Heartless: Der Kuss der Diebin

Erschienen: Januar 2019

Bibliographische Angaben

Originaltitel: Bring me their Hearts

Aus dem Englischen von Simone Wiemken

473 Seiten

Couch-Wertung:

7

Leser-Wertung

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Carsten Kuhr
Flüssig, voller Tempo und mit sympathischen Figuren angereichert

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Mär 2019

Die untote Dienerin einer Hexe unterwegs als Attentäterin

Mein Herz steht in einem Glas über dem magischen Feuer einer Hexe. Seitdem dies so ist, bin ich unsterblich. Ich ernähre mich von rohem Fleisch und beschütze die Frau, die mein Herz gefangen hält – sie wissen schon, eine Hexe eben. Sie ist eine der Wenigen, die den Sonnenlosen Krieg überlebt haben.

Gestatten, dass ich mich vorstelle: Elizera, kurz Zera, zweite Herzlose der Hexe Nightsinger, zum Zeitpunkt meines Todes 16 Jahre alt, Tochter eines fahrenden Händlers und mittlerweile ganz gut im Überfallen von Adeligen oder Ermorden von Attentätern.

Um einen neuen Krieg der Menschen gegen die Hexen zu verhindern, entsendet meine Herrin mich an den Hof. Der Prinz sucht eine Gemahlin – na gut, eher der Vater des Prinzen sucht eine Schwiegertochter, natürlich aus gutem Hause. Ich reihe mich gut verkleidet in die Riege der jungen Eingebildeten ein, die dem Prinzen schöne Augen machen. Mein Ziel ist einfach: Prinzessin werden und des Prinzen Herz stehlen – buchstäblich. Sie wissen schon, so mit aus der Brust reißen und ins magische Glas stecken. Als Lohn winkt mir die Freiheit, sprich, ich bekomme mein eigenes Herz wieder und führe mein Leben fort.

Dumm nur, dass ich dabei dem Prinzen auf die Schliche komme. Dass er sich der vom Vater und dem scheinbar allmächtigen Erzherzog Gavik für ihn geplanten Rolle verweigert und die Schreckensherrschaft des Erzherzogs ablehnt, macht ihn für mich…  sympathisch. Dass ich sein Geheimnis kenne und ihn erpressen kann, bringt mich in eine erfreuliche Situation. Wenn nur mein nicht in meiner Brust schlagendes Herz nicht wäre …

Interessante Erzählerin in einem bekanntem Umfeld

Was ist das für ein Buch, in dem die Attentäterin einer Hexe, also die Böse, im Mittelpunkt der Handlung steht?

Das ist zunächst einmal ungewohnter Lesestoff. Auch wenn sonst Vieles im Gewohnten und Bekannten bleibt, ist der Ansatz zumindest doch neu und interessant. Dabei ist unsere Untote gar nicht mal schlechtes Identifikationsmaterial. Sie kommt zwar aus einfachem Haus, ist aber aufgeweckt, hat einen natürlichen Sinn für Recht und Unrecht und eine Moral, von der sich die meisten der beschriebenen Adeligen eine große Scheibe abschneiden könnten – so diese denn wollten (man beachte den Konjunktiv).

Nicht fehlen darf natürlich eine angedeutete, herzergreifende Love-Story, eine gehandicapte Gefährtin und ein Widersacher, der gleich so tiefschwarz und böse gezeichnet wird, dass es fast schon wieder zu viel ist. Natürlich kommt auch das Helferlein Zufall unseren Helden wieder zupass, aber, und dies ist ein großes aber, der Roman liest sich einfach gut. Flüssig, voller Tempo und mit sympathischen Figuren angereichert geht es hinein ins Abenteuer. Dass dabei die zugrundeliegenden Aussagen, was persönliche Freiheit, Verantwortung oder Mut im Angesicht schwieriger Situationen angeht, eher unterschwellig bleiben, sei verziehen.

Fazit:

Als Fazit bleibt, dass dieser Auftakt der Trilogie interessant und flüssig zu lesendes Futter angeboten hat, das durch die ungewöhnliche Auswahl der Erzählerin zu punkten weiß und packend kurzweilig unterhält.

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Letzte Kommentare:
10.03.2019 18:01:51
niggeldi

Toller Auftakt

Zera ist eine Herzlose: Als sie dem Tode nah war, stahl ihr die Hexe Nightsinger ihr Herz und bewahrt es seither in einem Glasgefäß auf. Zera kann somit zwar nicht sterben und ihre Wunden heilen recht schnell, doch kann sie sich auch nicht weit von ihrem Herzen entfernen. Nach erfolglosen Überredungsversuchen, ihr ihr Herz zurückzugeben, macht Nightsinger ihr ein verlockendes Angebot: Um den bevorstehenden Krieg gegen die Hexen zu verhindern, soll Zera das Herz des Prinzen Lucien stehlen, sodass dieser dem Willen Nightsingers unterliegt. Doch zu Zeras Plan gehörte gewiss nicht, Gefühle für Lucien zu entwickeln ...

Das Cover finde ich sehr schön gestaltet, die abgebildeten Waffen und Schmuckgegenstände kommen auch in der Geschichte vor.

Der Schreibstil gefällt mir ebenfalls, er ist einfach gehalten und lässt sich flüssig lesen. Die Idee, Herzen zu stehlen, um Sklaven zu schaffen, ist gut durchdacht und mit vielen Details gespickt.
Zera ist eine sympathische Protagonistin mit viel Humor. Man leidet richtig mit ihr und ihren beiden Leidensgenossen mit, die sich ebenfalls wieder nach einem freien Leben sehnen. Auch Lucien kann mit Sympathie punkten, nachdem man mehr von ihm erfahren hat. Die daraus resultierende Liebesgeschichte entwickelt sich in einem glaubwürdigen Tempo. Zeras Zerrissenheit zwischen Liebe und Pflicht ist eindrücklich geschildert, sodass man diese gut nachvollziehen kann.
Die Beschreibungen der Welt und des Palastes sind schön detailliert, alles läuft im Kopf wie ein Film ab und man ist mitten im Geschehen. Das Ende ist mitreißend und lässt einen sehr gespannt auf die Fortsetzung zurück!

Ich kann das Buch nur empfehlen und freue mich schon auf den zweiten Band. 5 Sterne!