Wer sich umdreht oder lacht ...

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel Pijn; aus dem Niederländischen von Verena Kiefer; Hardcover, 240 Seiten

ISBN: 9783846600818

Couch-Wertung:

8

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Kirsten Kohlbrei
My death waits.

Buch-Rezension von Kirsten Kohlbrei Jun 2019

Serienmorde online über Snapchat, Instagram & Co

Es ist Herbst in Amsterdam und ein sehr warmer September versetzt die niederländische Hauptstadt und ihre Bewohner noch einmal in Sommerstimmung, als eine Reihe von Mordfällen für Unruhe sorgt. Das erste Opfer, eine siebzehnjährige Schülerin, wird nachts im bekannten Vondelpark tot aufgefunden. Perfiderweise hat der Täter das Mädchen kurz vor ihrem Tod noch komplett nackt gefilmt und das Video in ihrer Story auf Snapchat gepostet, so dass alle ihre Freunde den Film sehen konnten, bis der Account nach einigen Stunden gelöscht wurde.

Mädchenmord verbreitet Angst

Der grausame Mord, von der Presse sofort bereitwillig zur Schlagzeile genutzt, löst in der Bevölkerung Bestürzung aus, weckt aber auch die Sensationsgier der Leute. Vor allem unter den Altersgenossen der Toten verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer und hinterlässt ein leises Gefühl der Bedrohung.

So auch bei der sechzehnjährigen Mandy und ihren Freundinnen Puck, Jade und Gwen, die davon in der Schule erfahren. Doch Mandy hat zurzeit eigene Sorgen, da ihre Mutter an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist und kurz vor einer wichtigen Operation steht. Die Krankheit belastet die ganze Familie, da über allen die unausgesprochene Befürchtung schwebt, dass es keine Heilung mehr geben könnte, auch wenn die Eltern ihren Töchtern Optimismus zu vermitteln versuchen. Mandys Verhältnis zu ihrer älteren Schwester Nina ist ohnehin angespannt, die Verbundenheit aus Kindertagen ist ihnen verloren gegangen und so macht jeder seine Sorge um die Mutter mit sich aus.

Krankheit und Tod bestimmen den Alltag der Hauptfigur

In ihrer Clique findet Mandy ebenfalls keine richtige Unterstützung. Die Freundinnen zeigen zwar Mitgefühl, aber mehr als oberflächliches Interesse an der Situation kommt bei Mandy nicht an. Letztlich sind die Freundinnen mit ihren eigenen Dingen beschäftigt oder wollen einfach ihren Spaß haben. Anders ist es mit Axel, den Mandy zufällig im Krankenhaus kennenlernt. Sein Vater wird dort ebenfalls wegen Krebs behandelt. Von ihm fühlt sie sich sofort verstanden und kann mit ihm über ihre Mutter sprechen. Sie kommen sich schnell näher, tauschen ihre Handynummern aus, verabreden sich und schlafen schließlich miteinander. Das hilft ihr zumindest ein wenig über die nicht erfolgreiche OP hinwegzukommen. Das Beisammensein mit Axel lässt sie noch etwas anderes als Kummer empfinden. Sie fühlt sich endlich wieder lebendig, auch wenn sie sich ihrer Mutter gegenüber schuldig dabei fühlt.

Während Mandys Alltag aus Schule und Krankenhausbesuchen besteht, kommt es zu drei weiteren Morden nach ähnlichem Muster. Der Täter überrascht seine Opfer zu Hause, tötet sie nicht nur, sondern filmt ihre Qual und stellt die Videos abwechselnd bei Instagram, Youtube und Whatsapp online. Immer sind es junge Mädchen in Mandys Alter, die zum Teil sogar bei ihr in der Nähe gewohnt haben oder in ihrem Freundeskreis bekannt waren. Das macht den Tod der Teenager für sie greifbarer und beängstigend.

Mandy fühlt sich schließlich selbst beobachtet und empfindet das leere Elternhaus plötzlich als unheimlich, auch wenn ihr dieses Gefühl im Grunde albern erscheint. Doch als sie zu einer Verabredung mit Axel fährt und am vereinbarten Treffpunkt nur ein leerstehendes Haus vorfindet, wird aus der vermeintlichen Bedrohung schlagartig eine tödliche Gefahr, der Mandy sich stellen muss.

Thriller mit Tiefe

Im Roman laufen zwei Handlungsstränge parallel. Die Story über die Ermordung der Mädchen wird dabei mit der Schilderung der schweren Krankheit von Mandys Mutter verknüpft und verleiht dem Thriller so mehr Tiefe. Die Autorin konfrontiert ihre Leser auf die Weise gleich mehrfach mit dem Tod und spricht damit ein Thema an, das für Teens in der Regel weit weg erscheint.

Ganz anders natürlich im Social Media: Die gängigen Kommunikationsplattformen, die im Buch auftauchen, von Whatsapp bis hin zu Youtube, gehören mittlerweile zum Alltag dazu. Aber wie die Kanäle vom Mörder verwendet werden, um seine Opfer zu demütigen, setzt diese so krass in Szene, dass Wallis de Vries damit eindrucksvoll den Blick auch auf die negativen Verwendungs-möglichkeiten lenkt und so ihre jugendlichen User sensibilisiert.

Die Geschichte wird in weiten Teilen aus der Sicht der Hauptfigur Mandy erzählt, aber bei den Tathergängen bekommen die überfallenen Mädchen ihre eigene Stimme. Mit ihnen zusammen werden die letzten Momente ihres Lebens in beklemmender Intensität durchlebt. Die Verfasserin beginnt ihren Roman mit einer schonungslosen Beschreibung aus Opfersicht und packt ihre Leser damit von Anfang an auf emotionaler Ebene. Die Gefühlspalette der Figuren wechselt von Beklemmung und Panik über Resignation bis hin zum Überlebenswillen und dem Kampf um die persönliche Würde; auf blutige Gewaltszenen wird verzichtet.

Die Auflösung kommt letztlich vom Täter, der seine Beweggründe für die Morde darlegt. Ausreichende Hinweise, um den Mörder selbst zu entlarven liefert der Text nicht wirklich. Dafür hat die Krimihandlung auch zu wenig Bedeutung. Polizeiliche Ermittlungen werden gar nicht erwähnt. Die Motive sind jedoch nicht völlig überraschend. Der Killer argumentiert sein grausames Handeln sehr selbstbezogen und entlarvt dabei verbal seine menschlichen Defizite.

Die letzten Seiten gehören den weiteren Personen der Geschichte und geben dem Buch einen zuversichtlichen Ausklang. Ein Blick in die Zukunft zeigt, wie es um sie drei Jahre später steht, denn „es gibt immer einen Ausweg“.

Fazit

Ein Jugendthriller mit Tiefgang, der nicht nur gut unterhält, sondern en passant auch wichtige Themen aufgreift. Die packende Story bleibt bis zum Schluss permanent spannend. Getragen von gut ausgearbeiteten Charakteren, die schnell mitfiebern lassen, punktet sie vor allem durch eine überzeugende Protagonistin. Für Leser, die subtile Psychothriller mögen auf jeden Fall eine gute Wahl.

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