Die Seiten der Welt - Blutbuch

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

Lieben Sie Bücher? Üben die frischen oder alt-ehrwürdigen Seiten, der Geruch der Bindung, der Satz in einer ansprechenden Type und am wichtigsten natürlich der Inhalt auf Sie auch einen ungeheuren Reiz aus? Dann sind Sie in Kai Meyers Seiten der Welt richtig. Hier treffen Sie auf Artgenossen, Buchverrückte, Bibliophile und Exlibris - doch all dies ein ganz klein wenig anders, als erwartet. Doch beginnen wir, wie jedes Buch, am Anfang.

Im ersten Band stellte uns der Autor eine Welt vor, wie sie phantastischer kaum sein könnte. Eine Welt, in der Exlibris aus Büchern fallen und ein eigenes Leben annehmen, in denen Seiten gespalten und aus den so freigesetzten Herzen mittels besonderer Kräfte von den Bibliomanten eine gar eigene Büchermagie gewirkt werden kann.

Einst gehörten die Rosenkreuz´ zu einer der fünf großen, die Welt der Bibliomanten beherrschenden Familien. Dann fielen zwei der Familien einem Genozid zum Opfer, die verbleibenden Häuser beherrschen vom legendären Sanktuarium ihre geheime Welt. Schon länger rumort es beim Volk. Zu despotisch, zu gewaltsam und unterdrückend ist die Herrschaft der Clans.

Furia Krosenkreuz, die letzte ihres Namens, hat sich den Rebellen angeschlossen. Verfolgt von den Häschern des Sanktuariums kommen sie und ihre Freunde einer Verschwörung innerhalb der herrschenden Clique auf die Spur. Mit einer seltenen Zielstrebigkeit, die jegliche moralische Rechtfertigung entbehrt, jedes Nachsinnen um Recht und Getz verbietet, soll ein Umsturz von innen für radikale Veränderung sorgen. Dazu kommt die Bedrohung von außen. Ein altes, längst besiegt geglaubtes Übel reckt sein Haupt, eine Bedrohung, von der man glaubte, sie eigentlich im letzten Krieg endgültig besiegt zu haben.Eine Bedrohung, die die Existenz der Bücherwelt bedroht mit etwas gar Unerhörtem - mit Veränderung!

Phantasie trifft auf Tiefgang - und dabei liest sich das Buch noch super spannend!

Nach einem mehr als fulminanten Auftakt, der Leser wie Buchhändler zu Begeisterungsstürmen hinriss, erscheint nun der zweite Teil der Geschichte um Furia und die Welt der Bibliomanten.

Wie bereits im Auftaktband der Trilogie hält Kai Meyer sich wahrlich nicht zurück. Das Tempo ist hoch, die Actionszenen reihen sich aneinander, Gewaltschilderungen sind ebenso Bestandteil der Handlung wie leise, nachdenkliche Momente und wieder gilt es Abschied von liebgewonnenen Figuren zu nehmen. Geschickt lüftet der Autor immer wieder neue Geheimnisse, installiert frische, die Handlung vorantreibende Gestalten und legt den Grundstein für die weiteren Abenteuer.

Dabei hat mich ein wenig verwundert, dass er die Antagonisten auf Seiten des Sanktuariums doch recht eindeutig dunkel angelegt hat. Während Furia und ihre Freunde durchaus ambivalent gezeichnet werden, auch ihre dunklen Seiten haben und mit diesen auskommen müssen, sind ihre Gegner doch nur eines - böse, egoistisch und verdorben bis ins Mark. Nun, dies hat natürlich den Vorteil, dass wir uns im Kampf um die Welt der lebenden Bücher ganz eindeutig zu positionieren wissen.

Wie dies bei Kai Meyer so üblich ist, fügt er seinen Abenteuern, quasi in der zweiten Reihe immer auch eine ernsthafte Aussage bei. Dieses Mal geht es um das Thema Veränderung. Während die Honoratioren des Establishments, allen voran die Führer und Beamten des Sanktuariums eine statische Welt ohne jede Entwicklung anstreben, ihre Pfründe sichern wollen, allenfalls einmal kosmetische Korrekturen, den Austausch der vorgeschobenen Marionetten in Erwägung ziehen, droht auf der anderen Seite Chaos. Doch eben jenes Chaos hält auch das Potential in sich, dass sich etwas Neues, etwas Besseres entwickeln könnte, dass sich neue Wege und Chancen auftun, die Dinge verbessern. Dies ist der immerwährende Konflikt alt versus jung, der sich hier, in der Welt der Bibliomanten widerspiegelt.

Fazit

Einmal mehr beweist Kai Meyer seine unangefochtene Sonderstellung als Deutschlands führender Phantast. Mit ganz eigener Phantasie, einem ebenso mitreissenden, wie bewusst eingesetzten Stil und einem Plot, der den Leser packt überzeugt er auf der ganzen Linie.

Couch-Wertung:

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Carsten Kuhr
Aktuelle gesellschaftliche Probleme integriert der Meister des magischen Realismus problemlos in seine Schöpfung

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Mai 2016

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Figuren aus Büchern fallen und lebendig sind, in der Exlibris, Origami und Tintenlinge um ihre Freiheit und Anerkennung kämpfen und in der Bibliomanten mittels Bücher der Schöpfung Macht über die reale Welt erlangen - willkommen in Kai Meyers Seiten der Welt.

Ja, es ist schon etwas Besonders, was der Meister des magischen Realismus sich für seine Leser und Fans hat einfallen lassen. Er entführt uns zum mittlerweile dritten und letzten Mal in seine ganz eigene Schöpfung, aus der seine Liebe zum gedruckten Wort, sein Faible zu Büchern und sein Anspruch, seinen Lesern etwas mitzugeben, spricht.

Dabei nutzt er nicht nur bekannte Figuren - insbesondere hat es ihm dieses Mal Jim Hawkins, sie erinnern sich sicherlich an den Schiffsjungen der Hispaniola, angetan - sondern hält jede Menge Abenteuer, Dramatik und, ja auch überaus schmerzhafte Verluste für seine Leser bereit.

Ich möchte an dieser Stelle nicht viel von der Handlung verraten; wer die ersten Bücher nicht gelesen hat, der wird dem Plot nicht folgen können, und diejenigen unter Ihnen und Euch, die die Seiten der Welt bereits bereist haben, ahnen sicherlich, was auf sie zukommt.

Kai Meyer führt seine Handlung um den Aufstand der Unterdrückten gegen die Herrschaft der Familien, sowie der Bürokratie, zu einem Ende. Der Freiheitskampf der Exlibris gegen Unterdrückung und Diskriminierung wird ebenso zu einem in sich logischen Schluss gebracht, wie der drohende Genozid an den Tintenlingen.

Hier hat der Autor, fein und unauffällig - aber überzeugend, seine Anschauung zu dem Drang nach Freiheit, Selbstbestimmung und einer zumindest gewissen Gerechtigkeit im Leben Ausdruck gegeben.

Mit den Tintenlingen nimmt er darüber hinaus das Thema Flüchtlinge, ob bewusst oder, da schon lange geplant, unbewusst auf, zeigt, dass diejenigen, die alles verloren haben, vom Schicksal Geschundene sind, die sich nur nach einem Leben in Freiheit, Sicherheit und Frieden sehnen. Sie sind Opfer, nicht Täter, sie haben alles verloren und suchen doch so wenig. So ist dies auch ein Buch, das den Leser zum Nachdenken anregen möchte, das neben dem unbestrittenen Unterhaltungswert seine ruhigen, stillen, ja traurigen Momente hat, in denen es gilt Abschied zu nehmen.

Abschied nicht nur von liebgewonnenen Figuren, Abschied auch von dem Glauben, dass eine Seite gewinnen, die Andere verlieren wird. Bei Kai Meyer ist es wie im richtigen Leben - einfache Lösungen gibt es keine, alles ist immer ein Kompromiss. Charaktere ändern sich, manche zum Guten, andere zu ihrem Nachteil. Und doch ist dies ein Zeichen des Lebens, dem die Bücher, wie immer, ihre Referenz erweisen.

Fazit

In einem wunderbar stimmigen Finale legt Kai Meyer erneut ein Buch vor, das weit abseits der gängigen Pfade eine packende Handlung mit interessanten Charakteren und einer nachdenkenswerten Aussage verknüpft.

Die Seiten der Welt - Blutbuch

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