidschab trägt, gar nicht so einfach. Vor allem nach den Anschlägen vom 11. September hat sie mit Vorurteilen, Anfeindungen und teilweise auch mit Angriffen zu tun. Ihr Kopftuch macht sie für jeden sichtbar und scheint in den meisten Kleinstädten ein Freifahrtschein für Beleidigungen zu sein. Mit der Zeit ist ihre Schutzmauer unzerbrechlich geworden, bis jemand versucht Kontakt aufzunehmen…

Mauern und Angst sind nicht gut für die Liebe

Shirin ist allein – und das ist gut so. Höchstens ihr Bruder Navid ist ihr ein Freund und ihm kann sie sich anvertrauen. Doch beide leben in scheinbar unterschiedlichen Welten: Während er offen, kontaktfreudig und aktiv ist, hält sich Shirin von allem fern. Mit gesenktem Blick, Kopfhörern unter ihrem Hidschab und wortlos geht sie durch ihren Schulalltag. Der Hidschab ist für sie eine bewusste, sehr persönliche Wahl und auch ein Schutz vor Anfeindungen.

Als Shirin durch ein Schulprojekt Ocean kennenlernt, ist er ganz anders, als sie es je erlebt hat. Er interessiert sich für sie, stellt Fragen und ist freundlich. Total überfordert von seiner Art und ihren Gefühlen ihm gegenüber schwankt sie zwischen Freude, Zärtlichkeit und Ablehnung auf seine Annäherungsversuche. Denn eine Beziehung zwischen ihnen würde zu noch mehr Anfeindungen führen und auch negative Auswirkungen auf sein Leben haben. Doch Ocean hört nicht auf ihre Zweifel und setzt alles daran Shirin für sich zu gewinnen.

Auch ihr Bruder schafft es Shirin ein Stück weit aus ihrer Komfortzone zu entführen: Beide sind große Breakdance-Fans, und sie sind nicht nur Zuschauer. Gemeinsam mit ein paar weiteren Jungs beginnen sie für einen Auftritt bei einer Schulveranstaltung zu trainieren. Selbst Ocean ist sportlicher aktiv, als Shirin wusste, was ihre aufkeimende Liebe umso schwieriger macht.

Fesselnd und spannungsreich mit einem Extra an Moves

Wie du mich siehst ist ein sehr empfindsam geschriebenes Jugendbuch, das zuallererst ein Buch über Ausgrenzung, Rassismus und Engstirnigkeit ist. Autorin Tahereh Mafi wurde selbst als Muslima nach dem 11. September in Amerika angefeindet und kann dadurch die tiefe Verletztheit ihrer Protagonistin sehr deutlich beschreiben. Dabei schottet der aufgebaute Selbstschutz Shirin nicht nur gegen Angriffe ab, sondern leider auch gegen Mitgefühl und Freundschaft. Mit der Zeit hat sie sich ein einseitiges und abwertendes Bild von ihren Mitmenschen gemacht, das diese nur sehr schwer revidieren können.

Shirins Breakdance-Hobby gibt der Geschichte einen tollen Rahmen, da sich die Autorin auch hier hervorragend auskennt. Ihre Verwendung von Fachbegriffen und die Beschreibung der Bewegungen ist wunderbar verständlich und interessant. Dies ist eine wahrhaft originelle Besonderheit dieser Geschichte. Auch bildet dies eine Art aktive Abwechslung von Shirins innerer Zerrissenheit und all dem Gefühlswirrwarr und bietet ein wirklich positives Leseerlebnis.

Fazit

Wie du mich siehst ist ein abwechslungsreiches Jugendbuch, das sich mit Rassismus und Vorurteilen gegenüber Muslimas beschäftigt. Es ist aber auch ein Buch über Heilung durch Offenheit und Liebe mit einer ordentlichen Portion Breakdance.

 

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