Kein Plan

Taschenbuch, 288 Seiten

ISBN: 9783522202626

Kein Plan
Kein Plan
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Sabine Bongenberg
7101

Jugendbuch-Couch Rezension vonOkt 2019

Etwas anders als der Klappentext verspricht

Möglicherweise ist hier das Problem mit der Erwartungshaltung das, was mir bei den ersten Kapiteln die Freude an diesem Buch vermieste. Wer den Klappentext gelesen hat (der von einem „verrückten Abenteuer“ spricht) und anschließend den Titel mit der witzigen Tasse und dem durchgedrehten Smiley betrachtet, der glaubt, in eine lustige Geschichte einzusteigen. Wer dann aber liest, dass Albert, der Held der Geschichte, in ein paar Tagen vorhat, die Schule zu verlassen, während seine ganze Clique weiter auf das Abi zusteuert, keinerlei Ahnung hat, was er aus seinem Leben machen will, und dann auch noch von einem Unglück heimgesucht wird, der zweifelt alsbald daran, dass den Buchdesignern und Klappentext-Dichtern der eigentliche Inhalt des Buches bekannt war.

Es ist nämlich kein verrücktes Abenteuer, das sich hier in den ersten Kapiteln entwickelt, sondern eine Tragödie. Schlimm genug, dass Albert von der Schule abgehen will, ohne einen blassen Schimmer zu haben, was er anschließend machen möchte und es seinen Eltern – beide Akademiker – offensichtlich piepegal ist. Aber wie es halt manchmal so ist – es geht noch schlimmer.

Eine Geschichte, die zwar schwer einzuordnen, dennoch Unterhaltungswert hat

Diesen ganzen Aufbau wählt Tobias Steinfeld, um seinen zuweilen blassen Helden mit zwei eigenartigen Weggefährten auf eine eigenartige Mission zu einem noch eigenartigeren Gastgeber in einem eigenartigen Kaff zu schicken. Was Albert, sein neuer Freund Zef und die anstrengende Streberin Ira hier erleben, bildet dann endlich eine lesenswerte und humorvolle Geschichte, die auch die angekündigten vierbeinigen Helden – nämlich einige Schafe – enthält. Aber bis zu dieser freundlichen Wendung ist es doch ein langer Weg.

Gelegentlich konnte ich mir auch den Eindruck nicht verkneifen, dass Steinfeld doch zu sehr auf gewollte und konstruiert absurde Elemente schielte und es dem berühmten Werk Tschick von Wolfgang Herrndorf ein wenig gleichtun wollte. So lässt er Albert und Zef auf deren Reise eine vollkommen unnötige und sperrige Rudermaschine mit sich schleppen, die außer ihrem Symbolcharakter keine Funktion hat – außer vielleicht der, denjenigen, der sich mit diesem Ding abmüht, in einem besonders komischen Licht erscheinen zu lassen. Immerhin: irgendwann kommt sie doch zum Einsatz, und es ist hoffentlich nur die erwachsene Leserin, die sich fragt, ob ein bisschen Rudern tatsächlich einem Alkoholabhängigen aus seiner Sucht helfen kann, aber sei es drum.

Fraglich bleibt aber letztendlich auch, ob drei Jugendliche, die länger und auf eigene Faust unterwegs sind, tatsächlich von keinem Elternteil vermisst oder gesucht werden, und ob einem Erwachsenen, der sicherlich verschroben ist und der in erster Linie mit seinen Tieren zusammenlebt, nicht bekannt ist, dass eine einfache Unterschrift unter einem Vertrag nicht ausreicht, um ein Grundstück mit Hof zu veräußern.

Es überrascht damit auch nicht, dass dieses Roadmovie, das ungefähr ab der Mitte dann endlich doch seinen Charme entfaltet, mit diversen offenen Fragen endet und es für alle – außer einen der Akteure – genauso planlos weiter geht, wie bisher.

Fazit

Der Titel Kein Plan hätte als der Start einer Entwicklung sein sollen, aber nicht der rote, alles beherrschende Faden. Es bleibt daher bei einigen hübschen Einfällen, einer gut erzählten Geschichte und einigem an Unverständnis – und das ist eigentlich schade für einen Roman, der auf einer schönen Idee basierte.

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