Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte

Erschienen: August 2019

Bibliographische Angaben

Illustrationen von Rán Flygenring; Hardcover, 208 Seiten

ISBN: 9783446264441

Couch-Wertung:

7

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Sabine Bongenberg
Ein bisschen zu viel des Wahnsinns

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Sep 2019

Lucie Schmurrer lebt mit Mama, Bruder Janni und Mamas neuem Freund Michi zusammen. Das war schon früher nicht einfach, ist aber mit Michis Einzug noch komplizierter geworden. Offensichtlich ist dieser Grüne-Tee-trinkende-und-Norweger-Pullover-tragende-Yoga-Fan nämlich einer von denen, die immer eine eigenartige Fröhlichkeit und Liebenswürdigkeit zur Schau stellen, die andere Menschen schier in die Raserei zu treiben vermag.

Es gibt für Lucie also nur eine Lösung: Sie muss schnellstmöglich zur vorherigen Freundin ihrer Mutter reisen, die jetzt in Berlin lebt und mit der das Leben doch viel einfacher war. Wie aber das Geld dafür auftreiben? Und hier kommt der Teil der Geschichte ins Spiel, der wirklich den Wahnsinn beisteuert – denn der alte Herr, der Lucie tatsächlich als Hilfskraft, Sekretärin oder geistige Stütze engagiert, der läuft schon gewaltig neben der Spur. Er faselt von Werwolfspucke oder Drachenherzen und von seinem unfehlbaren Liebestrank. Grundsätzlich weiß Lucie ja, dass das Quatsch ist. Andererseits – der Marvin aus ihrer Klasse, ach, der ist schon nett...

Feenzahn mit Drachenherzen – oder doch nur Mais mit Tomaten?

Manchmal überfiel mich bei der Lektüre von Dita Zipfels Buch der Gedanke, dass sie möglicherweise eine tolle Idee hatte, daraus eine verrückte Geschichte zusammenspann, aber genauso fix von der nächsten guten Idee begeistert wurde. Zu schnell springt das Buch zwischen Familiengeschichte, Erwachsenwerden, modernem Märchen und sogar Kochbuch hin und her. Zu verrückt ist die Handlung um Lucie, die sich von dem mehr als eigenartigen alten Herrn Klinge als „Schreibkraft“ anstellen lässt und dessen wirre Ausführungen über Drachenherzen und Nixenhirne sie zu Papier bringen soll.

Wer sich an dieser Stelle fragt, ob es dem alten Herrn gelungen ist, hin und wieder einen Besuch bei Harry Potter und dessen phantastischen Tierwesen einzurichten, der wird jetzt vermutlich enttäuscht erfahren, dass es sich bei diesen magischen Körperteilen nur um fantasievoll verfremdetes Gemüse handelt – das je nach Betrachtung auch magischen Tierorganen ähneln kann. Oder eben einfach doch nur Gemüse ist.

Neben diesem Handlungsstrang erzählt die Autorin schwungvoll und witzig von Lucies Familie, die durch den Einzug des Yoga-Liebhabers und neuen Freundes der Mutter auch nicht einfacher geworden ist. Hier treten dann aber die ersten Fragezeichen auf: Sicherlich wäre schon die große Liebe der Mutter, die bis vor kurzem offensichtlich noch in einer lesbischen Beziehung glücklich war, sich nun aber zu dem offensichtlich saft- und kraftlosen Verehrer wandelte, eher eigenartig. Dass aber dafür ihre beiden Kinder nun auch noch zusammen in ein Zimmer ziehen müssen und sich alles nur noch um den neuen Freund und dessen Wohlbefinden zu drehen scheint, das wirkt in einer Geschichte, die ansonsten von Wachsen und Reifen erzählen will, nicht stimmig.

Unklar bleibt auch, warum Konflikte in der Familie als Möglichkeit angedacht, dann aber doch in Richtung des braven „Ja und Amens“ gewählt wurden. Lucie und ihr Bruder Jannis scheinen in der Familie neben der eigentlich als patent beschriebenen Mama allenfalls eine Nebenrolle zu spielen, und über alles andere hat der sanfte Michi seine Diktatur der Liebe geworfen. Es schüttelt einen bei der bloßen Vorstellung – aber verständlich ist es nicht. Auch die Autorin scheint in dieser temporeichen Geschichte ab und zu den Überblick verloren zu haben, wohnen die Geschwister doch in einem Kapitel zusammen, im nächsten dagegen scheinbar wieder nicht.

Eine vollkommen überladene Geschichte

Dita Zipfel will ein bisschen arg viel: Es soll zum einen die Geschichte von Lucie erzählt werden, die mit dem Schwarm der Klasse nicht so recht viel anfangen kann. Es sollen sagenhafte Geschichten über Gegenstände erzählt werden, die möglicherweise einer fantastischen Welt entstammen – möglicherweise aber auch nicht. Es soll erzählt werden, wie die Heldin des Buches lernt, zu sich selbst und zu ihrer manchmal etwas verrückten Familie zu stehen. Es soll vermittelt werden, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen ganz normal sind. Und zum Schluss gibt es obendrein noch ein paar vegetarische – oder sogar vegane (lässt man die saure Sahne weg) – Kochrezepte. All das ist schon ein bisschen viel und damit hat man manchmal das Gefühl, auch die Autorin weiß vor lauter Fantasie, Lässigkeit und guter Laune nicht mehr, wohin sie mit ihrer Geschichte will.

Fazit

Immerhin können einige Geschichten zu Ende erzählt werden, einige bleiben aber weit offen und bei allem Schwung und Spritzigkeit bleibt auch ein bisschen ein unbefriedigendes Gefühl zurück. Zwar erreicht Lucie das ein oder andere Ziel, löst sich der Familienkonflikt nicht auf. Damit dürften das Abenteuer und der eigentliche Wahnsinn noch vor ihr liegen…

Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte

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