Erschienen: Februar 2019

Bibliographische Angaben

erschienen unter dem Titel Skamlos; aus dem Norwegischen von Maike Dörries; illustriert von Esra Roise; Hardcover, 168 Seiten

ISBN: 9783522305211

Couch-Wertung:

8

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Rita Dell'Agnese
Einblick in das Leben junger Muslimas

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mai 2019

Sie sind jung, sie wollen leben und sie wollen Freiheit: die drei Autorinnen von Schamlos, Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz, nehmen kein Blatt vor den Mund. Was ihnen ihre Gesellschaft an Sitten abverlangt und welch emotionaler Druck dahintersteckt, wird im Verlaufe des Gesprächs deutlich, das die drei führen und in protokollarischer Form zu einem Buch zusammengefasst. Immer wieder wird deutlich: Die Scham nimmt einen wichtigen Part in der Erziehung der jungen Muslimas ein. Eine Scham, die so definiert ist, dass sie die jungen Frauen stark einengt und ihnen ein westlich geprägtes Leben verunmöglichen soll. Die drei Feministinnen und Bloggerinnen haben sich selber nur teilweise aus diesem Kreislauf befreit. Immer blitzt in den Gesprächen die traditionelle Haltung durch, wenn auch die jungen Frauen sehr selbstbewusst auftreten.

Schande über die Familie bringen

Um die jungen Frauen zu gesellschaftsfähigen Muslimas zu erziehen, wird das starke Familiengefühl, das in dieser Religion verankert ist, angeführt. Wie die drei Autorinnen im Gespräch verraten, führt ein unbilliges Verhalten von Mädchen zur Schande für die ganze Familie, was einen enormen emotionalen Druck verursacht, dem sie sich nur teilweise zu entziehen vermögen. Wie subtil das zum Teil vorgeht, machen die Gespräche der Autorinnen deutlich, die sie jeweils nach einer themenbezogenen Kurzgeschichte führen und die die verschiedenen Sichtweisen widerspiegeln. Denn obwohl sich die drei Autorinnen im Grundsatz einig sind, dass die Scham als Geißel der jungen Frauen dient und es sich lohnt, sich dagegen aufzulehnen, gehen sie teilweise unterschiedlich mit dem Druck um.

Wegweisend für junge Betroffene

Primär dürfte dieses Sachbuch sich an junge Muslimas richten, die sich in der Schere zwischen dem traditionellen Frauenbild ihrer Familie und der westlichen Gesellschaft befinden und auf der Suche nach dem richtigen Weg sind. Durch ihr eigenes Erleben sind die drei Autorinnen sehr nahe an der Basis dran und können auch ihre kleinen Erfolge und Misserfolge als mögliche Leitlinien anführen. Wer genau hinsieht und die verschiedenen Meinungen sorgfältig gegeneinander abwägt, sieht aber bald, dass es weder einen allgemeingültigen Weg noch eine vollkommene Übereinstimmung bei den Definitionen der Schamlosigkeit beziehungsweise der anzustrebenden Gleichberechtigung gibt. Deutlich wird, dass sich Schamlos nicht als Plädoyer gegen den Islam versteht, sondern als den dringenden Wunsch, als Frau im Islam ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Einblick in eine andere Kultur

Für all jene, die selber in einer westlich geprägten Kultur aufgewachsen sind und die Zwänge, denen die jungen Muslimas ausgesetzt sind, kaum kennen, ist Schamlos ein Fenster in eine unbekannte Welt. Die Lektüre dieses Buches fördert das Verstehen der Andersartigkeit von jungen Kolleginnen und Freundinnen. Es zeigt auf, dass es nicht so einfach ist, sich über die Traditionen hinwegzusetzen, die die Familie hochhalten. Gerade die letztlich doch sichtbare Verschiedenheit der drei Autorinnen und ihrer Ansichten verdeutlicht die Komplexität des Themas. Wird es von den Nicht-Muslimas als Grundlage für das Gespräch mit ihren Freundinnen über deren kulturellen Hintergrund genutzt, kann das Buch eine Brücke bilden über die Kluft der Unterschiede.

Herausforderung für die Leserinnen

Schamlos ist unkonventionell aufgebaut, spielt mit Farben und ungewohntem Layout. Aber es stellt in verschiedener Hinsicht hohe Anforderungen an die jungen Leserinnen. Zum einen ist es nicht ganz einfach, den teils langatmigen Gesprächen mit den verschiedenen Gedankensprüngen, die für Außenstehende nicht unbedingt nachvollziehbar sind, zu folgen. Zum anderen setzt sich das Buch vertieft mit Werten auseinander, die vor allem im Islam eine zentrale Rolle spielen, in anderen Kulturen aber ganz anders wahrgenommen und gelebt werden. So tauchen bei der Lektüre immer wieder auch Situationen auf, in denen es schwierig wird, bei den Gedankengängen der Bloggerinnen mitzugehen.

Fazit:

Schamlos ist ein wichtiges Werk, wenn es um die Selbstbestimmung von jungen Muslimas geht. Es ist bunt und modern aufgebaut, taugt aber nicht als unterhaltende Lektüre, als die es möglicherweise nach Studium des Klappentextes wahrgenommen wird. Wer sich vertieft mit der modernen Frauenrolle im Islam auseinandersetzen möchte, ist mit Schamlos auf jeden Fall gut bedient.

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