Die Königin der Flammen

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Klett-Cotta, 2015, Titel: 'Queen of Fire', Originalausgabe

Couch-Wertung:

9

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Carsten Kuhr
Für Träumer, Abenteurer und Fantasy-Fans - der krönende Abschluss der Trilogie

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Nov 2016

Willkommen zurück in den Königslanden. Seit Jahrhunderten befindet sich das Reich in Gefahr. Feinde aus dem Norden bedrängen die Königslande, im Inneren warten Verräter darauf, dass der Herrscher sich eine Blöße gibt. Doch all dies erweist sich als laues Lüftchen, als Invasoren übers Meer kommen. Das Volarianische Kaiserreich ist auf der Suche nach Begabten. Nachdem man im eigenen Herrschaftsgebiet, immerhin einem ganzen, großen Kontinent, keine Menschen mit besonderen Begabungen mehr finden kann, die der herrschenden Klasse als Sklaven dienen dürfen, sucht man über dem Meer nach Ersatz.

Die Invasion wird von den Königslanden unter hohen Verlusten zurückgeschlagen. Jetzt gilt es, den Krieg in die Heimat der Invasoren zu tragen und die Bedrohung für immer auszulöschen. Auch und gerade, weil sowohl die Königin, wie die klerikalen Orden wissen, dass hinter der Volarianischen Kaiserin der "Verbündete", eine uralten Wesenheit lauert. Ihr Ziel ist es, die Welt zu vernichten, und so wird der Kampf ohne Rücksicht auf Verluste geführt, sieht es doch ganz danach aus, dass dessen Pläne aufgehen.

Die Last des Angriffs schultern Königin Lyrna und ihre Verbündete. Dass ihre Kämpin, Reva in Gefangenschaft gerät und in der Arena zur Unterhaltung der Bürger antreten muss, macht ihr Vorankommen noch dringlicher. Sie weiß, wenn sie die Kaiserin nicht aufhält, wird auch die Statthalterin von Cumbrael zum Opfer des Verbündeten.

Vaelin Al Sorna, der Herr über die Schlachten des Reiches nähert sich der Volarianischen Hauptstadt von Norden her. Seitdem er sein Lied, die besondere Gabe, die ihn angeleitet und der er vertraut hat, verloren hat, weiß er nicht mehr wem er trauen, wie er planen soll. Erstmals ohne Anleitung versucht er dennoch alles, um den Verbündeten aufzuhalten - wohl wissend, dass die Prophezeiung ihm die wichtigste Rolle im ultimativen Kampf zugedacht hat - ob er diese bereit ist anzunehmen, oder nicht ...

Er ist da, der dritte abschließende Band der Rabenschatten-Chronik.

Zeitnah und damit ganz anders, als sein Kollege Patrick Rothfuss bringt Ryan seine High-Fantasy Saga zu einem in sich runden Abschluss. Dass es dabei erneut nicht ohne herbe Verluste für die Protagonisten und den Leser gleichermaßen abgeht, war im Vorneherein klar; es war mehr das wer und wie, das mich interessierte.

Und der Autor scheut sich nicht, seine Handlung, deren zentrale Figuren im Finale des Mittelbandes zusammengeführt worden waren erneut auseinander zu dividieren. Drei, nein nimmt man die Kaiserin hinzu, vier große Handlungsstränge bestimmen den Plot, ohne dass diese den jugendlichen Leser überfordern würden. Man hat sich eingelesen, wechselt mühelos den Erzähler und verfolgt voller Spannung mit, wie es weiter geht.

So begleiten wir Reva, die Statthalterin von Cumbrael bei ihrem Martyrium, als sie in Gefangenschaft gerät, von der Kaiserin bedrängt wird. Dass sie ihre Integrität behält, dass sie allen Versuchen sie zu manipulieren widersteht, weckt unseren Respekt und Bewunderung für die junge Frau. Natürlich lässt der Autor hier sehr geschickt und unterschwellig mit einfließen, dass Frauen beileibe nicht das schwache Geschlecht sind, als das sie oft dargestellt werden. Nein, ganz im Gegenteil, stehen sie für ihre Rechte und Pflichten gleichermaßen ein.

Anders als Reva wirkt die Königin Lyrna. Sie beeinflusst und verführt ihre Gefährten wie Untertanen dazu, für eine gerechte Sache, aber auch für ihren Machterhalt zu kämpfen, zu oft sich selbst aufzugeben und zu opfern. Hier begegnet uns eine aalglatte Politikerin, die das Ziel über alles stellt und ihre Mittel da sucht, wo sie sie findet - ohne groß auf Moral oder Anstand Rücksicht zu nehmen.

Vaelin schliesslich stellt sich seinem Schicksal. Über den hohen Norden, der ihm, wie dem Leser, nicht nur einen Begegnung mit den dort lebenden Naturstämmen, sondern auch mit der tiefsten Vergangenheit der Welt und der Herkunft des Verbündeten zeigt. Er trifft auf einen Mann, den die Götter mit Unsterblichkeit gestraft haben, einen Leidensgenossen, dem im Kampf gegen den Verbündeten eine wichtige Rolle zufällt.

Und schließlich rückt die Kaiserin, die die Wiederkunft des Verbündeten mit aller Macht vorantreibt, dabei aber ihr eigenes Wohl immer im Auge hat, ins Zentrum. Hier begegnet uns eine Persönlichkeit, die von Machtgier zerfressen, dabei aber auch von der Suche nach Geborgenheit geschüttelt ist; die gnadenlos regiert und ihre Untertanen opfert, dann wieder sich anbiedert und um Achtung buhlt.

Diese vier interessant und vielschichtig gezeichneten Charaktere sind es, die das Buch als großes Gerüst tragen. Um diese herum warten packend geschilderte Schlachten, viele Kämpfe, Kommandounternehmen und Entdeckungen auf den Leser, die die Spannung und das Tempo hoch halten. Das ist trotz der blutigen Kämpfe für jugendliche Leser verdaulich, eben weil die Schlachten nie Eigennutz sind, sondern immer differenziert und auch als Warnung dargestellt werden. Die Opfer leiden und auch davor verschließt der Autor seine Augen nie.

Fazit

Auch wenn sich gerade die vielen Schlachtbeschreibungen zum Ende hin konzentrieren, ja den Plot dominieren, muss man hervorheben, dass Ryan seine Handlung in sich stimmig und überzeugend abgeschlossen hat.

Die Königin der Flammen

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