Der Zauberhut und Pyramiden - Doppelband

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

Der viel zu früh von uns gegangene Terry Pratchett hat uns ein reichhaltiges Lebenswerk hinterlassen. Über allem schweben natürlich seine Scheibenwelt-Romane, die uns intelligentes, augenzwinkerndes, nachdenklich-machendes Lesefutter der außerordentlichen Art anboten. Dass dies aber nicht aus dem luftleeren Raum kam, sprich, dass auch Sir Pratchett einmal klein anfing, beweist vorliegendes Buch. Als junger Reporter schrieb er für seinen damaligen Auftraggeber wöchentlich eine neue Kurzgeschichte. Seine weltweiten Verlage haben diese in Zusammenarbeit mit dem Autor überarbeitet und mit kongenialen Illustrationen aus der Feder Mark Beechs versehen, gesammelt vorgelegt.

Schon früh übt sich, was ein Meister werden will

Eine Warnung vorweg - wer meint, hier auf Oma Wetterwachs oder andere liebgewonnene Gestalten der Discworld zu stoßen, der wird enttäuscht werden. Hier ist weder der Ort noch der Raum für Erzählungen um die Scheibenwelt. Aber man trifft auf Vorbilder, quasi Fingerübungen von Figuren, die in späteren Werken Terrys verewigt wurden. Die sehr kurzen Geschichten sind in einem sehr lockeren Stil gehalten, zeigen aber schon Pratchetts spätere Stärken für absonderliche Situationen und markante, skurrile Figuren. Sie wenden sich an ein jüngeres Publikum, lesen sich aber auch als Erwachsener durchaus vergnüglich.

Um was geht es? Nun, da begegnet uns ein Zauberkünstler, der von einer Hexe verflucht wird. Statt künftig seine Papierblumen aus dem Ärmel zu ziehen, verwandelt er plötzlich alles, was er berührt - echte Magie, das ist ein riesiges Problem ...

Diverse Male entführt uns der Autor dann nach Wales. Hier, in einem kleinen Dorf mitten in den ewigen Weiten der walisischen Prärie sind die Sheriffs auf Fahrrädern unterwegs, die Viehdiebe stehlen Schafe und statt Gold wird nach Kohle geschürft - was nicht heißt, dass es nicht wie im Wilden Westen zugehen würde. Da werden Banken überfallen, Züge ausgeraubt, ganze Tierherden bekommen neue Brandzeichen, in der Wirtschaft kommt es zu Schlägereien - und doch geht all dies ein wenig geruhsamer zu, als in the Wild West.

Dann erwartet uns ein Krieg zweier verfeindeter Eiswagen, kleine Menschen fahren mit Nussschalen-Unterseebooten im Teich umher, um den Angriffen von Enten auszuweichen, eine Ameise sucht nach Ruhe und Einsamkeit, ein defekter Fernsehapparat erweist sich als Zeitreisemaschine, höchst lebendige Statuen in einem Park sorgen für marmornen Nachwuchs, zwei Magier bekriegen sich, wir begleiten ein Luftschiff auf seiner Reise und erleben mit, wie die Wichte aus dem Kaufhaus zurück zur Natur finden.

All diese pointierten Geschichten verbindet, dass sie auf sehr liebevolle Art und Weise von Mark Beech mit diversen Illustrationen versehen wurden. Auch der sehr lesefreundliche Satzspiegel, der selbst Maulwürfen die Lektüre ohne Optiker-Hilfsmitter erlaubt, sei erwähnt.

Fazit

Natürlich ist das ein Versuch, den Pratchett Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen. Aber, und das ist bemerkenswert, man bekommt für den Obolus dann auch einige wirklich sehr unterhaltsame Geschichten, eine liebevoll gemachtes Buch mit Lesebändchen und den Blick auf einen jungen Autor, der später zu Weltruhm gelangen sollte.

Couch-Wertung:

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Carsten Kuhr
Die Scheibenwelt im Doppelpack - Vergnügen garantiert!

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Mai 2017

Es war einmal vor langer, langer Zeit. Damals stand die Scheibenwelt kurz vor ihrer Vernichtung. Die Magier, Zauberer und Alchemisten hatten es in ihrer Selbstherrlichkeit ein wenig übertrieben, der Untergang droht - und konnte glücklicherweise verhindert werden. Seitdem fristet die Magie ein, nun nennen wir es, Schattendasein. Bis eines Tages der achte Sohn eines achten Sohnes zum achten Mal Vater wird - wie bekannt entsteht damit ein kreativer Magnus und schon ist der Dung ganz schön am dampfen - zumal unser Magnus auch noch von seinem toten Vater bedrängt wird.

Das Ziel ist klar die Weltherrschaft - womit der magische Hut der Erzkanzler so gar nicht einverstanden ist. Ausgerechnet Ricewind, der mit seiner wandernden Truhe die Scheibenwelt unsicher macht, und die Tochter Cohens, des Barbaren, sollen den Hut schützen. Gemeinsam fliehen sie, werden beraubt, der Hut landet auf dem Kopf des Großwesirs Al Khali. Nun ist es an Ricewind, die Scheibenwelt zu retten - keine tolle Aussichten sagt Ihr - stimmt, aber wer soll es auch sonst machen ...

Pyramiden

Ptepic, der Sohn und Nachfolger Pharaos Teppicymon XXVII von Djel hat sich erfolgreich vom Elternhaus abgenabelt. Er zog nach Ankh-Morpork um dort den ehrbaren Beruf des Assassinen zu erlernen. Dass sich sein etwas verwirrter Vater umbringt, führt dazu, dass er ganz gegen seine eigenen Pläne, auf dem Thron Platz nehmen muss und die Geschicke Djels lenken soll.

Als erstes steht die Errichtung einer würdigen Grabstätte an. Eine gigantische Pyramide wird gebaut, ein Monument, das so gewaltig und schwer ist, dass es das ganze Tal in eine andere Dimension reißt. Ein Ort, an dem die Götter leibhaftig wandeln, sich bekriegen und die Toten höchst munter sind - allerdings nicht eben ein Ort, an dem Ptepic sich wohl fühlt ...

Slapstick trifft Tiefgründigkeit

Terry Pratchetts Bücher haben immer mehrere Ebenen. Man kann die Scheibenwelt-Romane von Tperry, wie die Fans den Autor liebevoll nennen, immer auf mehrere Arten genießen. Zunächst sind dies immer sehr lustige Romane voller Humor, skurrilen Situationen und gar merkwürdigen Figuren. Dann versucht der Autor auch immer eine zweite, ernstere Ebene einzubauen, in der er aktuelle Probleme unsere Gesellschaft einarbeitet und karikiert.

In den beiden, im vorliegenden Sammelband zusammengefassten Büchern, tritt diese zweite Ebene in den Hintergrund. Insoweit richtet sich der Band auch durchaus an eine jüngere Zielgruppe, die sich hier bestens unterhalten. Beide Romane haben alles, was ein unbeschwert-leichtes Fantasy-Buch auszeichnet. Wie üblich kommt der Autor dabei weitgehend ohne Gewaltdarstellungen aus, verzaubert eher durch seine Ideen und die absonderlichen Figuren, als durch Kämpfe. Die Übersetzungen lesen sich dabei sehr angenehm, die Handlung spannend, so dass auch und gerade jüngere Leser sich hier gut unterhalten.

Fazit

Für junge Leser bietet sich in diesem preisgünstigen Doppelpack die willkommene Gelegenheit einmal, ohne große Vorkenntnisse, in die Scheibenwelt hineinzuschnuppern und bestens unterhalten zu werden.

Der Zauberhut und Pyramiden - Doppelband

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