Niemalswelt

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen unter dem Titel Neverworld Wake, aus dem Englischen von Claudia Feldmann; Hardcover, 384 Seiten

ISBN: 9783551584007

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Thomas Breuer
Wer opfert sein Leben für das eines Freundes?

Buch-Rezension von Thomas Breuer Mär 2019

Irgendwo im Nirgendwo

Bee und ihre vier Freunde sind tot. Oder doch nicht? Sie befinden sich in der Niemalswelt. Entkommen klingt einfach: Eine Abstimmung soll entscheiden, wer von den fünf leben dürfen, während die anderen vier sterben.

Er ist tot Jim! Ääh… ich meine: Jim ist tot!

Ein strahlender Stern könnte Jim Mason genannt werden. Jung, voller Erwartungen, nur leider tot. Selbstmord, heißt es. Für seine Freundin Beatrice, kurz Bee genannt, ein Schock, von dem sie sich nur schwer erholen kann. Erst ein Jahr später schafft sie es, sich mit ihrer Clique wieder zu treffen, um Klarheit über den Tod ihrer Liebe zu gewinnen. Die Wiedervereinigung der Freunde endet in einem Autounfall, was zunächst niemandem bewusst ist.

Steht da so ein Typ vor deiner Haustür und sagt: „Ihr seid tot!“ (eigentlich irgendwas dazwischen), dann kann das schon für einen schlechten Aprilscherz gehalten werden. Erlebst du denselben Tag immer wieder, kommt doch der Gedanke auf, dass der vermeintliche Scherz ernst zu nehmen ist.

Spätestens nach dem dritten Mal erkennen die Freunde mit den Namen Bee, Whitley, Cannon, Kipling und Martha, dass der Überbinger der Todesnachricht keine Scherze macht.

Etwas Filmgeschichte

In den 90er Jahren gab es einen Film, der auf Deutsch „Und täglich grüßt das Murmeltier“ heißt. Alte Filmfreunde mögen den Film kennen. Allen anderen hier nur eine kurze Inhaltsangabe:

Ein Lokalreporter – gespielt von US-Schauspieler Bill Murray – soll in einem kleinen Provinznest vom Murmeltiertag berichten. Durch mystische Einflüsse erlebt er jedoch denselben Tag jedes Mal von vorne. Nach einigen Ausschweifungen, wie zum Beispiel dem Raub eines Geldtransporters, erkennt er, dass er nur durch gute Taten der ewigen Zeitschleife entkommen kann.

Auch die Niemalswelt von Marisha Pessl funktioniert so. Ebenfalls setzt sie voraus, dass dem Leser dieser Film bekannt ist. Nur leider birgt der Roman weniger Freude und Tragik als der Film mit dem Murmeltier.

Jeden Tag eine gute Tat

Die gute Tat zu finden, welche das Entkommen aus der „Niemalswelt“ ermöglicht, scheint simpel: Wer opfert sein Leben für das eines Freundes? Dass dies zunächst niemand tut, ist logisch. Vielmehr folgt der Leser den Ausschweifungen, dem Wahnsinn und den Rückblenden seiner Protagonisten. Einzig Bee und ihre Freundin Martha sind die Gesittetsten, welche sich nicht dem Rauschzustand dieser Welt hingeben. Erst nach zig Tagen – Bee beschreibt es so: „Mögen es zwei oder Millionen sein“ – können sich die fünf jungen Erwachsenen einigen. Ihre gute Taten bestehen darin, herauszufinden, was wirklich mit ihrem Freund Jim geschehen ist.

Kompakte Absurdität

Mit der Entscheidung, die wahren Hintergründe über den Tod ihres Freundes herauszufinden, entwickelt sich die Geschichte in eine noch abstraktere Erzählung. Zwar mögen die fünf jetzt die besten Detektive aller Zeiten in ihrer Niemalswelt sein, jedoch einen Fall zu lösen, der ein Jahr zurück liegt, gestaltet sich auch für sie langwierig. Die Befragung von Personen ohne auf Konsequenzen am nächsten Tag zu stoßen, mag ja noch glaubhaft sein. Doch tagtäglich eine Polizeistation zu überfallen für eine bestimmte Ermittlungsakte mit ausgeklügelter SWAT-Taktik wirkt nur zu einfach.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen

Nicht nur, dass sich der Roman dadurch kennzeichnet, wie ein amerikanischer Teenager-B-Movie gestrickt zu sein, wo nur wenig sinnvolle Handlung erwartet und mehr körperliche und materielle Perfektion geboten wird. Auch ist jeder Protagonist von Egoismus geprägt. Jeder hat ein eigenes Geheimnis oder kocht sein Süppchen in der Geschichte, dessen Aufdeckung nicht gerade aus dem Stuhl haut. Für die ganzen Helden dieser Geschichte würde eines passen: „Ehrlich währt am längsten“.

Fazit:

Niemalswelt ist ein kafkaeskes Konstrukt, das leider nicht durch seine Handlung beeindruckt. Als Verfilmung könnte dieses Buch vielleicht noch annehmbar sein. Als Roman ist es für den Leser ebenfalls ein gefühltes Gefängnis in einer sinnlosen Zwischenwelt.

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Letzte Kommentare:
11.04.2019 16:37:29
niggeldi

Seit Jims ungeklärtem Tod hat Bee sich von ihren Freunden abgekapselt. Ein Jahr später stattet Bee ihnen einen Besuch ab, wobei sie gerade noch so einem Unfall entgehen. Geschockt ziehen sie sich in einem Haus zurück. Als jedoch ein Fremder an ihrer Tür klopft inbox ihnen eröffnet, sie seien in der sogenannten Niemalswelt gefangen, wird ihnen klar, dass der Autounfall tatsächlich geschehen ist und sie alle dabei gestorben sind. Sie sind so lange in dieser Zeitschleife gefangen, bis sie einstimmig den einzig Überlebenden bestimmt haben. Um diesem Schicksal zu entgehen, beginnen sie in der Vergangenheit nachzuforschen, was damals wirklich mit Jim geschehen ist. Nach und nach kommen all ihre Geheimnisse ans Licht...

Das Cover ist wunderschön gestaltet und ein absoluter Blickfänger!

Die Sprecherin har das Hörbuch gekonnt in Szene gesetzt.
Die Beschreibungen sind detailliert und man kann sich alles gut vorstellen. Die Möglichkeiten, die solch eine Welt bietet, sind unbegrenzt. Die Autorin schöpft Vieles davon aus, sodass es richtig spannend hergeht. Die Protagonisten sind authentisch beschrieben, besonders Bee ist sympathisch. Die überraschenden Wendungen steigern das Tempo ungemein und das Geschehen ist unvorhersehbar.

Ich kann die Geschichte nur empfehlen und gebe 5 Sterne!

27.03.2019 18:34:51
Milli0910

Das Cover des Buches hat mich- als kleines Coveropfer- sehr sehr angesprochen. In seiner Schlichtheit ist es dennoch sehr schön anzuschauen und bleibt ein Blickfang.

Inhalt:
Beatrice, die von allen jedoch nur Bee genannt wird, hat gerade das erste Jahr des Colleges hinter sich gebracht und hilft ihren Eltern während der Ferien in deren Cafe aus. Ein Jahr zuvor ist ihr Freund Jim auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Diesen Vorfall hat Bree noch nicht verarbeitet, weshalb sie sich immer weiter von ihren Freunden isoliert hat. Dennoch laden diese sie nach diesem Jahr zu einer Party ein, zu welcher Bee sich nach anfänglichen Überlegungen doch aufmacht. Durch einen Autounfall geraten die Freunde in die “Niemalswelt”, einer Welt, die zwischen Leben und Tod existiert. Aus dieser Welt, so wird ihnen von dem Wächter erklärt, kann nur einer von ihnen entkommen- die anderen müssen sterben. Wer das sein wird, müssen die Freunde jeden Abend, sogesehen nach dem Unfall, demokratisch bestimmen. Schnell stellt sich heraus, dass auch Jims Tod etwas mit ihrer Situation zutun hat und dass die Aufklärung desselben ihnen helfen kann. Sobald die Abstimmung nicht eindeutig ist, und es mehr als nur eine Gegenstimme gibt, sind sie erneut in der Zeitschleife gefangen. Sie beginnen sich mit dem Tod von Jim zu befassen- um der Zeitschleife zu entkommen und ihr eigenes Leben zu retten.

Meine Meinung:
Obwohl mir sowohl das Cover total gefallen hat, ich vom Klappentext überzeugt war und die Leseprobe mich gefesselt hatte, war ein kleiner Rest Skepsis geblieben. Nicht aufgrund einer schlechten Idee, sondern weil ich Sorge hatte, einen schlechten Abklatsch von “Und täglich grüßt das Murmeltier”, “Happy Deathday”, “Wenn du stirbst zieht dein ganzes Leben an dir vorbei” etc. zu lesen. Jedoch wurde ich- Gott sei Dank- eines Besseren belehrt. Es wurde zu keinem Zeitpunkt langweilig, den Protagonist*innen ist nicht über mehrere hundert Seiten das Gleiche passiert. Durch die Verbindung der Geschichte von den Freunden und die Aufklärung von Jims Tod waren auch sehr viele Elemente eines Thrillers vorhanden, welche dafür gesorgt haben, dass Hochspannung herrscht. Der Schreibstil war flüssig, es war anzumerken, dass es ein Jugendroman ist. Teilweise lasen sich die langen und verschachtelten Sätze etwas holprig, man fand sich im Allgemeinen jedoch gut zurecht. Leider möchte ich nun noch einen negativen Punkt ansprechen: Die Charaktere. Zwar waren diese alle sehr liebenswert und detailliert, aber nicht zu detailliert beschrieben, jedoch erfüllte jeder von ihnen ein riesen Klischee. Die Zicke, der Nerd, das schüchterne Mädchen aus ärmlicheren Verhältnissen, den Schwulen und die ohne eigene Meinung. Wie bereits gesagt, mit weniger Klischee hätte ich mit den Charakteren mehr anfangen können.

Fazit:
Dieses Buch ist meiner Meinung nach nicht nur für Jugendliche ein Lesevergnügen. Pessl hat in diesem Buch eine Grenze zwischen Leben und Tod erweitert und in dieser eine mehr oder weniger logische neue Welt erschaffen. Mit ausgereifteren Charakteren und mehr als nur einer Sichtweise mit Sicherheit ein noch größerer Lesespaß.

24.03.2019 17:40:56
libro-chica

Ein ungeklärter Todesfall und ein Treffen der Freunde ein Jahr später in Wincroft. Es geschieht ein Autounfall und ein Fremder erscheint, der an die Tür klopft. Er erzählt Bee und ihren Freunden, dass sie beinahe tot sind, gefangen in einer Zwischenwelt und nur einer von ihnen kann überleben. Die Freunde merken, dass sie in einer Zeitschleife sind und der alte Mann taucht auch wieder auf.
Was für eine spannende und fesselnde Geschichte. Man spürt direkt die Atmosphäre beim Lesen, als wäre man selbst vor Ort. Was für eine Story. Was ist mit Jim vor einem Jahr geschehen? Und was ist jetzt los? Wer wird überleben? Die Freunde müssen abstimmen, wer überleben soll. Was natürlich nicht einfach ist, denn jeder von Ihnen möchte ja überleben und für sich selbst stimmen. Die unterschiedlichen interessanten Charaktere sind gut beschrieben. Jeder hat ein Geheimnis. Wo waren damals alle in der Nacht als Jim gestorben ist? Ein packender Jugendthriller, was für ein Pageturner. Ich bin begeistert.
Das Cover ist übrigens sehr auffällig und zieht die Blicke auf sich.