Todesstreifen

Erschienen: August 2019

Bibliographische Angaben

Broschur, 256 Seiten

ISBN: 9783499218415

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9

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Tanja Wenz
Eine Zeitreise in die DDR der 80er Jahre

Buch-Rezension von Tanja Wenz Sep 2019

Es ist 1985, du bist 15 Jahre alt und wachst in einer engen dunklen Zelle auf. Ein Eimer dient als Toilette, Wasser und Brot bekommst du durch einen kleinen Schacht gereicht- das ist kein Alptraum, das ist der Jugendwerkhof Hummelshain in der DDR und bittere Realität. Das Schlimmste aber ist, dass deine Eltern keine Ahnung haben, wo du bist.

Deutsch-Deutsche Freundschaftsspiele

Das Leben von Ben war bis vor Kurzem noch völlig normal. Er lebt in einem Sportinternat in West-Berlin und fühlt sich dort sehr wohl. Blöd nur, dass er mit zu den Freundschaftsspielen nach Ost-Berlin gefahren ist. Es sind Spiele zur Völkerverständigung und die Autorin lässt Ben zu Recht fragen, wieso es zwischen zwei Deutsch sprechenden und bis vor wenigen Jahrzehnten ungeteilten Nationen so etwas überhaupt nötig ist. Aber hier wird deutlich, dass Ben, wie so viele Teenager seiner Zeit, von der DDR außer wenigen Fakten keine Ahnung hat.

Während der Sportspiele passiert das Ungeheuerliche: Ben wird im Wald von drei Jungen überfallen und in eine Gartenlaube geschleppt. Dort traut er seinen Augen nicht, als er feststellt, dass einer der Jungen ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Erst langsam wird Ben klar, was die Jungen vorhaben. Marc, so heißt sein Doppelgänger, will sich als Ben ausgeben und so mit der Sportgruppe von Ben nach West-Berlin ausreisen. Wie soll er selbst nun ohne Pass wieder nach Hause kommen?

Jugendwerkhof – eine harmlose Bezeichnung für viel Grausamkeit

Weil ihm niemand die „Verwechslung“ glauben will, landet Ben schließlich in einem Jugendwerkhof. Dort soll aus aufsässigen Jugendlichen anständige sozialistische Bürger der DDR geformt werden. Widerstand zwecklos. Die beklemmende Atmosphäre, die alltäglichen Grausamkeiten und die Willkür sprechen den Insassen jeglichen Individualismus ab. Dies transportiert die Autorin ebenso überzeugend wie Bens Verzweiflung.

BRD und DDR das Kontrastprogramm

Ben begreift Stück für Stück wie das System DDR funktioniert und warum Marc nicht länger bleiben konnte. Der Druck, das Misstrauen und die Ausweglosigkeit machen Ben betroffen und er freundet sich sogar mit seinen beiden Entführern an. Atmosphärisch greifbar schildert die aus Westdeutschland stammende Autorin die verkrusteten Strukturen und das Leben der Menschen, das Ben als verstaubt und antiquiert empfindet.

Dabei ist ihre Sprache stets auf Augenhöhe – für die Jugend von heute ist es schließlich fremd, so eingesperrt und unfrei zu sein. Die beklemmende Atmosphäre greift Helen Endemann überzeugend auf und lässt uns heute erahnen, wie ernst das Leben werden konnte, wenn man sich einen Fehltritt leistete. Auch durch die vielen Perspektivwechsel bleibt es spannend und temporeich.

Freundschaft

Obwohl sehr glaubwürdig in den Schilderungen und Gefühlen der Protagonisten, nimmt die Geschichte ein paar zu überraschende Wendungen, die manchmal etwas unlogisch sind.

Dennoch: Den Kern des Romans trifft die Autorin insofern, als dass sie die Freundschaft und den Zusammenhalt hervorhebt – selbst unter diesen so schwierigen, fast unmöglichen Bedingungen. Das zum Teil gefährliche Leben in der DDR, macht das Lesen spannend und fesselnd zugleich, schließlich können wir uns so etwas gar nicht vorstellen, obwohl es gar nicht so lange her ist. Apropos: Schön finde ich auch dass man noch erfährt, wie es in der Zukunft mit allen Beteiligten weitergeht. Denn es geschieht ja dann doch das große „Wunder“: Die Wiedervereinigung.

Fazit

Ein Buch, das trotz oder vielleicht gerade wegen seines ernsten Themas berührt und einen nicht loslässt. Trotz mancher Unklarheiten und einem Zuviel an Zufall, nimmt es den Leser mit auf die Reise in die Zeit der deutschen Trennung, zeigt Unterschiede und Gemeinsamkeiten, vor allem aber zeigt es, wie wichtig Freunde im Leben sind.

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