Der Rüberbringer oder Ein irrer Trip zwischen Leben und Tod

Erschienen: Juli 2019

Bibliographische Angaben

Broschur, 303 Seiten

ISBN: 9783407812391

Couch-Wertung:

6

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Lisa Reim
Thema Depression mit Humor verständlich gemacht

Buch-Rezension von Lisa Reim Aug 2019

Anstrengend und fragwürdig – Rüberbringer Joe

Red hat sich umgebracht. Als der 16-jährige jedoch in der Jugendpsychiatrie wieder aufwacht, wird ihm klar: Er hat es verbockt, wie man es nur verbocken kann. Nun wird sein Leben vom drögen Klinikalltag bestimmt, von Therapiesitzungen, Gruppengesprächen und Antidepressiva. Alles ziemlich langweilig und für Red nur wenig hilfreich. Doch dann taucht plötzlich Joe an Reds Bett auf und wirbelt sein Leben ordentlich durcheinander. Denn der coole Joe passt so gar nicht zu dem in sich gekehrten, genügsamen Red. Bald schon macht Joe dem ruhigen Jungen jedoch ordentlich Feuer unterm Hintern und zeigt ihm, was das Leben alles bereithalten kann – wenn man sich nur traut.

Autor Tankred Lerch widmet sich einem anspruchsvollen Thema. Schließlich ist es nicht einfach, Depressionen und Selbstmordgefährdung mit Humor zu verbinden. Das schafft das Buch zumindest stellenweise, denn Reds Beobachtungen anderer Figuren und seine Selbstironie gehören zum unterhaltsamsten Teil des Romans. Letztendlich scheitert das Konzept nicht an der Kombination von Ernst und Witz, sondern an der Figur des Rüberbringers selbst.

Wenn einer versucht cool zu sein, es aber nicht ist

Joe möchte Red den Sinn des Lebens näherbringen. Das steht zumindest im Klappentext. Doch diesem Thema werden weder das Buch als Ganzes noch der eifrige Joe gerecht. Vielmehr handelt es sich um eine Ansammlung alberner Aktionen, die in ihrem Niveau eher in der Region „American Pie“ anzusiedeln sind, als in originellem Humor. Joe ist in seinem kindischen Verhalten eine absolute Zumutung. Es bleibt ein Mysterium, wie es Red wochenlang mit ihm aushält, und noch viel mehr wundert man sich, warum er alles tut, was dieser vermeintliche Lebensretter vorschlägt. Die meisten Aktionen kann man getrost als hirnrissig bezeichnen - wenn Red sich beispielsweise in einem verrufenen Kabuff ein Tattoo stechen lässt.

Auch wenn Joe sich gerne als Weltenversteher und Experte für Coolness ausgibt, überzeugen seine Einstellungen nur wenig. So seien Johnny Cash und Cliff Richard zu verachten, besser sei es, Rihanna zu hören und sie sich dabei nackt vorzustellen. Genauso fragwürdig ist seine Kritik an Reds Kleidungsstil, den man wohl einfach als „normal“ kategorisieren könnte. Laut Joe ist Reds Outfit jedoch grässlich, weshalb er dem Ganzen eine wohlüberlegte Komposition aus Löchern und Rissen hinzufügt. Das sei schließlich cool. All das trägt Joe in sinnreichen Wortformationen vor, die wohl Jugendsprache repräsentieren sollen. Dass Joe eine merkwürdige Auffassung von Coolness hat, könnte noch akzeptabel sein, immerhin lässt sich über Geschmack streiten. Dass er Red jedoch jeglichen Individualismus abspricht, ist dann doch bedenklich. Zu sich selbst zu stehen ist wohl eine Eigenschaft, die Joe nicht akzeptieren kann.

Fazit

Der Versuch, ernste Themen wie Depressionen mit Humor zu verbinden, ist im Grunde bemerkenswert, gerade wenn es darum geht, die Lebensfreude wiederzufinden und in dunklen Zeiten den Witz nicht aus den Augen zu verlieren. Leider scheitert es in diesem Fall an Joe, der zweifelsohne gute Absichten verfolgt, mit seiner problematischen Einstellung jedoch ziemlich nervt.

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