Das Labyrinth des Fauns

Erschienen: Juli 2019

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel Pan's Labyrinth - The Labyrinth of the Faun; aus dem Englischen von Tobias Schnettler; Hardcover, 320 Seiten

ISBN: 9783737356664

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Yannic Niehr
Ein Märchen düsterer Art

Buch-Rezension von Yannic Niehr Jul 2019

In consiliis nostris fatum nostrum est

Es war einmal eine Prinzessin, die lebte in einem magischen, unterirdischen Reich. Wie es Prinzessinnen aber eben oftmals so tun, sehnte sie sich danach, zu entdecken, was jenseits ihrer Heimat lag. Also riss sie aus in die Welt der Menschen, wo sie wie diese alterte und schließlich sterben musste. Doch gaben ihre Eltern niemals die Hoffnung auf, dass die unsterbliche Seele ihres Kindes eines Tages in neuer Gestalt zu ihnen zurückkehren würde…

Gleichzeitig in einer abgelegenen Bergregion Spaniens, 1944: im Nachgang des Bürgerkrieges befinden sich vereinzelte rebellische Guerillas noch immer im Kampf mit den Militärs des Diktators Franco. Deren Befehlshaber, den stattlichen Capitán Vidal, hat sich Carmen Cardoso nach dem Tod ihres Mannes, eines bescheidenen Schneiders, als neuen Ehemann erwählt. Sie erwartet bereits einen Sohn von ihm. Gemeinsam mit ihrer Tochter mit dem bedeutungsschweren Namen Ofelia reist sie zu Vidals Stützpunkt in einer alten Mühle.

Vor dem Hintergrund dieser parallelen Hintergrundgeschichten muss sich die verträumte Ofelia nun in einer brutalen und furchterregenden Welt zurechtfinden. Da ihre Mutter von der Schwangerschaft geschwächt ist und nur Augen für den Capitán hat, der ihre Liebe nicht wirklich erwidert bzw. solche zu empfinden gar nicht in der Lage zu sein scheint, gehört das einzige freundlich gesinnte Gesicht der Haushälterin Mercedes, die sich gegen Vidal verschworen hat und die Rebellen, denen auch ihr Bruder angehört, heimlich unterstützt.

Ofelia sieht keinen anderen Ausweg, als sich in die Traumwelt ihrer heißgeliebten Märchenbücher zu flüchten. In einem rätselhaften Labyrinth nahe der Mühle begegnet sie schließlich dem Faun, einer uralten, sagenumwobenen Gestalt, die sich als Botschafter des unterirdischen Reiches ausgibt und in ihr die verlorene Prinzessin zu erkennen glaubt. Will sie zurückkehren, so muss sie bis zum nächsten Vollmond drei Prüfungen bestehen. Doch ist den Verlockungen der Märchengestalten zu trauen? Wie kann Ofelia in dieser Welt der Wölfe überleben? Und wie ihren noch unschuldigen kleinen Bruder vor Vidals Einfluss retten?

„Es ist oft einfacher, etwas herauszufinden, als sich dem zu stellen, was man gefunden hat.“

Pan’s Labyrinth aus dem Jahr 2006 ist ein typischer Guillermo del Toro: voll düsterer Fantasy kontrastiert mit allzu realer, brachialer Gewalt. Vor allem der unverwechselbare, visuelle Stil verleiht dem Werk – ähnlich wie beim Oeuvre Tim Burtons – eine starke Sogwirkung. Da stellt sich die Frage, warum eine literarische Bearbeitung so lange auf sich hat warten lassen. Diese hat nun Cornelia Funke (die Pan’s Labyrinth in einem dem Buch beiliegenden Briefchen an die Leser ihren Lieblingsfilm nennt) auf persönlichen Wunsch von del Toro umgesetzt. In den Bereichen der Dark Fantasy ist sie ja auch keine Unbekannte, dementsprechend hätte man sich keine passendere Autorin vorstellen können.

In einer einem Märchen angemessenen, einfach gehaltenen und doch sehr lyrischen Sprache hält sie sich eng an die Filmvorlage, und es ist eine Freude zu lesen, wie sie das Innenleben der Figuren ausleuchtet. Fast hätte man sich davon noch etwas mehr gewünscht. Sogar del Toro selbst hat ihr nach den ersten Entwürfen angeraten, sich mehr Freiheiten mit dem Material zu erlauben. Vermutlich hat sie sich aus Respekt des von ihr so geschätzten Originals dagegen entschieden. Trotzdem ist dabei ein wundervolles Buch entstanden. Ergänzt hat sie dann schließlich doch noch einige kurze „Zwischenspiele“, die mehr Hintergründe zur Verbindung der Märchenhandlung mit dem realen Schauplatz verraten, geschickt aufeinander aufbauen und sich thematisch nahtlos in die Geschichte einfügen.

„Ihre Mutter sagte, Märchen hätten mit der Welt nichts zu tun, doch Ofelia wusste es besser. Märchen hatten sie alles über die Welt gelehrt.“

Diese ist, wie obig beschrieben, dieselbe geblieben. Das Schicksal der kleinen Ofelia – wie auch der anderen Figuren – geht einem genau so nah wie beim Betrachten des Films. Ofelias Begegnungen mit der verwunschenen Märchenwelt sind mysteriös und anrührend zugleich. Doch auch diese Welt hat ihre Schattenseiten, erinnert mit Kreaturen wie z.B. dem kinderfressenden Bleichen Mann an die finsteren Werke Goyas. Denn es geht dabei nicht um blinden Eskapismus. Vielmehr stellt diese Welt eine Verarbeitung dessen dar, was Ofelia in der Realität erlebt, die von Tod und Zerstörung geprägt ist. Besonders eindrücklich veranschaulicht wird das durch den „bösen Wolf“ Vidal, der mit seiner eiskalten und abgeklärten Grausamkeit das perfekte Werkzeug des unmenschlichen, faschistischen Regimes ist. Im Kontrast zwischen Märchen und Wirklichkeit, der immer mehr verschwimmt, sowie im seelischen Kampf gegen die Mächte der Finsternis erzählt der Roman davon, wie Menschen sich auch gegen die widrigsten Umstände behaupten können, ohne ihre Menschlichkeit dabei aufzugeben (wie Vidal es getan hat). Der Seele Spaniens wurde von Franco zugesetzt, der Ofelias von der Dunkelheit im Herzen der Menschen, die sie noch nicht komplett begreifen, aber mit ihrem Licht überstrahlen kann. Das zentrale Thema dieser Geschichte – das für jeden nun einmal immer so schön wie schmerzhaft ist – ist das Erwachsenwerden.

Fazit

Das Labyrinth des Fauns, so voller Leid und Trauer, aber auch so voller Hoffnung und Schönheit, verzaubert in literarischer Form – unterstützt durch die detailverliebten Zeichnungen von Allen Williams (die sich auch noch etwas mehr Freiheit vom Film hätten erlauben dürfen) – nicht minder als die Vorlage. Das Buch ist sowohl als gelungene Ergänzung für Fans des Films, aber auch für alle anderen, die einfach nur gut gemachte Dark Fantasy mögen, uneingeschränkt zu empfehlen.

 

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Letzte Kommentare:
20.07.2019 15:23:23
leseratte1310

Es ist eine Weile her, dass Ofelias geleibter Vater gestorben ist. Inzwischen hat die Mutter eine neue Beziehung und ist schwanger. Mit Ofelia zieht sie in die Berge, wo ihr neues Zuhause sein wird. Ofelias Stiefvater, Capitán Vidal, ist ein grausamer Mann, dem es Vergnügen bereitet, die Widerstandkämpfer im Spanien des Jahres 1944 zu jagen und auszuschalten. Das Mädchen flüchtet in die Traumwelt ihrer Märchenbücher, um der düsteren Atmosphäre der Mühle zu entfliehen. In der Nähe der Mühle ist ein Labyrinth, das Ofelia erkunden möchte. Dort begegnet sie einem Faun. Er sieht in ihr eine lange verloren geglaubte Prinzessin. Daher stellt er ihr Aufgaben, die Ofelia bestehen muss, um zu beweisen, dass sie diese Prinzessin ist.
Inspiriert von Guillermo del Toros Werk „Pans Labyrinth“ hat die Bestsellerautorin Cornelia Funke eine phantastische Welt erschaffen, die faszinierend und grausam zugleich ist. Ich kann dieses Buch nicht mit dem Film vergleichen, da ich ihn nicht kenne. Ich lese auch sehr selten Fantasy-Romane, doch das Buch hat mich angezogen.
Der gut zu lesende Schreibstil ist bildhaft und sehr poetisch. Die Charaktere sind interessant und gut dargestellt. Ofelias Mutter ist eine schwache Frau, die bei dem imposanten Mann halt sucht. Doch der verliert schnell das Interesse an ihr, nur der ungeborene Sohn interessiert ihn noch. Er ist grausam und ihm bereitet es Vergnügen, andere Menschen zu quälen. Ofelia entflieht der bedrückenden Atmosphäre des Hauses und gerät in diese magische Welt. Doch wird es ihr gelingen, die Aufgaben zu erfüllen, die ihr abverlangt werden? Zum Glück gibt es da Mercedes, die als Haushälterin für Vidal arbeitet, weil sie die Rebellen unterstützen will, zu denen auch ihr Bruder gehört. Sie kümmert sich um Ofelia.
Die Atmosphäre in dieser Geschichte ist unheilvoll und düster und es geht ziemlich brutal zu. Darauf sollte man sich beim Lesen einstellen, doch ich will nicht zu viel verraten.
Das Buch ist sehr schön gestaltet, das beginnt bereits mit dem Cover.
Eine sehr fantasievolle Geschichte, die mir aber zu grausam war.