Winterpferde

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2014, Titel: 'The Winter Horses', Originalausgabe

Couch-Wertung:

9

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Stefanie Eckmann-Schmechta
Eine atemberaubende Geschichte voller Poesie und Spannung

Buch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta Mai 2016

Kalinka, 13 Jahre jung, ist auf der Flucht vor den Nazis. Ihre Familie hat sie bereits verloren und irrt allein in der weiten Steppe der Ukraine umher, bis sie Anschluss findet bei einer Herde wilder Pferde: Die berühmten Przewalski- Pferde. Sie sind robust und außergewöhnlich klug - und so wild, dass sie ganz bestimmt keinen Menschen an sich heran lassen - bis auf Kalinka. Bald schon wird aus der ungewöhnlichen Freundschaft eine Schicksalsgemeinschaft. Die Nazis sind weit in das russische Reich eingedrungen und machen sogar Jagd auf die seltenen Pferde. Kalinka und die letzten beiden Pferde der Herde müssen irgendwie entkommen...

Zivilcourage und die Liebe zu den Tieren

Zeichnet sowohl Kalinka als auch den alten Wildhüter Max aus. Ihre Begegnung ist ein Segen für das Mädchen, das ohne die Hilfe des sanftmütigen Mannes in dem harten Winter in der Steppe nicht hätte überleben können. Max kennt jedes Tier in dem Naturreservat "Askania-Nowa" - doch am meisten liebt er die wilden Pferde, die es schon vor tausenden von Jahren gab und auf Höhlenwänden der damaligen Menschen verewigt wurden. Es trifft ihn bis ins Mark, dass die Nazis, die das Herrenhaus des ursprünglichen Besitzers besetzen, Jagd auf die klugen Pferde machen. Der ursprüngliche Gründer von Askania-Nowa - Baron Falz-Fein - war auch ein Deutscher. Aber ein ganz anderer Schlag Mensch als diese neuen deutschen Besatzer. Von ihm hat Max die deutsche Sprache gelernt und er hat den Baron bewundert für seine Hingabe und sein gutes Herz. Die Deutschen von damals wurden von den Kommunisten vertrieben. Max blieb - und muss nun mit ansehen, wie ein Tier nach dem anderen getötet wird.

Eines Tages steht ein Mädchen vor ihm - vollkommen erschöpft und ausgehungert - und mit ihr kommen die zwei letzten Przewalski-Pferde der Herde: Die Stute Börte und der Hengst Temüdschin. Sie folgen Kalinka auf Schritt und Tritt. Ein Wunder für den alten Max. Er nimmt die Pferde in seinem Stall auf und Kalinka in seiner guten Stube. Zum ersten Mal seit Monaten trifft das Mädchen auf einen hilfsbereiten Menschen; die meisten haben sie fortgejagt, aus Angst vor den Nazis.

Doch sie können nicht dort bleiben. Max bringt sie ins verlassene Wasserwerk, mitsamt den beiden Pferden. In der Hoffnung, dort einen sicheren Platz für sich und die Pferde gefunden zu haben, malt Kalinka die Pferde an die gewölbte Wand des Wasserreservoirs, wie es auch einst die Menschen in den Höhlen taten. Sie können jedoch nicht bleiben, der SS Hauptmann Grenzmann kommt ihnen auf die Schliche. Kalinka und die Pferde müssen zusammen mit dem treuen Hund Taras fliehen - in Richtung Front, wo die Rote Armee die deutschen immer weiter zurückdrängt.

Dabei hinterlassen sie im tiefen Schnee der Steppe eindeutige Spuren und kommen nur langsam voran. Die deutschen Soldaten sind ihnen in ihren schweren Motorrädern längst auf den Fersen. Dann tut Börte etwas, das ganz und gar ungewöhnlich ist für ein wildes Pferd: Sie lässt Kalinka auf ihrem Rücken reiten. Es wird knapp genug für die vier Gefährten und sie müssen zu mancher List greifen, bis sie an die Front kommen. Und wieder kommt alles anders : Die Menschen zeigen sich von einer ganz und gar unerwarteten Seite - ob im Guten oder Bösen.

Kaum nur eine fesselnde Geschichte für Pferde-Freunde

Ich bin wahrlich keine Pferdenärrin, daher liegen mir Pferdegeschichten überhaupt nicht. Doch ich war neugierig, auf eine Geschichte mit historischem Hintergrund. Und das schöne Cover sah so sehr nach Abenteuer aus, dass ich dem Buch gerne eine Chance gab, mich zu überzeugen. Und das tat es von der ersten Seite an. Hier werden alle Erwartungen und Schubladen, in die man das Buch einordnen möchte, überflüssig. Es sind Schicksale, Lebensgeschichten inmitten einer ganz furchtbaren Zeit, in der gerade die Unschuldigen nicht verschont wurden. Und unschuldig sind die Protagonisten allesamt; die Tiere ebenso wie Max - der selbst als junger Mann Folteropfer des russischen Geheimdienstes wurde weil er für den deutschen Baron gearbeitet hat - und Kalinka, deren einziger "Fehler" es ist, jüdisch zu sein. Und die Pferde, die, wie die Juden, im Rassenwahn der Nazis ausgerottet gehörten. Inmitten dieses Wahnsinns haben sich diese beiden Menschen - so weit in Jahren auseinander - ein gutes Herz bewahrt. Haben sich die wenigen Stunden, die sie füreinander da sein konnten, aneinander festgehalten und waren bereit, alles dafür zu opfern, ein Stück ihrer heilen Welt vor dem Wahnsinn zu beschützen. Es fällt schwer, nicht allzu pathetisch zu werden, denn das Buch berührt sehr. Nicht nur weil die Mischung Kind, Tiere, alter Mann es wirklich in sich hat, sondern auch, weil Philip Kerr so eindringlich und doch so ohne Pathos schreibt. Dabei sind die Pferde sowieso anders als alles, was man über Pferde vielleicht glaubte zu wissen. Sie narren ihre Verfolger, verstecken sich eher, als dass sie fliehen, denken sich allerlei Listen aus, spielen miteinander und sind sogar Schadenfroh. Philip Kerr webt sie in die Geschichte ein, wie zwei echte Individualisten und es macht einfach Spaß, sie und auch den klugen Wolfshund in Aktion zu erleben.

Nicht immer geht alles gut aus

Aber das Buch ist durchaus für Jugendliche ab 12/13 Jahren geeignet. Besonders Philip Kerrs ausgewogene Erzählweise ohne jede Schwarz-Weiß-Malerei oder das Bemühen altbekannter Stereotypen, macht dieses Buch gerade für Jugendliche so wertvoll. Er zeigt die Menschen in ihrer Gänze - mit ihren Stärken und Schwächen. Menschen, die im Kern gut sind und Menschen, deren Kern bereits verfault scheint. Er erzählt nicht von den Guten oder den Bösen. Genauso wenig wie er auch seine Charaktere - seien sie auch noch so fragwürdig - niemals eindimensional darstellt. Jeder hat seine Geschichte, seine Prägung - aber Kerr macht auch deutlich: Jeder hat eine Wahl. So kommt es, dass Kalinka Bedrohung erfährt, wo sie Hilfe erwartet, und Nächstenliebe und eine ausgestreckte Hand, wo sie mit dem Schlimmsten gerechnet hat. Kerr macht klar: Jeder Mensch hat das Potential zum Guten und zum Bösen. Egal ob Deutscher, Ukrainer oder Russe.

Philip Kerr gewährt seinen jungen Lesern einen klaren Blick auf die Abgründe und gleichzeitig zeichnet er eine so reine und unberührte Natur - eine Welt, die uns Menschen Halt geben sollte, die wir mit ihren artenreichen Geschöpfen nicht zerstören dürfen. Seine Sprache hat sehr viel Kraft, sie erzählt, beinahe poetisch, von Liebe, Verantwortungsgefühl und Loyalität. Dabei ist die Geschichte voller Wendungen und Überraschungen - an keiner Stelle stellt sich so etwas wie Trägheit ein, ist die Bedrohung doch allgegenwärtig. Aber Kerr nimmt sich Zeit für Beobachtungen, Erinnerungen und kostbare Momente des Glücks. Kleine Verschnaufpausen, die er gerne auch mit einer Prise Humor würzt.

Der historische Unterbau ist gut gewählt. Er ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Die schwer vorstellbaren Wirren des damaligen Weltkrieges sind an diesen Einzelschicksalen - ganz weit weg von uns - umso eindrucksvoller nachzuempfinden. Hier kann man die Auswirkungen besser verstehen, als im Großen und Ganzen - in Zahlen und Daten. Damit ist es auch ein Buch das literarisch und historisch für Jugendliche ab 12 Jahren durchaus anspruchsvoll ist aber mit seiner fesselnden Dramaturgie einfach mitreißend ist.

FAZIT

Winterpferde von Philip Kerr ist ein einnehmendes Buch. Von der ersten Seite an findet man Zugang, weil es so viel von der kostbaren Kraft der Hoffnung erzählt.

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