Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

Erschienen: Mai 2019

Bibliographische Angaben

Aus dem Englischen von Sophie Zeitz; Taschenbuch, 320 Seiten

ISBN: 9783423627016

Couch-Wertung:

9

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Julian Hübecker
Gedanken in Dauerschleife

Buch-Rezension von Julian Hübecker Aug 2019

„Die Angst hatte ich inzwischen weitgehend ausgeschwitzt, aber als ich von der Cafeteria zu Geschichte ging, schaffte ich es nicht, den Impuls zu unterdrücken, mein Telefon rauszuholen und mir nochmal die Horrorstory durchzulesen, die der Wikipedia-Artikel über das Mikrobiom für mich darstellte.“

Aza leidet an Zwangsstörungen. Ihr Alltag wird damit zu einer endlosen Dauerschleife. Nur dank einiger Tricks kann sie diese bewältigen. Auch ihre beste Freundin Daisy ist stets für sie da, obwohl sie nicht so genau weiß, wie es in Azas Kopf aussieht. Als sich Aza schließlich in Davis verliebt, ist es schon schwieriger, ihr Gedankenkarussell unter Kontrolle zu halten.

Die Spirale im Kopf

Im eigenen Kopf gefangen zu sein ist nicht leicht. Immer wieder setzen sich die bohrenden Gedanken fest. Sie sind nicht zu fassen, bewegen sich vielmehr wie eine Spirale immer weiter nach unten, bis sie einem keine Wahl mehr lassen, als danach zu handeln – dann werden sie zu einer Zwangsstörung.

Genau das erlebt die 16-jährige Aza. Eigentlich ist sie ein sehr pragmatisch denkendes Mädchen, das ihre Welt mit nüchterner Klarheit wahrnimmt. Doch guckt sie oft viel zu genau hin. Denn die Welt besteht aus Mikroben. Unzählige von ihnen besiedeln den Planeten, leben auf unserer Haut und in unserem Körper. Die meisten sind nützlich, doch manche können uns auch schaden. Vor denen hat Aza Angst.

Daher meidet sie Krankenhäuser, aus Angst von einem der gefürchteten Krankenhauskeime befallen zu werden. Auch Berührungen mag sie nicht so gerne, und wenn sie sich vorstellt, wie viele Mikroben bei einem Kuss ausgetauscht werden, wird ihr schlecht. Das wird jedoch zum Problem, als sie ihren Freund David aus Kindertagen wiedertrifft und sich schließlich in ihn verliebt.

Denn Davis ist mit ihr auf einer Wellenlänge. Mit ihm kann sie sich auch über verrückte Dinge unterhalten, teilt gemeinsame Interessen und fühlt sich geborgen. Vor allem Davis‘ Familiensituation berührt sie: Seine Mutter ist tot und sein reicher Vater hat sich auf der Flucht vor der Justiz abgesetzt. Seit Wochen gibt es kein Lebenszeichen von ihm, obwohl sogar eine Belohnung auf ihn ausgesetzt wurde.

Erst ist Aza gemeinsam mit ihrer besten Freundin Daisy fest dazu entschlossen, das Rätsel um sein Verschwinden zu lösen. Doch mit der Zeit merkt sie, dass Davis viel besser ohne seinen Vater dran ist. Außerdem hat sie viele eigene Probleme, die einer Beziehung im Wege stehen.

Berührend und eindringlich

John Green ist nicht mehr wegzudenken, wenn es um emotionale Jugendbücher geht, bei denen man das ein oder andere Tränchen vergießen muss. In Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken schlägt er sanftere Töne an. Seine Erzählkunst zeigt sich vor allem darin, dass er seine Protagonistin Aza eingehend berichten lässt, wie zerstörerisch die eigenen Gedanken sein können.

Aza ist ein sehr liebevoller Charakter, zieht mit ihrer gutmütigen, sogar ein bisschen naiven Art den Leser in ihren Bann. Sie hat ihren eigenen Weg gefunden, mit ihrer Krankheit umzugehen. Dies äußert sich unter anderem in merkwürdigen Gedankenkonstellationen, die sie aus der Spirale heraushelfen sollen. Ich hätte mir tatsächlich gewünscht, dass der Fokus noch mehr auf ihr Krankheitsbild gelegt wird.

Denn da gibt es noch den kleinen Seitenplot um das Verschwinden von Davis‘ Vater. Wenngleich dies zum Ende hin überraschend ausgeht, war es über den Großteil der Geschichte störend und hat eher von Aza abgelenkt. Ihr vorsichtiges, unbeholfenes Annähern zu Davis war hingegen genau das, was die Geschichte gebraucht hat.

Auch die stets optimistische und vor verrückten Ideen strotzende Daisy hat als Gegenstück zu Azas Art hervorragend gepasst. Man musste ein ums andere Mal über ihre Sätze schmunzeln. Hier zeigt sich Greens Talent, Figuren als Ausgleich zu schaffen, um dem einen extremen Charakter die Härte zu nehmen. Aza allein wäre in ihrer zwanghaften, fast schon lethargischen Art zu viel gewesen; die laute, extrovertierte Daisy war der passende Gegensatz.

Fazit

Das Thema der psychischen Erkrankung ist nicht neu. Doch John Green verbildlicht dies so gut, dass man die täglichen Herausforderungen, der sich die Erkrankten stellen müssen, nachempfinden kann. Eine absolute Empfehlung, um sich mit dem Thema zu befassen.

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