Heart. Beat. Love.

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2014, Titel: 'First Love', Originalausgabe

Couch-Wertung:

6

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Rita Dell'Agnese
Ein Roadtrip, der eigentlich keiner ist

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Nov 2016

Die Erwartungen in den Roman sind hoch: James Patterson ist ein versierter Autor, der mit zahlreichen Romanen bewiesen hat, dass er schreiben kann. Er und seine Co-Autorin Emily Raymond versprechen dem Publikum einen Roadtrip mit Liebesgeschichte. Also eine eher unbeschwerte Geschichte, die durch viel Abwechslung besticht.

Zunächst macht es auch den Anschein, als ob genau das geboten würde: Die junge Axi beschließt von einem Tag auf den anderen, das Image des braven Mädchens hinter sich zu lassen, auszureißen und einen Trip durch die USA zu machen. Begleiten soll sie ihr Robinson, zu dem sich Axi über die Grenzen einer bloßen Freundschaft hinweg hingezogen fühlt. Robinson, der mit seiner Art alle Menschen bezaubert, muss nicht lange überlegen. Er nimmt die Herausforderung an und begleitet Axi auf ihrem Roadtrip. Doch er will nichts davon wissen, dass sie diese Reise wie von Axi geplant mit einem Greyhound-Bus unternehmen. Kurzerhand schließt Robinson eine Harley kurz und die beiden jungen Leute brechen auf zum abenteuerlichsten Trip ihres Lebens. Sie lasse alle Normen hinter sich, tun, was sie in ihrem bisherigen Leben nicht getan hätten. Axi hofft, dass Robinson im Laufe der Reise merkt, was sie für ihn empfindet und ihr näher kommt, denn sie weiß, dass ihre gemeinsame Zeit nur sehr kurz sein wird. Und sie ist sich auch dessen bewusst, dass diese Reise ihr ganzes bisheriges Leben in Frage stellen wird.

James Patterson hat versucht, sich in den Charaktere der beiden Jugendlichen hinein zu versetzen und ihre mögliche Handlungs- und Denkweise in den Roman einfließen zu lassen. Dennoch wirkt es an vielen Stellen so, als ob er dem Bild nachjagt, das seine Generation von heutigen Jugendlichen hat. Axi und Robinson bleiben in ihrer Handlungsweise seltsam leblos, wirken oft klischeehaft und unglaubwürdig. Besonders der allseits beliebte Robinson will keine richtigen Konturen annehmen. Er wirkt klischeehaft, veraltet, ja er erinnert an einen in die Gegenwart versetzten Rebellen der Hippie-Zeit. Auch der Ausbruch von Axi aus ihrer gewohnten Welt und ihrem "Brav"-Image will nicht so richtig funktionieren. Zwar vermag es die Ich-Erzählerin Axi, sich etwas näher an den Leser heran zu tasten, doch so ganz glaubwürdig wird sie nicht.

Obwohl der Traum der Freiheit, den die beiden während ihres Trips leben, durchaus verständlich ist, fragt sich, wie weit ein Jugendbuch-Autor darin gehen kann, Methoden wie Diebstahl von Autos oder eines Motorrades als lässliche Sünde darzustellen, die begangen werden muss, um den eigenen Traum zu leben. Hier werden Signale gesetzt, die gerade angesichts des Alters des Zielpublikums nicht ganz so überzeugen können.

Der Roadtrip lebt von enormer Geschwindigkeit. Das haben die beiden Autoren auch überzeugend umgesetzt. Allerdings geht das zulasten der Tiefe des Romans. Die Geschichte bleibt immer schön an der Oberfläche, selbst als sich herausstellt, dass es durchaus einen Grund gibt, weshalb Axi so spontan durch die USA reisen wollte, bleibt alles sehr oberflächlich und vermag deshalb nur beschränkt, das Publikum wirklich zu berühren. Hier hätten die Autoren durchaus etwas abbremsen dürfen und den Leserinnen und Lesern Zeit lassen, sich mit den neuen Informationen auseinander zu setzen.

FAZIT

Der Plot hat viel Potenzial und lebt von der großen Erfahrung der Autoren. Doch ist spürbar, dass James Patterson und Emily Raymond der Jugend von heute nicht mehr ganz so nahe stehen. So bleibt der Roman eine solide Unterhaltung, kann aber nicht vollständig überzeugen.

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