Vogelherz

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Sauerländer, 2012, Titel: 'Summer and Bird', Originalausgabe

Couch-Wertung:

4

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Ein Roman übervoll von Rätseln, Symbolen und Phantastik. Eine mystische Welt gesponnen aus gewaltigen (Sprach-)Bildern.

Buch-Rezension von A Ev Mai 2016

Schützend hält ein Schwan seine Flügel über die vielen Vögel, die in den Ranken eines Baumes sitzen. Verschnörkelt und geheimnisvoll sieht das ältlich weiße Cover von Vogelherz aus. Auf der Rückseite zwei Mädchen, verloren in einer Schneelandschaft - auf dem Weg zum Horizont. Es ist der Debütroman der amerikanischen Drehbuchautorin Katherine Catmull. Und das Cover verrät viel: es nimmt Grundzüge der Handlung vorweg, aber vor allem spiegelt es die Stimmung des Buches. Eine tiefe Einsamkeit durchzieht die Geschichte und ihre Figuren. Dumpf und entrückt wirkt das Erleben der Mädchen und doch aufs Engste verbunden mit der beseelten Natur. Der Mensch ist geworfen in einen lebendigen Raum und erfüllt sein Schicksal, auch wenn er dies erst spät begreift.

Summer und Bird sind Schwestern, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die 12jährige Summer hat sandfarbenes Haar und himmelblaue Augen. Sie ist praktisch veranlagt. Ihre drei Jahre jüngere Schwester Bird ist "ganz spatzenbraun" und ihre grauen Augen sind so wild "wie Sturmwolken". Beide Mädchen gleichen in ihrem Wesen ihren Namen. Bird ist ein "Mädchen mit Geheimnissen", sie friert nie, kann das Zwitschern der Vögel verstehen und fühlt sich mit der Natur verbunden. Ebenso wie ihre Mutter, deren "langes, widerspenstiges schwarzes Haar mit langen weißen Strähnen" durchsetzt ist, "wie Kreide auf Asphalt". Sie spricht in Gedichten und schreibt Briefe als Bilderrätsel. Auch als sie eines Morgens verschwunden ist, finden die Töchter nichts weiter als einen Brief mit Symbolen: Ein Herz in zwei Teilen; eine Sonne, ein kleiner komischer Vogel; ein Schwan; ein Tor.

"Dann erfreuen wir uns eben an dem Geheimnis" - Eine verworrene Geschichte

Man muss einen Hang zum Dichterischen haben, um sich auf Vogelherz einlassen zu können. Alles ist verschlüsselt und alles steht in irgendeinem Zusammenhang. Aber dieser erschließt sich erst spät und der Weg dahin ist gepflastert mit Irrtümern und falschen Deutungen. Die Schwestern verlassen ihre Welt, durchtreten das Tor zwischen "Oben" und "Unten" - auf der Suche nach ihren verschwundenen Eltern. Im Glauben dem Bilderrätsel ihrer Mutter auf der Spur zu sein. Dabei verirren sie sich immer tiefer in eine Welt, deren Regeln sie verstehen lernen müssen. Und schließlich trennen sich ihre Wege und allein kämpfen sie sich durch die unbekannte Märchenwelt, die ihre bedrohlichen Seiten zeigt und gar die Apokalypse aufscheinen lässt. Nur gemeinsam können sie die Welt der Vögel retten, das Gleichgewicht der Natur wieder herstellen und sich ihrem Schicksal fügen.

Verloren sind über weite Strecken nicht nur die Mädchen, sondern auch die Leser. Zu Beginn mag das Rätseln noch Spaß machen und wer das Geheimnis liebt, wird sich gut unterhalten fühlen. Doch der Bogen wird in über 400 Seiten deutlich überspannt. Der Roman hat nicht nur seine Längen, sondern überfordert den Leser mit der Schwemme an Sprachbildern und Symbolen. Anstrengend ist auch der Grundgestus der Erzählung - ein allwissender Erzähler nimmt immer wieder die Position eines göttlichen Orakels ein und wirft die Figuren auf ihre kreatürliche Unwissenheit zurück. Während die Schwestern häufig ein Gefühl der Gewissheit verspüren, wenn sie auf der falschen Fährte sind, bekommen die Leser Hinweise auf die Fehldeutungen der Mädchen und werden durch diese nur selbst zu eigenen Missverständnissen geleitet. Verworren ist die Geschichte und zwar durch und durch.

"Der Winter verschwindet nie ganz, selbst im wärmsten Sommer." - Eine Sprache für das Unsichtbare

Poetisch und bildgewaltig ist die Sprache des Romans. Detailreich wird die Welt beschrieben, welche die Mädchen umgibt: die Gerüche, die Geräusche, die Atmosphäre. Und immer wieder werden Vergleiche eingesetzt, um die beseelte Natur auch vor den Augen der Leser lebendig werden zu lassen. Das Erleben der Kinder wird geschildert, aber gleichzeitig betont der allwissende Erzähler, was diesen entgeht und die Sprachbilder vermitteln eine ganz eigene Welt. Häufig kann man innehalten und sich an einem Bild erfreuen: da heißt es etwa, dass Birds Augen so sind "wie ein bewölkter Himmel, der weder zum Sturm werden noch aufklaren wollte" oder die Stille im Haus wird beschrieben durch das Gefühl der Kälte von "Eis auf dem Fensterbrett". Manche Bilder sind geläufig, andere überraschen. Aber auch hier wird das Spiel zu weit getrieben: der Roman trieft von gewollter Poesie und büßt dabei seinen Charme ein. Ein Gedicht folgt aufs andere und verdunkelt schließlich den Handlungsgang.

Fazit

Eine verworrene Geschichte über zwei Schwestern, die ihre Eltern suchen und eine neue Welt entdecken. Ein Roman übervoll von Rätseln und gewaltigen Sprachbildern - so schön diese passagenweise sind, am Ende dürfte es jedem zu viel werden.

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