Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen

Erschienen: Februar 2019

Bibliographische Angaben

Hardcover, 320 Seiten

ISBN: 9783764170899

Couch-Wertung:

9

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Julian Hübecker
Eine emotionale Begegnung mit einer furchtbaren Krankheit

Buch-Rezension von Julian Hübecker Apr 2019

„Kann man Sachen zerdenken? Das klingt für mich so seltsam, als würde man sagen, man kann etwas zerfühlen. Als könne man nur mit Gedanken und Gefühlen Dinge zerstören.“

Und plötzlich ist es weg: das Leben, wie man es zuvor gekannt hat, die Freude am Alltäglichen, die Unbeschwertheit und die Lust am Weitermachen. Auf einmal sind da nur noch Leere und eine dunkle Schwere, die einen niederdrückt und den Körper zum Gefängnis werden lässt. Doch es ist vor allem die Angst vor der Angst, die Leni, ein einst glückliches Mädchen, zu einem Schatten ihrer selbst werden lässt.

Über die Heimtücke von Depressionen

Für Außenstehende wirkt Leni wie eine glückliche Schülerin, die kurz vor ihrem Abschluss steht. Ihre liebenden Eltern unterstützen sie in allem und ihre beste Freundin Emma macht sie überhaupt erst vollständig. Doch etwas schleicht sich in ihr Leben, ganz heimlich: Erst sind es kleine Schatten, die sich in den Kopf einnisten, Gedanken, die Ängste hervorrufen. Darauf folgen Niedergeschlagenheit und Lustlosigkeit – Phänomene, die Leni für Stimmungsschwankungen hält, für Nachwirkungen der Pubertät… bis sie zusammenbricht.

Von da an reicht allein der Gedanke, das Bett zu verlassen, aus, um sie in Panik zu versetzen. Leni kapselt sich ein, findet kaum mehr die Kraft, zu essen und zu trinken. Ihre Eltern, rat- und hilflos, schleppen sie von Arzt zu Arzt, doch keiner kann ihr helfen, bis eines Tages eine Ärztin die Diagnose stellt: Depressionen.

Endlich hat ihr Zustand einen Namen, denn das bedeutet, dass sie eine Richtung hat, um wieder die alte Leni zu werden. Dafür nimmt sie an einem Therapieprogramm in einer Klinik teil und lernt schließlich Matti kennen.

Mattis Problem ist wohl das genaue Gegenteil von ihrem: er leidet an HSAN IV, wovon nur wenige Menschen weltweit betroffen sind. Diese verspüren keinen Schmerz, sondern merken erst, dass der Körper verletzt wurde, wenn die Verletzung sichtbar wird. Matti wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich Schmerzen zu fühlen, so zu sein wie andere. In dieser Verzweiflung verletzt er sich wie im Rausch selbst und landet daraufhin in derselben Klinik wie Leni. Es scheint, als bräuchten sie einander, um ihre Krankheiten besser zu verstehen. Doch müssen beide diese auf unterschiedlichen Wegen akzeptieren lernen.

Ava Reed von einer sehr verletzlichen Seite

Depressionen sind kein Gemütszustand! Noch immer haftet dieses Stigma an der sowohl beängstigenden als auch teuflischen Krankheit. Deshalb ist Ava Reeds Buch so wichtig und brandaktuell. Mit einem persönlichen Vor- und Nachwort gibt die Autorin preis, warum ihr das Thema so viel bedeutet – und vermutlich deshalb ist es ihr so gut gelungen.

Sie geht dabei recht schonungslos mit dem Leser um, nennt die Dinge beim Namen und lässt all die Gefühle und Schmerzen raus, unter denen Leni leidet. Der Leser ist dazu eingeladen, mitzufühlen, um zu verstehen, was es bedeutet, unter Depressionen zu leiden. Einen zusätzlichen emotionalen Reiz bieten die handgeschriebenen Tagebucheinträge, die individuell und kreativ gestaltet sind und die Gefühle authentisch wiedergeben.

Die Charaktere sind so interessant, dass man auch einige der Nebenfiguren näher kennenlernen möchte. Leider bleiben sie eher im Hintergrund. Auch Matti selbst ist über viele Stellen hinweg blass – als Leser möchte man ihn und seine Welt besser verstehen, vor allem auch wegen seiner kaum erforschten Krankheit. Man wünscht sich glatt ein eigenes Buch zu seiner Geschichte.

Fazit:

Lenis Geschichte berührt zutiefst und offenbart die Heimtücke der Krankheit. Ava Reeds Buch schreit geradezu nach einer Verfilmung. Denn das Thema gehört definitiv an die Öffentlichkeit gezerrt, da es noch viel Aufklärung bedarf.

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