Nichts ist gut. Ohne dich.

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2018, Originalausgabe

Couch-Wertung:

8
Praktikabilität

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Valentina Mizera
Weil du dir noch nicht erlaubt hast, glücklich zu sein.

Buch-Rezension von Valentina Mizera Okt 2018

Nach sechs Jahren ohne ein Wort oder einer Erklärung, steht Leander wieder vor Jana. Ein Augenblick genügt um den Schmerz der Vergangenheit zu wecken, denn Leander ist verantwortlich für den Tod von Janas Bruder Tim. Obwohl sie sich so viel zu sagen hätten, bekommen sie keinen Ton heraus und fliehen regelrecht vor einander. Doch die Neugier bleibt und die Anziehungskraft treibt sie immer wieder zu einander. Jana versucht sich mit einer Affäre abzulenken, doch es gelingt nicht, denn Leander hat sich längst in ihr Herz eingebrannt. Obwohl es schmerzhaft ist, gieren sie nach gegenseitiger Nähe und geben einer Freundschaft die Chance. Damit weichen sie aber auch der Aussprache aus, nach der Leander sich sehnt und vor der Jana sich fürchtet. Die neu geknüpften Banden sind jedoch sehr schwach und drohen immer wieder zu zerbrechen, auch wenn das Verlangen nach einander stetig größer wird. Obwohl alles gegen sie spricht, ist der Funke zwischen ihnen nicht gewillt aufzugeben, denn nur sie können sich gegenseitig retten.

"Weil du dir noch nicht selbst vergeben hast"

Die Themen Verlust, Schuld und Liebe lassen sich als zentrale Aspekte in Lea Coplins Roman herausstellen. Anhand der Situation ihrer Protagonisten führt sie dem Leser vor Augen, wie schwer das Leben nach dem Verlust eines geliebten Menschen sein kann.

Janas Familie ist zerbrochen und auch sie lässt keine tieferen Gefühle mehr zu. Affären sind ok, denn dabei geht es nur um Sex. Jana selbst sagt dazu: "Ich kann Sex. Was ich nicht kann, ist der ganze Rest."

Genau wie Jana, leidet auch Leander unter dem Verlust. Doch er hat nicht nur einen Freund verloren, er wurde auch von allen weggerissen. Auch seine Familie ist an dem Ganzen zerbrochen, genauso wie er selbst, denn er gibt sich die Schuld an Tims Tod.

Nun verlieben ausgerechnet sie sich in einander, was sie scheinbar in eine unmögliche Situation bringt. Der Versuch dem Gegenüber sein Vertrauen und sein Herz zu schenken, bedeutet nämlich den Schmerz der Vergangenheit loszulassen und zu vergeben, was nicht gerade leicht fällt.

"Weil du noch nicht der bist, der du sein willst."

Verlust verändert die Menschen, lässt sie verzweifeln oder nach Vergebung suchen. Jeder geht anders damit um, doch der Schmerz ist nichts, was man einfach abschalten kann. Lea Coplin veranschaulicht auf äußerst emotionale Art, dass die Verarbeitung eines Verlustes auf verschiedenen Wegen möglich ist. Sie führt dem Leser aber auch vor Augen, dass nicht alle in der Lage dazu sind. Anhand von Leander gibt sie zu erkennen, dass auch der Verursacher des Unglücks leidet und sich nicht vergeben kann. Die Zeit heilt eben nicht alle Wunden; zurück drehen, lässt sie sich auch nicht.

"Weil das Schöne noch kommt."

Die Handlung des Romans ist voller Emotionen, was sich als Stärke des Ganzen erweist. Sie unterstützen die beiden Blickwinkel der Protagonisten und geben allen Gedanken und Taten etwas Nachvollziehbares. Die gewählten Themen sind alles andere als einfach und durch geschickte Wendungen und so manche Überraschung wird dies noch deutlicher. Der Schreibstil der Autorin ist unglaublich gut, denn unterschwellig lässt er den Leser erkennen, wie es den Protagonisten geht und lässt ihn mitfühlen. Schade ist am Ende nur, dass es in manchen Beziehungen zu keinen Klärungen gekommen ist.

Fazit:

Ein Roman voller Schmerz und Sehnsucht. Berührend, emotional, doch ohne Kitsch, bietet er eine Geschichte, die sehr realistisch anmutet. Autorin Lea Coplin vermittelt das schwierige Thema ohne Übertreibungen und mit viel Feingefühl. Ein Buch, das einem ans Herz geht.

Nichts ist gut. Ohne dich.

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