Die unheimlichen Fälle des Lucius Adler - Jagd auf den Unsichtbaren

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

Wäre es nicht toll, wenn man vom Schicksal ausgewählt würde, eines Tages eine ganz bedeutende Rolle in der Zukunft der Erde zu spielen. Vielleicht gar mit besonderen Superkräften ausgestattet, oder ein lang verschollener Prinz zu sein? Genau so geht es den Auserwählten Jack, Cass, Marco und Aly, Sie alle haben in ihrer DNA einen besonderen Marker, der dafür sorgt, dass sie und nur sie, die einst in fernster Vergangenheit in den sieben antiken Weltwundern versteckten Loculi finden können. Nur mit diesen kann die Gefahr einer drohenden Katastrophe verhindert werden.

So, jetzt kommen wir zu Nachteilen unserer Superheroes.

Zum einen werden sie alle an ihrem jeweiligen 14. Geburtstag sterben. Zum anderen haben sie mächtige Feinde, die die drohende Katastrophe herbeiführen wollen. Sind die verrückt fragt Ihr Euch jetzt? Na ja, nicht unbedingt. Sicherlich, die Überflutung weiter Küstengebiete der USA und Europas mit Millionen von Opfern, Tsunamis und Erdbeben, aber eben auch die Geburt eines neuen, alten Kontinents, bedeutet: Es geht um nicht weniger, als darum, Atlantis aus den Fluten zu heben.

In den bisherigen Abenteuern haben unsere Helden sich mit Untoten in der Nachwelt angelegt, sind Greifen und anderem unglaublichem Getier begegnet und haben drei der sieben Gefäße an sich gebracht. Jetzt finden sie auf einer kleinen griechischen Insel eine Zeus Statue mit dem Loculus der Stärke - dumm nur, dass die Statue gar nicht nur aus Marmor besteht, sondern unsere Helden plötzlich höchst lebendig verfolgt. Dass diese - je näher sie ihrem 14. Geburtstag kommen - immer kränker werden, trägt auch nicht unbedingt dazu bei, die neue Bedrohung durch Zeus, hinter dessen marmornen Antlitz sich niemand geringeres, als der letzte Atlantische König verbirgt, gechillt zu betrachten.

Als ihre Gegner, die Massa, sie gefangen nehmen und auf die Insel des Mount Onyx bringen, erwarten sie dort Folter, Beeinflussung und Gefahren - aber auch Jacks Mutter, die sich vor Jahren schon den Massa angeschlossen hat. Doch können sie ihr trauen, und was, wenn Zeus auf die Insel gelangt?

Ein wenig verliert der Autor seinen roten Faden aus dem Visier

Im vierten Band der Seven Wonders Reihe geht es mit Riesenschritten voran. Standen die ersten drei Romane ganz im Zeichen der Suche nach den oftmals verschollenen Überbleibseln der antiken Weltwunder, angereichert natürlich durch packende Jagden der Massa auf unsere Helden, so geht es vorliegend ans Eingemachte.

Atlantis wird deutlicher als bisher in das Zentrum gerückt, ein erster, lang im Stein schlafender Atlanter betritt die Bühne - wobei der Running-Gag, diesen Englisch, das er aus TV-Serien gelernt hat, sprechen zu lassen, der dann mit entsprechenden Zitaten um sich schmeißt, auf Dauer eher nervt als zu Lachanfällen hinreißt.

Statt also weiter den Luculi nachzujagen, kommt es zum direkten Aufeinandertreffen unserer jugendlichen Helden mit ihren Gegnern. Dabei sind die Positionen klar verteilt - hier unsere Freunde, dort die natürlich bitterbösen Massa. Das ist fast ein wenig zu schwarz-weiß, da bleibt eine glaubwürdige, heißt nachvollziehbare Motivation auf der Strecke.

Dazu kommt, dass sich unsere Protagonisten nicht wirklich fortentwickeln. Sicherlich, die Zeit läuft ihnen davon, das ganze Buch deckt einen Zeitraum von wenigen Wochen ab, doch die drohende Gefahr zu sterben sollte sie mehr als beschrieben beschäftigen. Stattdessen setzt der Autor ganz auf die Karte Action. Doch selbst da boten die ersten drei Bände deutlich packendere Beschreibungen. Alles wirkt ein wenig, als würde Larangis mit angezogener Handbremse schreiben. Viele Informationen werden uns präsentiert, neue Ansätze vermittelt, dies aber zu Lasten des Plots.

Fazit

Zwar bringt der Autor im vierten Teil seine Serie voran, verschiebt den Fokus weg von der Jagd nach den Relikten hin zur drohenden Katastrophe, doch hat er dies ohne überzeugende Ausarbeitung der Folgen für die Psyche unserer vom Tod bedrohten Helden getan. Die Charakterentwicklung wurde den Info-Dumps geopfert, die Handlung lässt an Faszination ein wenig nach.

Couch-Wertung:

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Carsten Kuhr
London wird von Geistern heimgesucht - oder doch nicht?

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Nov 2016

Vier Kinder sind im hoch ehrwürdigen Diogenes Club in dem Herzen Londons willkommen. Zwar werden sie in das Rabennest, wie sie ihr Zimmer im hohen Turm getauft haben, abgeschoben - schließlich stören sie so die heilige Ruhe der Hallen des Clubs nicht -, doch irgendwie gehören sie doch dazu.

Der Sohn Alan Quatermains, der Erfinder Harold und Theodosia, die nicht nur eine Würgeschlange besitzt, sondern sich auch mit dem Übernatürlichen auskennt, gehören zu unserer Gruppe. Ich selbst bin als Sohn von Irene Adler gegenwärtig bei einem gewissen Sherlock Holmes untergebracht, der auf mich aufpassen soll. Mycroft Holmes, selbst so etwas wie ein Agent in Diensten der Krone, hat uns engagiert. Sobald wir etwas Ungewöhnliches in der Hauptstadt des Empire bemerken, sollen wir ihm Bescheid geben. Als Harold und ich bei einer Mumienauswicklung Zeugen einer Geistererscheinung werden, sind wir der Überzeugung, dass dies in die Rubrik "Besonderes" fällt.

Zusammen mit unseren Freunden machen wir uns auf, das Rätsel zu lösen. Schnell aber merken wir, dass wir es eigentlich gar nicht mit einem Geist zu tun haben: Wertgegenstände fehlen an den Orten der Heimsuchung, das weist doch eher auf einen Dieb, einen Unsichtbaren hin ...

Tiefgang gesellt sich zu einem packenden Abenteuer

Vorhang auf zum zweiten Abenteuer der geschickt zusammengestellten Truppe: Die offensichtlichen Stärken, der Sense of Wonder, der durch die Robotermenschen, der Magie und den Mumien in die Handlung kommt, stehen dabei aber gleichberechtigt Selbstzweifel, Einsamkeit und Traurigkeit gegenüber.

Vordergründig wartet ein munteres Abenteuer auf den jugendlichen Leser, doch darunter verbergen sich nachdenkliche Züge. Wie wird ein Junge damit fertig, dass seine Mutter ihn bei Fremden zurücklässt - auch wenn dies nur zu seiner Sicherheit geschieht? Und wie verstörend muss auf eine solch wahrlich schon geplagte Seele ein Exzentriker wie Sherlock Holmes wirken, dem Empathie, Rücksichtnahme und Mitgefühl Fremdwörter sind?

Hier nehmen die Autoren ihre Leser an die Hand, um mit diesen auch schwierige Situationen zu bestehen. Dabei packt die Jagd nach dem Geist / Dieb aber den Rezipienten und lässt ihn oder sie die Seiten mit klopfendem Herzen umblättern.

Fazit

So erwartet den Leser ein gelungener Mix aus spannender, rasant aufgezogener Action, einem faszinierenden viktorianischen Setting mit Steampunk-Einflüssen und nachdenklichen Passagen.

Die unheimlichen Fälle des Lucius Adler - Jagd auf den Unsichtbaren

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