Wovon man alles nicht stirbt

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Coppenrath, 2017, Originalausgabe

Couch-Wertung:

8
Praktikabilität

Leser-Wertung

-
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Lisa Reim
Wenn die beste Freundin etwas verheimlicht ...

Buch-Rezension von Lisa Reim Mär 2018

... ist sie dann noch eine beste Freundin? Mit dieser Frage sieht sich Kim konfrontiert. Eigentlich sind sie und Lesya, die Neue in ihrer Klasse, beste Freundinnen. Lesya gibt Kim das Gefühl, endlich jemanden gefunden zu haben, der zu ihr passt. Denn auch sie scheint wie Kim nirgendwo richtig dazuzugehören: Lesya musste alleine aus der Ukraine fliehen, wo ihre Eltern im Gefängnis sitzen. Nun wohnt sie bei ihrer Tante in Deutschland, gleich neben dem Haus, in dem Kim mit ihrer Mutter und deren unausstehlichen Freund Ricco wohnt. Lesya verschönert die Wohnung ihrer Tante, die ständig arbeiten muss und deshalb nie zu Hause ist, mit großen Wandmalereien. Ein Hobby, das der Nachbar Herr Klose gar nicht gerne sieht. Der rassistische und ordnungsliebende Klose will Lesya am liebsten an die Verwaltungsbehörde verpetzen. In einem täglichen Ritual wünschen ihm Kim und Lesya deshalb in Gedanken den Tod - bis er plötzlich tatsächlich stirbt. Hat der Gedanken-Mord wirklich funktioniert? Was genau hat Lesya mit seinem Tod zu tun, die Kim am besagten Abend noch bei seiner Garage gesehen hatte? Und welche Rolle spielt Ricco bei der ganzen Sache? Je mehr Kim versucht herauszufinden, was wirklich geschehen ist, desto mehr Zweifel kommen ihr an Lesyas Aufrichtigkeit und ihrer Freundschaft.

Im Spannungsfeld zwischen witzig und ernst

Die Kinder- und Jugendbuchautorin Barbara Zoschke beweist mit "Wovon man alles nicht stirbt", dass sie ein Händchen für die Erschaffung von jungen Charakteren besitzt. Denn Protagonistin Kim ist nicht nur clever und sympathisch, sondern mit ihrer spritzigen Wortwahl und den überaus einfallsreichen Metaphern auch eine kreative Ich-Erzählerin. In Rückblenden und Exkursen erfährt der Leser eine Menge über das Leben der 13-Jährigen und ihre Sichtweisen auf die Welt, Rassismus, das Anders-Sein, Religion, Liebe und lästige Menschen. Doch Kim, die bizarrerweise ein Huhn namens Tante Lo in der Wohnung hält, macht sich nicht nur Gedanken über ihre Umgebung, die fanatische Listenschreiberin hält diese auch schriftlich fest. Und so begegnet man im Laufe der Geschichten einigen von Kims 10-Punkte-Listen, angefangen bei "Die besten Todesarten" bis hin zu "10 Idiotensorten". Das Buch hält dementsprechend einiges an Unterhaltungspotential bereit und entwickelt sich schnell allein durch die aufgeweckte Erzählerin zum gelungenen Pageturner.

Bei all dem Humor schwingen immer wieder auch ernste Töne mit, die Barbara Zoschke ungekünstelt in die Geschichte einzuflechten weiß. Denn so unbeschwert sich Kim auch geben mag, in ihrem Leben lief nicht immer alles nach Plan. Ihr Vater starb bei einem Unfall, als sie acht Jahre alt war und der neue Freund ihrer gesundheitlich angeschlagenen Mutter lebt in der Familie gerne seine gefährlichen Machtspielchen aus. Auch Lesya hat mit ihren inhaftierten Eltern und ihrer Flucht aus der Ukraine schon mehr durchgemacht als manch anderer Teenager. Der Tod von Herrn Klose ist da nur der Tropfen, der am Ende ein ziemlich großes Fass zum Überlaufen bringt, so manche Geheimnisse aufdeckt und gleichzeitig auch einige Probleme löst.

Lesyas Geheimnis ist das zentrale Spannungselement der Geschichte. Leider, muss man fast sagen. Denn dieses Geheimnis wird bereits Anfang des letzten Drittels gelüftet. Die steile Spannungskurve fällt deshalb abrupt in ein ziemlich tiefes Loch. Ein paar Problemchen werden bis zum Ende zwar noch aufgeräumt (und das ziemlich einfach), ihren Höhepunkt hat die Geschichte jedoch längst hinter sich gelassen. In diesem Zusammenhang verliert auch Erzählerin Kim ihren Biss. Von der beschwingten Anfangsstimmung bleibt da nicht mehr viel übrig. Ein erzählerischer Kunstgriff, denn letztendlich spiegelt der verschwindende Witz vor allem Kims Gemütszustand wider. Schließlich droht ihr der Verlust ihrer besten Freundin, die sie in ihrem grauen Leben so sehr gebraucht hat.

Fazit:

Barbara Zoschke hat gleich mehrere ernste Themen in ihren Roman gepackt: Flucht, Missbrauch, Verlust und Freundschaft. Ohne einen offensichtlichen moralischen Zeigefinger zu bemühen, jedoch mit Witz und einer wundervollen Protagonistin ist ihr ein schöner Roman für junge Leserinnen gelungen. Unterhaltsam und berührend zugleich.

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